Banken ohne Vertrauen

Vertrauen beflügelt die Wirtschaft. Das gilt in besonderem Mass für das Bankgeschäft, das auch als Kreditgewerbe bezeichnet wird. Kredit steht für Vertrauen. Die einzigartige Position des schweizerischen Finanzplatzes hat viel mit Vertrauen zu tun: Vertrauen in die Banken, Vertrauen in die Schweiz. Im Englischen gibt es zwei Ausdrücke für Vertrauen: «Confidence» und «Trust». «Confidence» ist […]

Vertrauen beflügelt die Wirtschaft. Das gilt in besonderem Mass für das Bankgeschäft, das auch als Kreditgewerbe bezeichnet wird. Kredit steht für Vertrauen. Die einzigartige Position des schweizerischen Finanzplatzes hat viel mit Vertrauen zu tun: Vertrauen in die Banken, Vertrauen in die Schweiz.

Im Englischen gibt es zwei Ausdrücke für Vertrauen: «Confidence» und «Trust». «Confidence» ist der normale Kooperationsmodus in der Wirtschaft. Das Vertrauen basiert auf vergangener Erfahrung und Evidenz. Confidence ist irgendwie objektiv, beruht auf Statistiken, Fakten, Regeln und Gesetzen. Für Confidence gibt es messbare Beurteilungskriterien.

«Trust» dagegen basiert auf dem Glauben an eine Person, einen Repräsentanten. Trust ist definiert als die Bereitschaft, sich in Erwartung eines positiven Resultates und aufgrund ähnlicher Werte gegenüber einem anderen verletzlich zu machen. Trust ist zukunftsbezogen und basiert auf der Freiheit des andern, sich vertrauenswürdig zu verhalten.

Der Finanzplatz Schweiz verdankte seine Spitzenposition im privaten Vermögensverwaltungsgeschäft dem Vertrauen, das ihm private Kunden entgegenbrachten. Viele Kunden schenkten den Schweizer Banken und der Schweiz im Verlauf von Jahrzehnten Vertrauen im Sinne von Trust. Die Kunden machten sich damit willentlich abhängig. Das war einzigartig und risikoreich.

Die Zeiten von «Trust» im Bankgeschäft sind für Kunden und für Banken vorbei. Die Banken dürfen ihren Kunden nicht mehr generell vertrauen. Sie könnten Geldwäscher, Steuerhinterzieher, Terroristen oder Staatspräsidenten sein. Die Privatkunden werden der Schweiz und ihren Banken nicht mehr generell vertrauen. Sie wurden im Glauben an ähnliche Wertvorstellungen getäuscht und verletzt. Damit verbleibt für das Bankgeschäft das ganz normale Vertrauen im Sinne von «Confidence». Für «Confidence» gibt es messbare Beurteilungskriterien und Statistiken. Halten sich die Schweiz und ihre Banken an die Regeln und Gesetze? Kann der Kunde den Rechtsweg beschreiten? Ist das rechtliche Gehör gewährleistet? Ist auf das Wort der Banker und der Politiker Verlass?

Viele Antworten auf diese Fragen sind heute leider negativ. Wir haben die Grundlagen für «Confidence» selber zerstört.

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Wolf Lotter, Autor und Mitgründer von «brand eins»,
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