Blogs, Rede & Widerrede

18.1.2009

Robert Nef, SMH Blog, www.schweizermonatshefte.ch/blog

Rechtschreibung: zurück zur Vernunft

«Im Weltwoche-Editorial, mit dem ich inhaltlich weitestgehend einig bin, steht das Wort ‹Gräuel›, das mir jedesmal, wenn ich ihm in dieser Schreibweise begegne, ein wahrer Greuel ist. … Das Einfrieren der geschriebenen Sprache und das definitive Dogmatisieren von Schreibweisen ist bestimmt kein erstrangiges liberales Anliegen. Wenn sich der praktizierte Sprachgebrauch oder -missbrauch irgendwann durchsetzt, bin auch ich für Flexibilität oder gar für ein friedliches Nebeneinander von Schreibweisen wie bei Photo und Foto. Das gibt dem Schreibenden und dem druckenden Medium sogar einen Spielraum der Selbstdarstellung als Traditionalist oder als Modernist. Doch der umgekehrte Weg, dass plötzlich einige staatlich beauftragte und besoldete Besserwisser den Sprachbenützern … Schreibweisen vorschreiben, die vom bisherigen Gebrauch abweichen, ist ein Skandal, den man im politischen Bereich zu wenig und zu spät thematisiert hat.»

27.1.2009

Gustav Künzli, SMH Blog (Kommentar zu Robert Nef)

Gräuel-Grauen-Grausamkeit

«Jaja, ein Skandal. Eine Frechheit, dass ‹Orange› die Frucht und die Farbe, ‹Bank› die Sitzbank und das Geldinstitut, ‹Ton› die Erde und den Klang, ‹Fliege› das Tier und den Querbinder bezeichnet! Dagegen sollte man sich als Liberaler wehren. Nur fehlt mir jegliche Begründung, warum Herr Nef es sich erlaubt, seine Gewohnheiten über die Qual beim Erlernen einer Sprache zu stellen. Gräuel-Grauen-Grausamkeit ist nun halt tatsächlich konsequent und logisch. Sich dagegen zu sperren ist bornierter Konservativismus.»

27.1.2009

Stefan Stirnemann, SMH-Blog (Kommentar zu Gustav Künzli)

Der Gebrauch geht über die Logik

«Herr Künzli beruft sich auf die Verwandtschaft, in welcher ‹Greuel› und ‹Grauen› stehen, und hält es für konsequent und logisch, im Sinne der Rechtschreibreformer nicht mehr zwischen ‹gräulich› und ‹greulich› zu unterscheiden. Er begibt sich in sumpfiges Gelände. Zum einen haben die Reformer in den letzten Jahren schon vieles für logisch gehalten, von dem sie heute nichts mehr wissen wollen; zum Beispiel galt von 1996 bis 2004 ‹es tut mir Leid› als konsequent und ‹es tut mir leid› als falsch, von 2004 bis 2006 war ‹es tut mir leid› ebenso logisch wie ‹es tut mir Leid›, und heute ist wieder einzig ‹es tut mir leid› konsequent. Wer den Reformern traut, baut im Sumpf und säuft ab.Vor allem aber steht in der Sprache und beim Schreiben über aller Logik der Gebrauch. In der modernen Literatur wird das Farbadjektiv ‹gräulich› von ‹greulich› unterschieden. … Die ‹Schweizer Monatshefte› sind laut FAZ die führende Schweizer Kulturzeitschrift. Herausgeber und Redaktoren sind also verpflichtet, im Reich der Sprache besonders sorgfältig zu sein. Es ist schön, dass sie diese Pflicht immer wieder erfüllen.»

27.1.2009

Peter Müller, SMH Blog (Kommentar zu Stefan Stirnemann)

Keine technische Materie

«Die Geringschätzung der Rechtschreibung als ‹eher technische› Materie hat es den Rechtschreibreformern erst ermöglicht, ihr Zerstörungswerk zu verrichten. Die Rechtschreibung ist eben wirklich nur auf den ersten Blick eine technische Materie. Der vom Saulus zum Paulus gewandelte Exreformer Horst Haider Munske hat das in seinem ‹Lob der Rechtschreibung› anschaulich beschrieben.»

«Die Zeitschrift für unabhängige
und selbstverantwortliche Individuen!»
Werner Kieser, Unternehmer,
über den «Schweizer Monat»