Robin Gnehm, zvg.

Bildungsstandort Schweiz: Teil I

Was Unternehmer denken: Robin Gnehm, Nikin, Lenzburg (AG)

 

Sein Industrial-Design-Studium an der Fachhochschule Nordwestschweiz hätte Robin Gnehm liebend gerne abgeschlossen. Aber ein Vollzeitstudium und ein rasant wachsendes Start-up unter einen Hut bringen? «Ich habe mir dann gesagt: Das Studium kann ich auch nachholen. Bei Nikin hingegen war es ein Jetzt oder Nie», erzählt er. Nikin verkauft Streetwear-Klamotten und leistet dabei einen Beitrag zur Nachhaltigkeit – das Unternehmen setzt auf ressourcenschonende Materialien und lässt pro abgesetztes Produkt einen Baum pflanzen. Gnehm hat die Firma ­zusammen mit seinem Sandkastenfreund Nicholas Hänny ­gegründet, die beiden sind ein eingespieltes Team: Hänny, der studierte Betriebswirt mit einem Doppelmaster, der das nötige theoretische Fachwissen mitbringt, und Gnehm, der kreative Tüftler mit den Ideen. Inzwischen beschäftigen die beiden 42 Angestellte.

Gnehm schätzt die zahlreichen Möglichkeiten, die das Schweizer Bildungssystem bietet. «Eigentlich kann man hier wirklich machen, was man will.» Der 29-Jährige spricht aus Erfahrung: Vor dem Antritt seines Studiums schloss er eine Lehre als Automechaniker ab, jobbte im Gartenbau und machte die Berufsmatura. Vielleicht ist es diese Experimentierfreudigkeit, die Gnehm den Mut gab, den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen: «Ich hatte nie das ­Gefühl, mich mit einem Diplom absichern zu müssen. Wäre ich in meinem Leben nur Student gewesen, dann hätte ich mir den Abschluss wohl erst sichern wollen.» Viele Schweizer fürchteten sich vor der Selbständigkeit – sie hätten Angst vor dem Scheitern. Gnehm fände es sinnvoll, wenn man bereits Kinder zum Anpacken und Ausprobieren animieren würde.

Während seinem Studium hat Gnehm festgestellt, dass der Bildung oftmals die Praxisorientierung fehle: «An der Uni werden Projekte über einen längeren Zeitraum mit viel Liebe zum Detail unter die Lupe genommen. Zur Ausführung und Auseinandersetzung mit konkreten Problemen kommt es ­allerdings nie.» Er schlägt vor, vermehrt obligatorische Praktika in den Stundenplan einzubauen, damit Studierende schon früh mit echten Baustellen in der Praxis in ­Berührung kommen. Er betont, wie viel er von seiner Unternehmensgründung lernen konnte: «Selber etwas aufzuziehen, war die beste Schule meines Lebens.»

«Ein Sprudelbad fürs Hirn!»
Monique Bär, Philanthropin und Gründerin der Arcas Foundation,
 über den «Schweizer Monat»