Beamte im Glück

Die Coronakrise hat das Wachstum des Staats beschleunigt. Die Verwaltung wird nicht nur grösser, sondern zahlt auch Spitzenlöhne.

 

Während in der Pandemie viele Arbeitnehmer um ihre Stelle bangen, muss sich wenigstens eine Gruppe keine Sorgen um ihren Job machen: die Angestellten des Bundes. Ihr Bestand wuchs im Pandemiejahr 2020 um über 600 auf 37 689 Vollzeitäquivalente (siehe Abb. 1). Die Zufriedenheit der Mitarbeiter stieg auf einen neuen Höchststand, wie die Personalbefragung des Eidgenössischen Personalamts (EPA) ergab. «Die Bundesverwaltung war schon immer eine attraktive Arbeitgeberin – in Krisenzeiten aus nachvollziehbaren Gründen umso mehr», schreibt das EPA dazu auf Anfrage.

Abbildung 1: Mehr Leute arbeiten beim Bund

In der Krise schlägt die Stunde der Verwaltung. Im Zuge der Coronapandemie hat sich das Wachstum des Staates beschleunigt. Die Staatsquote – die Ausgaben von Bund, Kantonen und Gemeinden im Verhältnis zum Brutto­inlandssprodukt – ist 2020 auf den Rekordwert von 36,5 Prozent gewachsen. Das liegt zwar auch daran, dass die Wirtschaftsleistung gesunken ist. Doch auch im vergangenen Jahr, als die Konjunktur deutlich anzog, blieb die Quote über dem Vorkrisenniveau (siehe Abb. 2).

Abbildung 2: Der staatliche Fussabdruck wird grösser

Betrachtet man die Entwicklung des Personalbestands beim Bund, baute 2020 vor allem das Innendepartement aus – angesichts der Pandemie keine Überraschung. Über das vergangene Jahrzehnt gesehen hat das Aussendepartement mit einem Wachstum von fast 40 Prozent am stärksten zugelegt, gefolgt vom Innendepartement und dem Justiz- und Polizeidepartement mit 23 beziehungsweise 22 Prozent Zuwachs. 2015 hatte das Parlament im Grundsatz beschlossen, den Personalbestand auf 35 000 zu plafonieren. Vier Jahre später bekam die Bundesversammlung jedoch kalte Füsse und schrieb das Geschäft ab. Seither ist die Zahl deutlich angestiegen.

«Vorletztes Jahr erhielten 96,6 Prozent

der Bundes­angestellten eine Beurteilung von

‹gut› oder ‹sehr gut› und somit automatisch

Anrecht auf eine Lohnerhöhung.»

Ungeachtet der respektablen Personalausstattung findet sich in der Bundesverwaltung offenbar niemand, der Fragen zum Wachstum der Verwaltung beantworten kann. Jedenfalls lehnten mehrere Ämter Interviewanfragen des «Schweizer Monats» ab, wobei sie Zeitmangel geltend machten oder an andere Stellen verwiesen. Je grösser eine Organisation ist, desto unübersichtlicher wird sie, und so breitet sich die grosse Unzuständigkeit aus, wie sie in vielen Grossbetrieben zu beobachten ist.

Die Bundesangestellten sind in den letzten Jahren nicht nur zahlreicher geworden, sie verdienen auch besser. Der durchschnittliche Bruttolohn betrug 2020 über 124 000 Franken (siehe Abb. 3). Zum Vergleich: Im Gastgewerbe beträgt der Durchschnittslohn weniger als die Hälfte davon.

Abbildung 3: Der Bund bezahlt gut

Immerhin: Für das respektable Salär leisten die Bundesangestellten auch herausragende Arbeit. Jedenfalls erhielten vorletztes Jahr 96,6 Prozent von ihnen eine Beurteilung von ‹gut» oder «sehr gut» und somit automatisch Anrecht auf eine Lohnerhöhung. (Wobei eine solche nur gewährt wird, wenn der Mitarbeitende noch nicht den Höchstbetrag seiner Lohnklasse erreicht hat, was laut EPA bei rund der Hälfte der Angestellten der Fall ist.) Daneben haben die Angestellten gemäss Bundespersonalgesetz auch Anrecht auf einen Teuerungsausgleich.

Freilich geben die Daten zur Kernverwaltung ein unvollständiges Bild über die gesamte Staatstätigkeit ab. In der Mitarbeiterzahl sind etwa die Angestellten bundeseigener Betriebe nicht enthalten, ebenso wenig die Angestellten von Firmen, an welche die Verwaltung Aufgaben ausgelagert und Aufträge vergeben hat. Auch erfasst die Staatsquote zum Beispiel nicht die Tätigkeit von Krankenkassen, deren Ausgaben zwar vom Bund vorgegeben sind, aber nicht über das Bundesbudget, sondern über Zwangsabgaben in Form von Prämien finanziert werden. Zudem verursacht die Verwaltung auch indirekte Kosten in Form von Regulierungen, die Unternehmen und Privatpersonen zusätzlichen Aufwand bescheren. Der staatliche Fussabdruck ist somit deutlich grösser, als der Blick auf die Zahlen zur Verwaltung vermuten lässt.

«Ein Sprudelbad fürs Hirn!»
Monique Bär, Philanthropin und Gründerin der Arcas Foundation,
 über den «Schweizer Monat»