Ausweglose Situation?

Viele kleine und mittlere Stiftungen stehen vor grossen Herausforderungen: Im Tiefzinsumfeld schwinden die Renditen, mit denen sie ihre Tätigkeiten finanzieren müssen. Was tun?

Im vergangenen Jahr hat der «Tages-Anzeiger» unter dem Titel «Tiefe Zinsen: Stiftungen in Not» über die Schwierigkeiten von Förderstiftungen berichtet, von ihrem überwiegend in festverzinslichen Anlagen investierten Stiftungsvermögen noch eine hinreichende Rendite – zwecks Finanzierung ihres Förderziels – zu erwirtschaften. Allgemein bekannt ist, dass die deutliche Mehrheit der gemeinnützigen Stiftungen in der Schweiz eine Vermögensgrösse von unter CHF 10 Mio. aufweist.1 Diese Herausforderung für die sogenannten «kleinen Stiftungen» hat denn auch eine starke Diskussion unter Fachleuten und Stiftungsvertretern ausgelöst.2 Die Unruhe im Stiftungssektor ist, so viel vorweg, alles andere als unbegründet – gleichwohl gibt es Auswege aus der vermeintlichen Sackgasse. Skizziert werden sie im folgenden.

Eine «operative» Stiftung

Vor über 12 Jahren gründete ich die Animato-Stiftung und bin seither als ihr geschäftsführender Stiftungsrat in der Stiftung aktiv. Ursprünglich ausgestattet mit einem Stiftungskapital von annähernd CHF 10 Mio., hat diese Stiftung ein international zusammengesetztes Jugendsymphonieorchester ins Leben gerufen, das alle zwei Jahre aus Musikstudenten – namentlich aus Zentral- und Nordeuropa sowie aus Russland – gebildet wird. Es gibt nach einer Orchesterakademie eine Reihe von öffentlichen Konzerten in namhaften Konzertsälen europäischer Musikzentren. Die Umsetzung des Stiftungszweckes erfolgt hier also nicht über die Vergabe finanzieller Unterstützungen an förderungswürdige junge Musiker, was sicher auch wertvoll sein kann, sondern die ausgewählten Teilnehmer profitieren direkt von den für sie veranstalteten Projekten, wie das auch bei anderen bekannten internationalen Jugendsymphonieorchestern der Fall ist. Um nun die Aufrechterhaltung der Stiftungsarbeit zu garantieren, sind in diesem operativen Modell drei Entwicklungen im Blick zu behalten.

1. Das Stiftungsvermögen und die Entwicklung der jährlichen Vermögenserträge

Bei der Gründung der Stiftung war der Verfasser noch überzeugt, mit einem Stiftungsvermögen von CHF 10 Mio. und in Relation zu den damals erzielbaren Renditen von festverzinslichen Anlagen nicht zu den «kleinen» Stiftungen zu gehören und mit den Erträgen des Stiftungskapitals die geplante Animato-Orchesterakademie und Konzerttournee alle zwei Jahre finanzieren zu können. Der Stiftungsrat entschied sich in der Folge aus den drei zur Diskussion stehenden Anlagemodellen
a) Anlagen in einem gemischten Portefeuille aus Obligationen und Aktien in CHF
b) Anlagen in englischen Staatspapieren in Pfund
c) Anlagen in erstklassigen Obligationen in EUR
für die letztgenannte Option. Das damalige Stiftungsvermögen wurde dementsprechend 2005 vollständig in solchen Euro-Obligationen angelegt. Rückblickend zeigt sich ein überraschend trübes Bild, das letztlich aber nicht nur auf die Entwicklungen der Obligationen, sondern vor allem auf die Fokussierung auf festverzinsliche Anlagen seitens der Stiftung zurückzuführen ist. Das Vermögen der Stiftung hat zwar, erstens, in der Finanzkrise 2008 keine Verluste erlitten. Aber die Vermögenserträge der Stiftung sind, zweitens, als Folge der Schuldenkrise ab 2010 deutlich eingebrochen und weit unter die budgetierten Werte gefallen. Anders gesagt: die nicht nur von der Animato-Stiftung verfolgte «konservative» Anlagestrategie mit ihrer Konzentration auf festverzinsliche Werte hat sich als Bumerang erwiesen. Dieser Umstand führte zur Erkenntnis, dass eine ausgeglichene Anlagepolitik unter Einschluss von Aktien, wie sie beispielsweise auch von Pensionskassen verfolgt wird, über längere Zeiträume zu stetigeren Vermögenserträgen führt.

2. Die Entwicklung der Gesamtkosten

Basierend auf der auch für die Animato-Stiftung gemäss ihrem Stiftungsstatut geltenden Haushaltsregel, wonach für die Zweckverfolgung nur die Vermögenserträge eingesetzt werden dürfen, wurden im Rahmen der Einnahmen- und Ausgabenbudgetierung 2005 Gesamtausgaben für eine Animato-Orchesterakademie und Konzerttournee von ca. CHF 0,4 Mio. zugrunde gelegt. Auch hier zeigt sich in der Rückschau, dass es anders gekommen ist (Grafik I).

Zunächst: der Administrativaufwand (ohne den Projektorganisationsaufwand) ist zahlenmässig vertretbar und stellte bislang für die Animato-Stiftung keine besondere Herausforderung dar: der Stiftungsrat arbeitet im Milizsystem, auch der Verfasser als geschäftsführender Stiftungsrat ist ehrenamtlich tätig und verrechnet weder Reisen noch Bürokosten. Offensichtlich ist allerdings die Tatsache, dass…