Ausser Kontrolle?

Vom Umgang mit Beschleunigung und Unübersichtlichkeit

Die Lage ist ausser Kontrolle, und die Menschen schlagen sich die ganze Zeit mit unbeabsichtigten Nebenwirkungen herum – es ist der Stoff für Albträume von Entscheidungsträgern. Ebenso nüchtern wie ohnmächtig lässt sich festhalten, dass eine wirtschaftliche und gesellschaftliche Dynamik im Gange ist, auf die der einzelne kaum mehr Einfluss hat. Im besten Fall handelt es sich um explodierende Verkaufszahlen. Oft nehmen Führungskräfte den Kontrollverlust indes auf anderen Ebenen wahr: eine Flut von rufschädigenden Meldungen in Medien und sozialen Netzwerken, zusammenbrechende IT-Systeme oder ein Flächenbrand an den Finanzmärkten.

«FAST FORWARD >> AND OUT OF CONTROL» lautet darum das Thema der 7. Internationalen HSG Alumni Konferenz, die im September 2014 im KKL Luzern mit hochkarätigen Referenten über die Bühne geht.1  Als Partner dieser Konferenz – zusammen mit der Notenstein Privatbank – haben wir das Thema frei interpretiert und es Autoren und Persönlichkeiten zugespielt, die etwas dazu zu sagen haben – zumeist aus eigener Erfahrung. Jene, die teilnehmen, bereitet die Publikation auf intellektuell herausfordernde Tagungstage vor; für alle anderen Leser bietet sie Denkstoff für eine vertiefte Auseinandersetzung mit unserer geschäftigen Gegenwart.

Josef Ackermann erzählt über die Mechanismen des Zweckoptimismus, des Schlafs und der Familie; Führungsexperte Reinhard K. Sprenger zeigt, dass in der «Economy of Speed» Erfolg hat, wer Vertrauen schafft. Beide werden an der Konferenz teilnehmen, womit zugleich gesagt wäre: die Veranstaltung passt bestens zu unserem neuen Claim «Leider anspruchsvoll».

Darüber hinaus: der Zeitforscher Karlheinz Geissler weist den Weg für den Abschied von verordneten Uhrzeiten; Hanne Detel denkt über Dynamiken und Strategien gegen einen Shitstorm nach, der jeden Augenblick jeden treffen kann; und Adrian Künzi, Referent an der HSG Alumni Konferenz 2014, erzählt, auf welcher Grundlage er in turbulenten Tagen Entscheide trifft.

Ob Spitzenkraft in Sport, Business, Politik oder Kultur – es ist eine menschliche Tendenz zu glauben, Vorgänge kontrollieren zu können, obwohl diese nachweislich nicht beeinflussbar sind. Die Harvard-Psychologin Ellen Langer nennt dies die «Kontrollillusion». Die Beiträge auf den folgenden Seiten mögen die Erkenntnis befördern, wie die Flucht nach vorne angetreten werden kann, ohne dieser Illusion zu verfallen.

Vollgas!

René Scheu, Herausgeber 


1 www.alumnikonferenz.ch

 

«Der beste Journalismus ist der,
den man liest, obwohl einen das Thema bis dahin gar nicht interessiert hat.
Beim MONAT passiert mir das ständig.»
Niko Stoifberg, Schriftsteller und Redaktor bei «getAbstract», über den «Schweizer Monat»