Blogs, Rede & Widerrede

von drei Bloggern

Jens Berger,

«Der Spiegelfechter», http://www.spiegelfechter.com/

Klimahysterie als Wirtschaftsfaktor

5. Dez. 2009

«Investitionen in die Umwelttechnik sind – wie alle Investitionen – Umverteilungen von Geldern. Wenn Umweltschützer die Kosten zur vermeintlichen Abwehr des Klimawandels mit den Kosten der Finanzkrise vergleichen, so ist dies sympa-thisch naiv. Schon die Vergangenheit des deutschen Ökobooms war eine Umverteilung – zum Teil auch von unten nach oben. Verdeutlichen kann man dies an Windrädern und Solardächern. Jahrelang waren Investitionen in erneuerbare Ener-gien reine Steuersparmodelle für Besserverdiener – Verlustabschreibungen, ausgeglichen durch subventionierte Energiepreise. Was der Besserverdiener an Steuern gespart hat, musste von der Allgemeinheit über höhere Stromkosten bezahlt werden. Höhere Stromrechnungen für die Kassiererin zugunsten der Steuerersparnis ihres Chefs – aber wenn es der Umwelt dient, ist es ja ok. Protest von ‹links› blieb bei dieser Form der Umverteilung erwartungsgemäss aus. Heute geht es eher um eine globale Umverteilung. Um Klimaziele zu erreichen, muss viel Geld in Umwelttechnik investiert werden. Davon profitieren zuallererst die Unternehmen, die im Markt stark sind, allen voran Weltmarktführer Deutschland. Wenn die Chinesen also weniger CO2 ausstossen sollen, müssen sie viel Geld investieren. Geld für deutsche Technik und deutsche Firmen. So holt sich Deutschland das Geld zurück, das China den Deutschen und mehr noch den Amerikanern für Konsumgüter abnimmt. Ein schöner Kreislauf, solange alle Länder die immer rigideren Klimaprotokolle unterzeichnen.»

Julika,

«Freilich», http://www.freilich.ch/

Denkaufgabe: Keynes’ Sparparadox

27. Nov. 2009

«Im Jahr 2008 geht X jeden Abend auswärts essen. 2009 verschlechtert sich seine wirtschaftliche Lage und X beschliesst, sein Geld lieber zu sparen und zu Hause zu essen. Dies zerstört das Einkommen des Wirts. Der Wirt muss nun, will er weiterhin sein Lokal betreiben wie bisher, Geld von seinem Sparkonto abheben. Also führt der Rückgang des Konsums (in wirtschaftlich schweren Zeiten) nicht zu vermehrtem Sparen. (X spart zwar, der Wirt spart dementsprechend jedoch weniger.) Im Gegenteil, es wird Einkommen zerstört, weil nicht nachgefragt wird. Also, Lösung: gebt X einen Stimulus. Wer findet den Fehler? Edit: Man widerlege die Argumentation bitte so, dass auch ein Zweitklässler, pardon: Politiker sie versteht. Ganz so einfach ist das nicht.»

Dottore,

«Ordnungspolitischer Blog», http://www.ordnungspolitik.ch/

Wer bezahlt die Landwirte?

27. Nov. 2009

«Fakt ist, wir subventionieren die Landwirtschaft mit Milliarden von Direktzahlungen. Soeben wurde wieder ein Betrag von 3,5 Milliarden Franken pro Jahr gesprochen. Jeder von uns bezahlt Jahr für Jahr 850 Franken in den ersten Wirt-schaftssektor, in dem gerade mal 3.7 % der Erwerbstätigen arbeiten. In der Landwirtschaft gibt es 170’000 Beschäftigte, die Mehrheit (55 %) von ihnen im Nebenverdienst. Jeder dieser Beschäftigten – egal ob er oder sie noch einer Erwerbs-arbeit nachgeht – erhält mehr als 20’000 Franken pro Jahr (Quelle BfS 2008). Direkt als staatlicher Landschaftspfleger. Diese Direktzahlungen sind ein historisch gewachsener Ersatz für die Milliarden an Produktsubventionen, die in den neunziger Jahren abgebaut worden sind. Diese Subventionen hatten den Preismechanismus ausser Kraft gesetzt, zu fal-schen Anreizen und zu wahnsinnigen Überproduktionen geführt. […] Den Berufsbauern genügen diese Milliarden Di-rektzahlungen aber nicht. Sie wollen nun wieder neue Produktionsgelder (einen sog. fairen Milchpreis), selbstredend ohne auf Direktzahlungen zu verzichten. In der Praxis finanzieren wir 96 % Nichtbauern den mehrheitlichen Neben-verdienst (man könnte auch Hobby sagen) von 170’000 Schweizern. Diese wollen zusätzlich zu diesen direkten Zah-lungen staatlich gestützte und durch uns darüber hinaus berappte Produktionspreise und gleichzeitig auch noch ge-schlossene Grenzen und damit die Bevormundung der 96 % hinsichtlich ihrer täglichen Einkäufe. Hier liegt eine ver-schwindend kleine Minderheit auf dem Geldsack der Allgemeinheit.»

«Der beste Journalismus ist der,
den man liest, obwohl einen das Thema bis dahin gar nicht interessiert hat.
Beim MONAT passiert mir das ständig.»
Niko Stoifberg, Schriftsteller und Redaktor bei «getAbstract», über den «Schweizer Monat»