Bankenplatz Schweiz: Vor der Renaissance?

Der Bankenplatz Schweiz ist massivem Stress ausgesetzt. Die anhaltenden politischen Belastungsproben lassen drei Zukunftsszenarien möglich erscheinen: 1 Das Gros der Finanzinstitute fokussiert ihre Strategien in Richtung exzellentes Asset Management und kundenfreundliches Privat Banking. Dank höherer Eigenmittel und interner Bereinigungen gehen sie gestärkt aus den gegenwärtigen Turbulenzen hervor. Mit Weltklasse-Finanzdienstleistungen schaffen es Gross- und Privatbanken, sich im […]

Bankenplatz Schweiz: Vor der Renaissance?
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Der Bankenplatz Schweiz ist massivem Stress ausgesetzt. Die anhaltenden politischen Belastungsproben lassen drei Zukunftsszenarien möglich erscheinen:

1 Das Gros der Finanzinstitute fokussiert ihre Strategien in Richtung exzellentes Asset Management und kundenfreundliches Privat Banking. Dank höherer Eigenmittel und interner Bereinigungen gehen sie gestärkt aus den gegenwärtigen Turbulenzen hervor. Mit Weltklasse-Finanzdienstleistungen schaffen es Gross- und Privatbanken, sich im globalen Wettbewerb um die Verwaltung von Vermögen geschickt zu positionieren. Die Stabilität der Confoederatio Helvetica, gegründet auf einer soliden Währung und rechtsstaatlichen Prinzipien, trägt dabei wesentlich zum Erfolg bei.

2 Eine Anpassung bleibt aufgrund unfähiger, weder unternehmerisch noch zukunftsorientiert denkender Banker und Bankiers aus. Die Folgen sind ein Trümmerhaufen mit grossflächigem Abbau von Jobs, wegbrechende Steuerleistungen und bleibender Schaden für alle Industrien, die vom Wohlergehen des Finanzsektors abhängen. Auch die Restaurantbetreiberin, der Stilberater und der Informatiklehrling erfahren: Ein vitaler Finanzsektor ist unabdingbar für die wirtschaftliche Prosperität.

3 Dritte Möglichkeit: Es findet eine parallele Entwicklung der beiden Szenarien statt. Dies würde den Finanzplatz zwischen Genf und St. Gallen tendenziell schrumpfen lassen, wobei es zu weiteren Konzentrationen kommt – zu Lasten des belebenden Wettbewerbs. Doch bliebe der Finanzplatz ein wichtiger Pfeiler des Wohlstands.

Welches Szenario eintritt, hängt nicht nur von helvetischem Verhandlungsgeschick der Diplomaten und langfristig denkenden Banken ab, sondern auch von der Unterstützung, die der Finanzplatz durch die Öffentlichkeit erfährt. Im Zuge der Schuldfragen rund um begangene Fehler und Boni-Exzesse, die medienwirksam abgehandelt werden, entsteht mitunter der Eindruck, dass es der Schweiz besser ginge, wenn sie sich des Gewichts der Finanzindustrie entledigen würde. «Bankenbashing» ist nicht zuletzt deshalb zum Volkssport geworden. Setzt sich diese Haltung aber politisch durch, so könnte sich dies als fatal erweisen – nicht nur für die Banken. Denn mit dem Finanzplatz verhält es sich wie mit dem Wohlstand: Geschätzt wird er erst, wenn er nicht mehr da ist. Nur lässt sich das Kind nicht mehr so einfach in die Wanne zurückbringen, wenn es erst einmal mit dem Wasser ausgeschüttet ist.

Wer dieser Tage auf besonnene Reflexion pocht, setzt automatisch einen Kontrapunkt zur Aufregung, die rund um die wirksame Befreiung von Altlasten entstanden ist. Dies bietet die Chance, die Frage nach den langfristigen Aussichten zu stellen und jene Bedeutung und Nützlichkeit in Erinnerung zu rufen, die der Bankenplatz Schweiz ungeachtet kurzfristig orientierter Gewinnoptimierungen hat. Das tun unsere Autoren in den folgenden Beiträgen.

Die Redaktion

Bankenplatz Schweiz: Vor der Renaissance?
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Bankenplatz Schweiz: Vor der Renaissance?

Der Bankenplatz Schweiz ist massivem Stress ausgesetzt. Die anhaltenden politischen Belastungsproben lassen drei Zukunftsszenarien möglich erscheinen: 1 Das Gros der Finanzinstitute fokussiert ihre Strategien in Richtung exzellentes Asset Management und kundenfreundliches Privat Banking. Dank höherer Eigenmittel und interner Bereinigungen gehen sie gestärkt aus den gegenwärtigen Turbulenzen hervor. Mit Weltklasse-Finanzdienstleistungen schaffen es Gross- und Privatbanken, sich im […]

Vor und nach dem grossen Kater
Philipp Müller, Christof Reichmuth und Oswald Grübel, photographiert von Thomas Burla.
Vor und nach dem grossen Kater

«Wir haben übertrieben», sagt Oswald Grübel. Philipp Müller: «Was wir von Seiten der Banken erleben, ist eine Kakophonie.» Und Christof Reichmuth: «Ich bin in der Position, dass ich mit dem Schlamassel zurecht­kommen muss.» Ein offenes Gespräch über Altlasten und Zukunftsperspektiven des Bankenplatzes Schweiz.

«Sympathisch elitär, aber nie hochnäsig!
Die Kollegen beim MONAT wissen,
dass der liberalen Haltung ein Schuss Ironie gut bekommt.»
Rainer Hank, «FAZ»-Kolumnist,
über den «Schweizer Monat»