Rüdiger Görner

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Rüdiger Görner

In den Ofen mit den Kleidern!

Erzählend erlebte Welt: welche Stoffe liegen auf der Strasse, welche harren der Erfindung, welche lassen sich nur lesend erfahren? Vierzehn Erzählungen von Silvio Huonder. Ich kenne nichts von seinen Hörspielen und Theaterstücken, nicht seine ersten beiden Romane, aber immerhin «Valentinsnacht», die Geschichte des Fedo Paulmann, der als Meteorologe das Wetter voraussagen kann, sein Leben jedoch […]

Im Maghreb mit Poesie

Das Fremde ist Material; es fordert Aneignung heraus und gleichzeitig Abstandnehmen. «Wieso ist hier Afrika» fragt eines der Gedichte in Ivo Ledergerbers Lyrikband «Aus dem Maghreb» – eines der Gedichte, die alles in allem wenig Aufhebens von sich machen, aber langsam, ganz langsam in den Leser eingehen. (Die hier ebenfalls gebotene französische Übertragung wirkt allerdings […]

Klangwerte

Ein Dialekt sei keine Sprache, wohl aber eine Stimme, bemerkte Hugo von Hofmannsthal bei Gelegenheit. Diese «Stimmen» der multikulturellen Schweiz haben im Band «Die Schweiz ist Klang» ansprechenden, mit einer CD unterstützten Ausdruck gefunden. Anheimelnd klingt das alles, aber keineswegs betulich; schliesslich geht es auch um Schweizer Rockmusik, um die Sprach-Tonwelt Notkers aus St. Gallen, […]

Zerrinnerungen. Fritz Senn zu James Joyce

Zerrinnern mit Fritz Senn Allein schon der Titel hat etwas Widerständiges und Offenbarendes: Zerrinnerungen. Eine Fusion aus Zerrinnen und Erinnerung, ein Rinnsal, das zum Gedächtnisstrom wird und umgekehrt, ein unwillkürliches Verzerren des Gewesenen im und durch den Erinnerungsakt. Ein Band liegt uns vor, der etwas Ungewöhnliches bietet: kulturelle Überlieferung zum Thema «James Joyce und seine […]

Der Mauersegler

…auch ein Agentenroman braucht Tote… Im Grunde fehlt mir ja der Zugang zu Agentenromanen, dachte ich. Alle diese Decknamen, Beschattungen, Verdächtigungen: sie sind doch – verdächtig. Aber wessen? Immer gleicher Strickmuster! Nein, die Welt von John le Carré & Co. überlasse ich gerne den Carréristen, so mein lang gehegtes Vorurteil, das nicht einmal der Urvater […]

Geständnis eines vom Liebespfeil getroffenen Rezensenten

Dass einem das widerfahren kann: sich in ein Buch, seinen Rhythmus, seine zarte Sprache regelrecht zu verlieben. Ungehörig für jemanden, der sich anschickte, ein kritisches Wort über diese «Orfeo» betitelte Prosakomposition zu schreiben, die klingt, als handle es sich um ein in Prosa aufgelöstes Libretto für leise, gedämpfte Stimmen. Entweder lieben oder kritisieren oder aus […]