Marco Baschera

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Marco Baschera

Après vous, chère langue!

«Gegengabe» – dieses Wort aus der Feder eines Dichters lässt aufhorchen. Zu nahe sind «gegen» und «geben» von ihrer Wortgestalt her. Hofft, wer gibt, auf eine Gegengabe, oder vermag die Gabe eine grosszügigere Vorstellung von Ökonomie zu eröffnen, in der derjenige, der gibt, beschenkt wird, ohne auf Gegengaben gehofft zu haben? Dann wäre die Hoffnung […]

Zwischen den Sprachen und Literaturen

Die Polyphonie der vier Landessprachen und Literaturen steht im Zentrum auch der zweiten Ausgabe von «Viceversa Literatur» – des «Jahrbuchs der Literaturen der Schweiz». Wie schon letztes Jahr, erscheint «Viceversa» in einer deutschen, italienischen und französischen Ausgabe, neben «Viceversa Literatur» auch als «Viceversa Littérature» und «Viceversa Letteratura». Jede Ausgabe ist bemüht, in ihrer Sprache vor […]

Im Spektakel der Präsenz

Marco Baschera & André Bucher (Hrsg.): «Präsenzerfahrungen in Literatur und Kunst». München: Fink, 2008. Die Repräsentation ist eine Macht, ihr ist nur schwer zu entkommen. Wir lesen Romane, als wären sie Abbildungen wirklicher Welten. Zeichen nehmen wir als das wahr, wofür sie stehen. Die Welt der Kunst scheint eine Welt der Verdoppelung zu sein: was […]

Aus Versehn in Versen

«Aus Versehn in Versen» verfasste Gedichte sind nie ganz aus Versehn entstanden. Soviel lässt sich mit Bestimmtheit zum neusten Gedichtband von Felix Philipp Ingold sagen. Der fast gleiche Klang von «Versehn» und den «Versen» unterbricht den geläufigen Sinn der beiden Wörter. Wenn man etwas «aus Versehn» tut, so versieht man sich, man tut etwas unabsichtlich. […]

Kommunikatives Paradies, kognitive Hölle

Bedeutet die Vielfalt der Sprachen eine Vielfalt des Denkens? Und würde eine Universalsprache uns eine Gemeinsamkeit im Denken ermöglichen, die fortan ein harmonisches Zusammenleben ohne kommunikative Missverständnisse ermöglicht? Ein Plädoyer für die Pluralität und für die Pflege der eigenen wie die Kenntnis anderer Sprachen.

Vocabulaire européen des philosophies. Dictionnaire des intraduisibles

Eines der dringlichsten und wohl schwierigsten Probleme Europas ist und bleibt die Sprachenfrage. Es bestehen dazu grundsätzlich zwei Lösungsansätze. Entweder man einigt sich auf eine dominante Sprache – ein globalisiertes Anglo-Amerikanisch –, derer sich jedermann als die eine Verkehrssprache bedient, oder man entwickelt eine Vorstellung von Mehrsprachigkeit, in der die Unterschiede der einzelnen Sprachen zum […]

Du sollst dir ein Bild machen

Bilder besetzen mehr und mehr unser Bewusstsein. Die kritische Distanz zu ihnen geht verloren. Die Bildtheoretikerin Marie-José Mondzain zeigt, wie durch den Verlust der Interpretationsvielfalt die Macht der Bilder zunimmt. Ihre Analysen, wie wir den kommerziellen Strategien von Werbung und Fernsehen entkommen können, wurden im deutschsprachigen Raum bisher ignoriert.

Was heisst: Etwas ist gegeben?

Die Philosophie Jean-Luc Marions Die im deutschsprachigen Raum noch weitgehend unbekannte Philosophie Jean-Luc Marions setzt sich mit den Erscheinungen auseinander. Anders als die Naturwissenschaften, die an den objektivierbaren Dingen interessiert sind, die sie hinter den Erscheinungen vermuten, beschäftigt sich Marion mit dem Erleben von Erscheinungen ‹an sich› und betont die passive, empfangende Rolle des erkennenden Individuums.