Bürgerliches Trauerspiel

Seit 1848 haben im Bundesparlament «bürgerliche Parteien» den Ton angegeben. Und sie tun es immer noch. In den letzten dreieinhalb Jahren schaffte es «Rot-Grün» jedoch erstaunlich oft, «bürgerliche Parteien» als Mehrheitsbeschaffer einzuspannen. Was kommt dabei heraus? Eine Auswahl.

Akteure:

Sozialdemokratische Partei der Schweiz (SP)

Grüne Partei der Schweiz (Grüne)

Grünliberale Partei Schweiz (GLP)

Christlichdemokratische Volkspartei der Schweiz (CVP)

Bürgerlich-Demokratische Partei Schweiz (BDP)

FDP. Die Liberalen (FDP)

Schweizerische Volkspartei (SVP)

 

Gesundheit

Der Nationalrat beschliesst im Dezember 2011: Behörden können mit Testkäufern kontrollieren, ob sich Verkaufsstellen beim Alkoholverkauf an die Altersgrenzen halten (Abstimmung im Nationalrat: SP: 100%, Grüne: 100%, GLP: 100%, CVP: 67%, BDP: 100%, FDP: 0%, SVP: 0%).

Der Nationalrat beschliesst im Dezember 2011: Kantone können nicht mehr eigenständig entscheiden, ab welchem Alter Tabakwaren verkauft werden dürfen (SP: 100%, Grüne: 100%, GLP: 100%, CVP: 97%, BDP: 88%, FDP: 38%, SVP: 2%).

Das Parlament will im September 2012 das Präventionsgesetz ausweiten, scheitert aber an der Schuldenbremse.

 

Verkehr, Energie und Umwelt

Das Parlament beschliesst im Juni 2012 im Rahmen von «Via sicura» unter anderem: Der Bund darf künftig zusammen mit den Kantonen bauliche Vorschriften für Fussgängerstreifen erlassen (Abstimmung im Nationalrat: SP: 100%, Grüne: 100%, GLP: 100%, CVP: 100%, BDP: 100%, FDP: 85%, SVP: 0%).

Das Parlament beschliesst im März 2013: Die Autobahnvignette soll künftig 100 Franken pro Jahr kosten (Abstimmung im Nationalrat: SP: 53%, Grüne: 15%, GLP: 0%, CVP: 100%, BDP: 100%, FDP: 90%, SVP: 23%).

Das Parlament beschliesst im Dezember 2011: Die Schweiz hat bis 2020 ihre CO2-Emissionen um 20 Prozent zu senken (Abstimmung im Nationalrat: SP: 100%, Grüne: 100%, GLP: 100%, CVP: 100%, BDP: 88%, FDP: 65%, SVP: 7%).

Der Nationalrat beschliesst im Dezember 2011: Der Bundesrat soll die Möglichkeit haben, mit dem Energiegesetz Verbrauchsvorschriften für Anlagen, Fahrzeuge und Geräte zu erlassen (SP: 100%, Grüne: 100%, GLP: 100%, CVP: 100%, BDP: 100%, FDP: 100%, SVP: 0%).

Der Nationalrat beschliesst im Dezember 2011: Die Schweiz soll schrittweise aus der Atomenergie aussteigen (SP: 100%, Grüne: 100%, GLP: 100%, CVP: 100%, BDP: 100%, FDP: 57%, SVP: 4%).

Das Parlament beschliesst im Juni 2012: Geschäfte dürfen ihren Kunden keine Wegwerfplastiksäcke mehr abgeben (Abstimmung im Nationalrat: SP: 100%, Grüne: 100%, GLP: 100%, CVP: 89%, BDP: 12%, FDP: 4%, SVP: 23%).

Das Parlament genehmigt im September 2013 ein «Übereinkommen über den Zugang zu Informationen, die Öffentlichkeitsbeteiligung an Entscheidungsverfahren und den Zugang zu Gerichten in Umweltangelegenheiten» (Abstimmung im Nationalrat: SP: 100%, Grüne: 100%, GLP: 100%, CVP: 65%, BDP: 67%, FDP: 11%, SVP: 0%).

Das Parlament beschliesst im März 2013, mit einer «Energiewende light» die kostendeckende Einspeisevergütung zu erhöhen und Grossverbraucher von den damit verbundenen Mehrkosten zu entlasten (Abstimmung im Nationalrat: SP: 100%, Grüne: 100%, GLP: 100%, CVP: 100%, BDP: 100%, FDP: 58%, SVP: 2%).

 

Aussenpolitik und Finanzen

Der Nationalrat beschliesst im März 2012, das Steueramtshilfegesetz zu ändern und den USA auch Daten bei Gruppenanfragen zu liefern (SP: 100%, Grüne: 75%, GLP: 100%, CVP: 100%, BDP: 100%, FDP: 96%, SVP: 0%).

Der Nationalrat beschliesst im September 2013: Schweizer Finanzinstitute müssen künftig Informationen mit US-amerikanischen Steuerbehörden austauschen und sich dem FATCA-Gesetz unterstellen (SP: 95%, Grüne: 100%, GLP: 100%, CVP: 96%, BDP: 100%, FDP: 100%, SVP: 0%).

Der Nationalrat beschliesst im Dezember 2011: Die Schweiz gibt neun Ländern auch dann Auskunft, wenn diese den Namen eines angeblichen Steuerbetrügers nicht angeben (SP: 100%, Grüne: 100%, GLP: 100%, CVP: 100%, BDP: 100%, FDP: 100%, SVP: 6%).

Das Parlament beschliesst im Juni 2012, die Entwicklungshilfegelder auf 11,35 Milliarden Franken zu erhöhen (Abstimmung im Nationalrat: SP: 100%, Grüne: 100%, GLP: 100%, CVP: 100%, BDP: 100%, FDP: 100%, SVP: 0%).

Im Winter 2011 lehnt das Parlament für das Budget 2012 diverse Kürzungsvorschläge, u.a. für das Bundespersonal, ab und stockt die Verkäsungszulage für Milchbauern um gut 29 Millionen auf.

Der Nationalrat lehnt im März 2012 eine Vereinfachung des Steuersystems durch eine Flat-Tax (Einheitstarife mit fixen Einheitsabzügen) ab (SP: 100%, Grüne: 73%,…