C’est le ton qui fait la musique

Stil und Sprache in der öffentlichen Auseinandersetzung.

 

Um Entscheidungen treffen zu können, brauchen wir einen unverzerrten, unverblümten Blick auf die Welt. Eine unbesonnene Wortwahl jedoch kann den gesamten Prozess der öffentlichen Auseinandersetzung in Mitleidenschaft ziehen und sie auf Nebenschauplätze verlagern – Kulturpessimisten sehen hier seit je einen Unterbietungswettkampf am Werk. Der Erfolg eines Politikers wie Donald Trump, der die oft verkürzte Kommunikationsweise von Social Media zu seinem eigenen Stil gemacht hat und Twitter zu seinem Leitmedium, gibt ihnen recht.

In den Schlagzeilen der Medien dagegen ist ein Überbietungswettkampf im Gang: vulgäre Politiker, menschenverachtende Plakate, Hassreden im Internet, so schlimm wie heute war es noch nie! War es natürlich doch. Die Stammtische sind heute vermutlich auch nach 22 Uhr und nach 2,2 Promille Blutalkoholgehalt in fast allen Belangen um Längen korrekter, salonfähiger und in der Sache gerechter als vor Jahrzehnten.

Sprache, Stil und Inhalt lassen sich tatsächlich nicht völlig voneinander trennen. Geschliffene Gedanken schlagen sich auch im Stil nieder, ungehobelte Sprache lässt nicht selten auf argumentative Leichtgewichtigkeit schliessen. Sprache formt das Denken, und die Werkstatt der Gedanken- und Stilbildung betrifft alle Kommunikationsebenen der Gesellschaft. «Fortiter in re, suaviter in modo» – hart in der Sache, aber weich in der Form zu sein, empfahl der Jesuit Acquaviva einst. Ist es heute umgekehrt? Haben Stil und Form die Sache an den Rand gedrängt?

In diesem Dossier erfahren Sie, was der moderne, technologiegestützte Kommunikationsstil mit unserer Gesellschaft macht und wie heutige Ausdrucksweisen das soziale Zusammenleben beeinflussen. Sie entscheiden dabei auch, ob eine sachliche und faire Diskussionskultur, wie wir sie im «Schweizer Monat» uns zu führen bemühen, eben vielleicht doch einen Wert hat.

Gute Lektüre wünscht

Die Redaktion


Für die Unterstützung dieses Dossiers danken wir der Vontobel-Stiftung. Redaktionell verantwortlich ist der «Schweizer Monat».

«Sympathisch elitär, aber nie hochnäsig!
Die Kollegen beim MONAT wissen,
dass der liberalen Haltung ein Schuss Ironie gut bekommt.»
Rainer Hank, «FAZ»-Kolumnist,
über den «Schweizer Monat»