Thomas Sprecher

ist Jurist und Germanist, Partner der Anwaltskanzlei Niederer Kraft Frey in Zürich. Er war bis 2019 Präsident des Verwaltungsrats der SMH Verlag AG, die diese Zeitschrift herausgibt. Sein 2013 erschienenes Buch «Schweizer Monat 1921–2012. Eine Geschichte der Zeitschrift» ist auf Anfrage bei leserservice@schweizermonat.ch erhältlich.

Alle Artikel von
Thomas Sprecher

Peter Stirner in Schilten

«Ein Leben», sagte der alte Thomas Mann mit Blick auf Heinrich Kleist, «braucht nicht 80 Jahre zu währen, um auf seine Art voll bestanden und siegreich vollendet zu sein». Und so war Hermann Burgers Suizid mit einer Überdosis Schlaftabletten am 28. Februar 1989 seltsam konsequent. Denn Todes- und Selbstmordthemen durchziehen sein ganzes Werk, alles lebt […]

Mit der Zuckerdose wider das Schlechte

Zu den musealen Juwelen in Winterthur gehört die Villa Flora. Sie beherbergt eine hochkarätige Kunstsammlung, die das Ehepaar Hedy und Arthur Hahnloser in den ersten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts aufgebaut hat und die ausgezeichnete Werke des ausgehenden 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts umfasst, namentlich auch solche des französischen Nachimpressionismus. Zusammen mit Kontext und Ambiente, […]

Immerhin wird stimmig gestorben

Der Roman stellt sich in die Nachfolge von Meinrad Inglins «Schweizerspiegel», der ebenfalls mit dem Besuch des deutschen Kaisers in Zürich anhebt, und Kurt Guggenheims «Alles in allem»: ein Epochenroman als Familienroman. «Das Gute» berichtet über mehrere Generationen der mittelständischen Zürcher Familie Frauenlob, und anhand ihres Bildes von der Geschichte der Schweiz und Zürichs, insbesondere […]

Ein-Satz-Bilder, Ein-Bild-Sätze

Der Zürcher Autor Peter K. Wehrli, so die Legende dieses Buchs, soll vor vierzig Jahren auf einer Reise den Fotoapparat veragessen haben, was ihn animierte und zwang, mit der Sprache zu fotografieren. Er machte Ein-Sätze-Bilder mit Titelwort. Darin liegt der Clou: ein Bild, ein Satz; ein Satz, ein Bild. Alle zusammen bilden ein Buch, und […]

Widmers achter Schöpfungstag

Urs Widmer: «Valentin Lustigs Pilgerreise. Bericht eines Spaziergangs durch 33 seiner Gemälde. Mit Briefen des Malers an den Verfasser». Zürich: Diogenes, 2008. Valentin Lustig, hat sich da ein Urs Widmer einfallen lassen, heisse der Malermeister, und am Ende des Buchs gibt’s sogar ein Foto von ihm, zusammen mit dem Dichter, als ob es ihn gäbe. […]

In die Schelmerei mit vollem Mieder

Margrit Schriber: «Die falsche Herrin». Zürich: Nagel & Kimche, 2008. Haut wie Milch hat sie und ein volles Mieder. Beim Reden singt sie. Ihre Erscheinung lässt die Männer nicht kalt. Aber sie ist auch widerborstig, unbelehrbar, ohne Scham noch Reue. Diese Frau fällt aus der Norm. Die Muotatalerin Anna Maria Inderbitzin, die durch den Irrwitz […]

Aus dem Bichselland

Wenn Peter Bichsel in seiner aus dem dingnahen Dialekt geborenen Sprache einen Satz setzt, stehen am Jurasüdfuss die Uhren still. Oder schreibt er ihn, weil sie stillstehen? Dieses Büchlein jedenfalls hat nicht die Zeit gestaut, es ist eine Kompilation schon gedruckter Texte, mitunter zauberhafter Lesebuchgeschichten aus dem wohlvertrauten Bichselland. Was Fontane mit halbem Recht Gottfried […]

Es klopft

Der Mittelstands-Ehemann, kein Mörder Der Titel wäre von gerissener Simplizität. Wer klopft, könnte immer schon jener sein, auf den wir ein Leben lang warten. Hier aber ist es Eros, der sich ankündigt. Es klopft eine fremde Frau. Zuerst ans Zugfenster. Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt hinter der Scheibe ignoriert sie. Doch wenig später klopft sie erneut, an die […]

Der Kreislauf von Achtung und Ächtung

Am 2. Oktober 2001 blieb die Flotte der Swissair für immer am Boden. Fünf Jahre später wurden ihre Manager vom Bezirksgericht Bülach freigesprochen, unter ihnen Eric Honegger, seinerzeit Präsident des Verwaltungsrats und interimistischer Unternehmensleiter der SAirGroup. In «Erinnerungs-Prozess» schreibt er über seine Erfahrungen vom Grounding bis zur Urteilsverkündung. Eine Besprechung in 14 Punkten.

Verdrängtes aus dem Stausee

Vor Jahrzehnten habe ich einmal ein Lager beim Marmorera- Stausee verbracht, und seither kann ich nicht über den Julier fahren, ohne an diese Woche zu denken und an die Faszination, die diese gestaute Wucht anhaltend ausübt. Am 17. Oktober 1948 verkauften die Einwohner Marmoreras der Stadt Zürich ihr Dorf. Es wurde überfl utet, ging unter, […]