Thomas Hürlimann

ist vielfach ausgezeichneter Schweizer Schriftsteller. Er erhielt u.a. den Joseph-Breitbach-Preis, den höchstdotierten Literaturpreis im deutschsprachigen Raum, und den Thomas-Mann-Preis für sein Werk. Hürlimann ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, der Akademie der Künste, Berlin, des PEN-Clubs Liechtenstein und der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Zuletzt von ihm erschienen: «Dämmerschoppen. Geschichten aus 30 Jahren» (Ammann, 2009). Hürlimann lebt in Berlin und in Zug.

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Thomas Hürlimann

Die Diktatur der Mittelmässigkeit
Thomas Hürlimann, photographiert von Jannis Keil.
Die Diktatur der Mittelmässigkeit

Gesamtschule statt Gymnasium, Grossbildschirm statt Bibliothek, Denkverbot statt Debatte – Bürgertum ade, klagt Thomas Hürlimann. Die einst fortschrittliche und mächtige Gesellschaftsschicht, so der Schriftsteller, wurde von einem Kleinbürgertum abgelöst, das den Gleichheitsmief kultiviert. So erklärt sich der Triumph des Bauchgefühls an der Urne, der Qualitätsverlust in den Medien und nicht zuletzt so mancher Shitstorm gegen Intellektuelle. Gespräch mit einem, der glücklich darüber ist, aus der Zeit gefallen zu sein.

(1/3) Parks, Klöster, Kesselschlachten, Westberlin

Zum 60. Geburtstag Thomas Hürlimann,1950 in Zug geboren, war Klosterschüler in Einsiedeln und studierte danach Philosophie in Zürich und Berlin. Er hat zahlreiche Theaterstücke, Essays und Romane verfasst, zuletzt erschien von ihm «Vierzig Rosen», sein Roman «Der grosse Kater» wurde mit Bruno Ganz in der Hauptrolle verfilmt.

Skizze zu einem unveröffentlichten Essay über geschlossene Räume

Gnade wird nicht gegeben

Auf die «Lust, gewisse Fehler des ersten Versuchs beim zweiten Mal zu vermeiden», verweist Thomas Hürlimann bescheiden als Motiv für die Entstehung einer vollständig neuen Version seines «Einsiedler Welttheaters». Wie der Erfolg aus dem Jahr 2000 – mit insgesamt 65’000 Zuschauern – basiert auch sie auf einer durch den spanischen Barockdramatiker Pedro Calderón de la Barca vorgegebenen Struktur. Dessen Fronleichnamsspiel «El gran teatro del mundo», das in Einsiedeln erstmals 1924 aufgeführt wurde, lässt sechs allegorische Figuren von der Geburt bis zum Tod den Schauplatz des Lebens durchwandern. Auch die Welt selbst spielt mit. In Hürlimanns aktueller Fassung unter dem Emblem eines Kitschengels mit Dynamitstangen wird ihre Endlichkeit durch das Verhalten der Menschen beschleunigt, die der Autor im Einsiedler Milieu ansiedelt und alle Kälin tauft. Vom 22. Juni bis zum 8. September finden die Aufführungen, an denen jeweils 350 einheimische Spieler mitwirken, auf dem Platz vor der Klosterkirche statt, auch dieses Mal unter der Regie von Volker Hesse.