Michael Braun

Michael Braun ist Literaturkritiker, schreibt u.a. für die NZZ, den «Tagesspiegel», den SWR und den Deutschlandfunk. Er lebt in Heidelberg.

Alle Artikel von
Michael Braun

Heinz Egger: Porträt K.M., 1996.
Der entzündeten Pinselspur entlang

In uns allen warten Geschichten bloss darauf, erzählt zu werden. Um sie aufzuspüren, so der Schriftsteller Klaus Merz, ist die Auseinandersetzung mit bildender Kunst besonders fruchtbar. Zum Er- und Auffinden seiner Texte reist er bis heute zu den Künsten und Künstlern der Welt, die Initialzündung aber kam im Aargau – während eines Engagements als Kinderhüter in Jugendzeiten.

In den Kissen des deutsch-arabischen Diwans

Ilma Rakusa & Mohammed Bennis (Hrsg.): «Die Minze erblüht in der Minze. Arabische Dichtung der Gegenwart». München: Hanser, 2007. Wer aus Leichtsinn historische Augenblicke verpasst, den bestraft das Leben. Als an einem Vorfrühlingstag des Jahres 2000 das Telefon klingelte und mich eine Frauenstimme in gebrochenem Englisch dazu einlud, als Lyrikkritiker an einer deutsch-arabischen Dichterbegegnung im […]

Fremdschläfer

Nobody in Montreal In jenem «alten Haus der Sprache», in dem sich laut Karl Kraus alle Schriftsteller (und Epigonen) tummeln, will Verena Stefan kein Wohnrecht mehr besitzen. Im Gegenteil: die 1947 in Bern geborene Autorin ist Ende der 1990er Jahre bewusst aus diesem morsch gewordenen Gebäude ausgezogen und in die Fremde gegangen, nach Kanada, ins […]

Der Dazwischer

Es darf als programmatische Pointe gelten, dass der Umschlag des neuen Gedichtbandes von Felix Philipp Ingold eine berühmte mathematische Figur zeigt: das Möbiusband. Diese seltsam verschlungene Figur hat – obwohl dreidimensional strukturiert – keine Rückseite. Ein poetologischer Glücksfall für einen durch und durch sprachreflektierten Autor wie Ingold. Denn die Poesie, wie er sie anstrebt, verwirklicht […]

Ars Amandi

«Liebe», so seufzte ein verzweifelter deutscher Romancier vor dreissig Jahren, «war ein grauenvolles Wort, das mich sofort an rosige Schleimhäute denken liess, an lebenslängliche sumpfige Gefühle, … an einen ebenso heimlichen wie lähmenden Frieden zu Hause.» Entsprechend erbarmungslos wurden Liebesversuche in den Romanen des späten 20. Jahrhunderts seziert. Liebende waren reine Körperfreunde, unnahbar in ihrem […]