Kai Köhler

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Kai Köhler

Lügen in New York

Banden im Hafenviertel und in der Stadtverwaltung; feinste Küche, erlesene Weine, Brandkatastrophen, freie Wirtschaft und ein florierender Kunsthandel, manche Bilder sind sogar echt; gesellschaftliche Aufstiege, Kriminalprozesse, zuweilen Morde, und die Einsamkeit der Erfolglosen; Liebesgeschichten, Verführungsgeschichten, Bordellgeschichten; Zahlen über Zahlen, Einzelschicksale; Stadtpläne, Statistiken, Zeichnungen, Gemälde, Rezepte, die Geschichte eines Schweizer Auswanderers im New York des 19. […]

Und weg war er

«Der Mann schläft» – das wäre eine Utopie, wäre nicht schon dieses Wort zu gross für das Gemeinte. Dass es einen gab, der ruhig atmete, der einfach da war und Gelassenheit vermittelte, das war das Glück der Erzählerin in Sibylle Bergs neuem Roman. Man könnte es Liebe nennen, stünde nicht dieses Wort für eine Leidenschaft, […]

All about Eve

Ein Zimmer, darin Eva, tyrannisiert von einer unerschütterlichen Aufseherin, die jeden Weg ins Draussen mit dem Hinweis auf die dortigen Gefahren abwehrt: so beginnt Lukas Bärfuss’ Theaterstück «Öl». Bald wird klar, dass Eva seit Jahren praktisch gefangen ist. Sie wartet auf ihren Mann, der in irgendeiner Wildnis das Öl sucht, das beide reich machen würde. […]

Er redet und redet und redet

Man nimmt sich ein paar Tage frei, schaut sich das Städtchen seiner Kindheit an, lässt Erinnerungen aufleben – was könnte normaler sein? Wer freilich sich dabei als angesehener Photograph ausgibt und dennoch in einer offenen Bootshütte nächtigt, die er notdürftig mit ein wenig Schilf ausgelegt hat, erweckt doch ein wenig Misstrauen. Wer dann in dieser […]

Hier geht’s um Sex!

Liebesbeziehungen sind auch Machtbeziehungen. Unter diesem Aspekt betrachtet, verdient der Sadomasochismus keineswegs den unfrohen Platz irgendwo zwischen Talkshowsensation und Pornoschmuddelecke, der ihm immer noch in der Öffentlichkeit zugewiesen wird. Er kann das vergröberte Besondere eines Allgemeinen sein; oder das bewusstere Besondere, ein Spiel von Leuten, die immerhin wissen, was sie tun. Liberale Akzeptanz, wie sie […]

Wenn gute Menschen gut sind

Franz Hohler: «Das Ende eines ganz normalen Tages». München: Luchterhand, 2008. Krieg! Die Rotoren eines Kampfhelikopters zerschnitzeln, nun, was? Ein weisses Täublein. Eine Feder schwebt zu Boden, ein Kind findet sie, kurz darauf muss die Familie flüchten. Man rafft zusammen, was man in solchen Fällen eben zusammenrafft (bei Hohler: Dokumente, Schmuck, Äpfel, Schokolade), aber das […]

Im Leben nach dem Mord

«Ich glaube, es handelt sich um eine einfache Geschichte.» Mit diesem Satz leitet Elisabeth, die Ich-Erzählerin in Mireille Zindels Roman «Irrgast», ihren Bericht ein. Auf einen solchen Beginn folgen unfehlbar Komplikationen – ein Mord. Elisabeth sieht eines Morgens, wie ihr Freund niedergestochen wird: «Da erinnere ich mich, dass ich ihn hatte umbringen wollen. Und ich […]

Der Westen im Osten

Eine exotische Schönheit blickt den Leser vom Cover des neuen Buchs von Jürg Amann an: «Pekinger Passion». China ist indessen in dieser «Kriminalnovelle» nur Kulisse. Es sind kaum getarnte Westler, die hier handeln. Ob es im Peking um 1990 einen Untersuchungsrichter gab, der die Pubertät eines Zwanzigjährigen als verspätet ansah, oder eine zudem als prüde […]