Bitcoin siegt langsam
Saifedean Ammous, zvg.

Bitcoin siegt langsam

Der Aufstieg von Bitcoin wird keinen hyperinflationären Zusammenbruch des Fiatgeldes verursachen. Die Kryptowährung könnte den traditionellen Währungen aber in den nächsten 50 Jahren dank technologischer Überlegenheit den Rang ablaufen.

 

Die am weitesten verbreitete Vorhersage darüber, wie sich eine Bitcoin-Wirtschaft entwickeln könnte, beinhaltet in der Regel, dass die gesamte Wirtschaftin einem Haufen hyperinflationären Elends zusammenbrechen werde, ähnlich dem, was man heute in Venezuela sieht. Der US-Dollar, der Euro, das Pfund Sterling und alle anderen globalen Währungen würden im Wert zusammenbrechen, da ihre Besitzer sie fallenliessen und ihr Kapital in den überlegenen Wertaufbewahrungsort Bitcoin verlagerten. Die Regierungen würden ­kollabieren, die Banken würden zerstört werden und die Versorgungslinien des Welthandels würden zusammenbrechen. Doch es gibt mehrere Gründe zu der optimistischen Annahme, dass dies nicht der Fall sein wird.

Der erste Grund ist, dass das Hyperinflationsszenario davon ausgeht, dass der Zusammenbruch der Nachfrage nach nationalen Währungen zu deren Wertverfall führen würde. Historisch gesehen war eine Hyperinflation jedoch immer das Ergebnis eines starken Anstiegs der Geldmenge und nicht eines plötzlichen Rückgangs der Geldnachfrage. Die Nachfrage nach Rai-Steinen, Glasperlen, Muscheln, Salz, Vieh, Silber, vielen nationalen Währungen und verschiedenen anderen Geldmedien ging im Laufe der Zeit zurück, als Marktteilnehmer härtere Alternativen einführten. Dieser Rückgang würde jedoch wahrscheinlich nur allmählich erfolgen, wenn es nicht zu ­einer schnellen Erhöhung der Geldmenge käme. Zu einer Hyperinflation kann es nur kommen, wenn Regierungen und Zentralbanken die Geldmenge erhöhen, wie eine ­genaue Untersuchung aller modernen Fälle von Hyper­inflation zeigen würde.

Venezuela existiert trotz Hyperinflation weiter

In Venezuela ist die Landeswährung heute auf weniger als einen Millionstel ihres Wertes von vor ein paar Jahren ­gefallen. Venezuela, das Land, gibt es immer noch, und die Bevölkerungszahl ist dieselbe wie vor dem Zusammenbruch der Währung. Die venezolanische Bevölkerung braucht immer noch Geld und verlangt mehr davon. Die Nachfrage nach dem Bolivar ist deutlich gesunken, aber die Nachfrage nach lokalen Währungseinheiten kann unmöglich auf einen Millionstel des früheren Wertes gesunken sein. Die venezolanische Bevölkerung braucht die Währung nach wie vor, um alle ihre regierungsbezogenen Geschäfte zu erledigen, was dank der Verstaatlichung der Wirtschaft immer häufiger vorkommt. Der Wertverfall des Bolivar ist nur als Folge des raschen Anstiegs des Angebots zu verstehen; ein etwaiger Nachfragerückgang war eher eine Auswirkung und nicht die Ursache für den Wertverfall dieser Währung. Aus den venezolanischen Geldmengenstatistiken geht hervor, dass das Angebot des Bolivar zwischen 2007 und 2017 um das Hundertfache gestiegen ist, zu welchem Zeitpunkt die venezolanische Regierung die Veröffentlichung von Geldmengenzahlen einstellte, was auf einen noch deutlicheren Anstieg schliessen lässt. In ähnlicher Weise hat die Zentralbank im Libanon in den letzten zwei Jahren den Bestand an physischen Banknoten und Münzen um rund 650 Prozent erhöht, während die Währung gegenüber dem US-Dollar um mehr als 90 Prozent eingebrochen ist.

«Statt einer Bedrohung, die das Fiatgeld zerstören kann,

könnte sich der Bitcoin…

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