Hermann Burger

Hermann Burger war Schriftsteller, lebte auf Schloss Brunegg und starb 1989 durch Suizid. Der bekannte Autor der «Schweizer Monatshefte» wäre diesen Monat 70 Jahre alt geworden.

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Hermann Burger

Brief an den Leser
Hermann Burger (1970). Foto: privat. Quelle: Nachlass Hermann Burger, Schweizerisches Literaturarchiv Bern (SLA).
Brief an den Leser

Vorabveröffentlichung aus Hermann Burgers «Lokalbericht» / Schreibwettbewerb «Brief an den Autor»

Max Frisch zum 100sten

Sein Spätwerk «Der Mensch erscheint im Holozän» wurde in den «Schweizer Monatsheften» auszugsweise vorabgedruckt. Und auch sonst war Max Frisch immer wieder Gegenstand von Würdigungen und Kontroversen in unserer Zeitschrift. Zu seinem Geburtstag, der sich am 15. Mai zum hundertsten Mal jährt, drucken wir pointierte Sentenzen seiner alten Schriftstellerkollegen wieder ab.*

Des Schweizer Autors Schweiz

Hermann Burger hat während fast zwei Jahrzehnten regel-mässig Texte für die «Schweizer Monatshefte» verfasst. Die ersten Gedichte in den 1960er Jahren schrieb er als Student und angehender Schriftsteller; es folgten in den 1970er und 1980er Jahren Erzählungen und Rezensionen des bereits etablierten Autors und ETH-Privatdozenten. Wir drucken, nach der Erzählung «Die Ameisen» (SMH-Ausgabe 967), diesmal den ersten Teil eines Essays wieder ab, in dem er über Max Frischs Kritik an der Schweiz schreibt. Burger, der sich sonst kaum politisch exponierte, begegnet dem Schriftsteller-Übervater darin mit erstaunlich viel Wohlwollen.

Hermann Burger

(1942–1989) «Ich hatte mein Leben als etwas Vorläufiges, Nebensächliches betrachtet, als eine Hauptprobe zur Premiere des Schreibens», so Hermann Burger in den «Ameisen». Der 1942 im Kanton Aargau geborene Schriftsteller Hermann Burger war vom Schreiben geradezu besessen. Er arbeitete, wie er sich einmal ausdrückte, an der «Verschriftlichung» seiner Existenz. Zu seinen Lebzeiten ist ein beachtliches Werk erschienen: die beiden Romane «Schilten» (1976) und «Die Künstliche Mutter» (1983) sowie fünf Erzählungen, zwei Lyrik- und zwei Essaybände. Im Literaturarchiv in Bern lagern zudem zahlreiche Schachteln voller Skizzen, Vorarbeiten, Tagebücher und Briefe – gleichsam ein zweites Werk, das noch der Aufarbeitung bedarf.
Die Karriere Hermann Burgers war seit seiner Studentenzeit in Zürich eng mit den «Schweizer Monatsheften« verknüpft. In den 1960er Jahren kreuzte sich der Weg Burgers mit demjenigen Anton Krättlis, der den Kulturteil der «Schweizer Monatshefte» betreute. Der 1922 geborene Krättli, wie Burger in Aarau domiziliert, erinnert sich noch gut an die Begegnungen mit dem angehenden Schriftsteller, der den Kritiker vor der Publikation seiner Werke um Rat ersuchte. Es konnte schon einmal vorkommen, dass der von einer Formulierung umgetriebene Burger spät abends an die Tür von Krättlis Wohnung in der Hinteren Vorstadt in Aarau klopfte und ihn mit Literaturdiskussionen um seinen Schlaf brachte. Persönliche Begegnungen flossen in die Bücher ein, die für den Schriftsteller die Möglichkeit waren, mit seinen Mitstreitern und Weggefährten auf mehr oder minder milde Weise abzurechnen (Anton Krättli kommt in «Brenner» in der Figur des Adam Nautilus Rauch verhältnismässig gut weg). Mit der Zunahme von Burgers Depressionen haben sich auch die Gespräche zunehmend um Burgers Leiden am Leben gedreht. Die kundgetane Selbstmordabsicht – «Ich werde früher sterben als du» – habe er, Krättli, ihm freilich nicht abgenommen. Zu Unrecht, wie sich später herausstellen sollte. Hermann Burger nahm sich 46jährig vor zwanzig Jahren das Leben.
Noch als Student der Germanistik veröffentlichte Hermann Burger 1967 seine ersten Gedichte in den «Schweizer Monatsheften». Weitere Gedichte, Essays und Rezensionen folgten, bis 1983 insgesamt 26 Beiträge. In Erinnerung an Herrmann Burger drucken wir die Erzählung «Die Ameisen» wieder ab, die 1968 in der Oktoberausgabe der «Schweizer Monatshefte» erstmals publiziert wurde.

Hermann Burger (1942–1989)

Der 1942 in Burg geborene Schriftsteller Hermann Burger war vom Schreiben geradezu besessen. Er arbeitete, wie er sich einmal ausdrückte, an der «Verschriftlichung» seiner Existenz. Zu seinen Lebzeiten ist ein beachtliches Werk erschienen: die beiden Romane «Schilten» (1976) und «Die Künstliche Mutter» (1983) sowie fünf Erzählungen, zwei Lyrik- und zwei Essaybände. Im Literaturarchiv in Bern lagern zudem zahlreiche Schachteln voller Skizzen, Vorarbeiten, Tagebücher und Briefe – gleichsam ein zweites Werk, das noch der Aufarbeitung bedarf. Der Text, den wir hier mit freundlicher Erlaubnis von Burgers Witwe, Frau Annemarie Carrel, abdrucken, ist ein bisher unveröffentlichtes Manuskript aus Burgers Nachlass (BURGER, A-01-18a, Erzählerische Prosa, Ablage I, Schachtel Nr. 36).

Die Karriere des Aargauer Schriftstellers war seit seiner Studentenzeit in Zürich eng mit den «Schweizer Monatsheften» verknüpft. Er veröffentlichte darin von 1967 bis zu seinem Freitod im Jahre 1989 Gedichte, Essays und Rezensionen. In den 1960er Jahren kreuzte sich der Weg Burgers mit demjenigen Anton Krättlis, der den Kulturteil der Schweizer Monatshefte betreute. Der 1922 geborene Krättli, wie Burger in Aarau domiziliert, erinnert sich noch gut an die Begegnungen mit dem angehenden Schriftsteller, der den Kritiker vor der Publikation seiner Werke um Rat ersuchte. Es konnte schon einmal vorkommen, dass der von einer Formulierung umgetriebene Burger spät abends an die Tür von Krättlis Wohnung in der Hinteren Vorstadt in Aarau klopfte und ihn mit Literaturdiskussionen um seinen Schlaf brachte. Persönliche Begegnungen flossen in die Bücher ein, die für den Schriftsteller die Möglichkeit waren, mit seinen Mitstreitern und Weggefährten auf mehr oder minder milde Weise abzurechnen (Anton Krättli kommt in «Brenner» in der Figur des Adam Nautilus Rauch verhältnismässig gut weg). Mit der Zunahme von Burgers Depressionen haben sich auch die Gespräche mehr und mehr um Burgers Leiden am Leben gedreht. Die kundgetane Selbstmordabsicht – «Ich werde früher sterben als Du» – habe er, Krättli, ihm freilich nicht abgenommen. Zu Unrecht, wie sich später herausstellen sollte.

«Maienzug» ist eine der zahlreichen Variationen Burgers über seine Geburt. Der Text dürfte im Juni des Jahres 1974 entstanden sein. Darauf deutet die Rückseite der dritten von insgesamt vier, mit Schreibmaschine getippten Manuskriptseiten. Ein angefangener, aber nicht zu Ende gebrachter Brief an den in Zürich lehrenden Germanistikprofessor Emil Staiger trägt das Datum des 5. Juni 1974. Burger verbrachte die vorsommerliche Zeit offenbar im Tessin und erinnerte sich an die Maienzüge seiner Kinder- und Jugendtage. Die Zeitungen versorgten ihn mit Berichten zum Fest, die in ihm das Gefühl entstehen liessen, während der Arbeit an seinem Roman «Schilten» im Tessin den schönsten Maienzug zu verpassen. Indem er das Gefühl, seiner Lebensmaxime entsprechend, sofort in einem Text verarbeitete, trieb er die «Verschriftlichung» seiner Existenz konsequent voran.

René Scheu