Anton Leist

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Anton Leist

Bin ich, ist der Tod nicht

Lässt sich das Sterben lernen? Wer mit der rationalen Auskunft von Epikur nicht zufrieden ist, wonach man den Tod nicht fürchten müsse, weil er uns nicht treffe («bin ich, ist er nicht, ist er, bin ich nicht»), sucht eine Antwort am besten in der konkreten Erfahrung mit Sterbenden. Das Büchlein des Arztes Christoph Held schildert […]

Keine Globalisierung im Niederdorf

Martin Suter hat einen Roman geschrieben, der mehr sein will als spannende Unterhaltung. Stand im Zentrum von Suters letztem Buch «Der letzte Weynfeldt» das Privatleben eines schrulligen Zürcher Millionärs, so konfrontiert das vorliegende seine Leser mit der Globalisierung. Ein mittelloser tamilischer Koch kämpft gegen erpresserische Landsleute, ausländerfeindliche Schweizer und seine eigene hoffnungslose Situation in der […]

Das Quadrat soll ein Kreis werden

Der Sozialismus hat Schriftsteller mit einem sozialen Gewissen in vielerlei Konflikte geworfen, ohne dass sein Scheitern sie von ihnen befreit hätte. Literatur den Zielen einer idealen Gesellschaft zu unterstellen, so die Erfahrung, führt zu einem Desaster. Literatur sich selbst zu überlassen, schützt aber ebensowenig vor politischer Vereinnahmung durch Dritte. Furtwängler etwa, der nur Künstler sein […]

Nie wird Frau Blum den Milchmann kennenlernen

Diese Sammlung von Kolumnen kann als privates Buch gelesen werden. Dann ist man verführt, den Autor zu umarmen und wünscht sich, ihm regelmässig in der Beiz zu begegnen, um die sich nicht wenige seiner Geschichten drehen. Die Sammlung kann aber auch als öffentliches Buch gelesen werden, in dem ein früher politisch Engagierter die Gegenwart bespiegelt. […]

Selbst schuld, lest doch Orwell!

Christian Kracht: « Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten». Köln: Kiepenhauer & Witsch, 2008. Es ist Winter und seit fast einhundert Jahren Krieg. Die Engländer haben sich mit den faschistischen Deutschen verbündet und Lenin ist es gelungen, die friedliche Schweiz in ein sich bis nach Afrika erstreckendes Imperium zu verwandeln. Die Hauptfigur […]

Kants Ethik, verwerfen oder retten?

Ein pragmatischer Vorschlag Unter Kants vielfältigen Hinterlassenschaften an die Gegenwart ist seine Ethik, neben seiner Friedenspolitik, die heute vielleicht lebendigste. Die sich abzeichnenden Möglichkeiten von Humangentechnik und Gentechnologie motivieren auch zur Suche nach Grenzen des Verfügbaren im Menschen. In striktem Gegensatz zu allem Nutzendenken verspricht Kants Vernunftethik Auswege aus dieser zwiespältigen Situation.

Unordnung durch Ethik

Eine letzte Ressource richtig verstehen Ihre augenblickliche Popularität bringt die Ethik in Gefahr, in bekannten ideologischen Gefässen gut verschlossen zu werden. Wenn sie hingegen ein Reservoir bleiben soll, um über unsere Zukunft nachzudenken, dann muss sie Unruhe stiften.