«Ausgezeichnet, Müller!»

Es werden immer wieder Orden und Medaillen verteilt, Mitarbeiter des Monats gekürt, Preise vergeben. Aber wie wirken sich solche Auszeichnungen tatsächlich auf die Leistung von Mitarbeitern aus?

«Ausgezeichnet, Müller!»
Bruno S. Frey, photographiert von Philipp Baer.

I. Anerkennung ist von grundlegender Bedeutung

Von anderen Personen wertgeschätzt zu werden, ist eines der wichtigsten Bedürfnisse und ein bedeutender Motivator der Menschen. Sie sind Mitglieder einer Gemeinschaft und möchten von ihren Mitmenschen anerkannt werden. Diese Wertschätzung kann auf vielfältige Weise erfolgen. Gerade in modernen Gesellschaften werden hohes Einkommen und ein entsprechender materieller Wohlstand als wichtiger Indikator für Anerkennung angesehen. Aber selbst Manager sind oft weniger am monetären Aspekt der Arbeit interessiert, sondern nehmen ihn als Zeichen dafür, dass sie im Vergleich zu anderen Managern gleich viel oder sogar mehr «wert» sind.

Auch Lob ist eine wichtige Quelle von Anerkennung. Allerdings ist es eher flüchtig und für Aussenstehende wenig oder gar nicht sichtbar.

Auszeichnungen wiederum werden an Personen verliehen, die in verschiedener Hinsicht besonders hervorragend sind, sich also gegenüber anderen Personen hervorgetan haben. Ehrungen werden coram publico für besondere Leistungen verliehen. Die Ausgezeichneten erhalten eine Medaille, einen Orden, ein Zertifikat oder einen Pokal, womit die Anerkennung die Zeit überdauert und immer wieder vorgezeigt werden kann.

 

II. Auszeichnungen gibt es überall

Auszeichnungen in Form von Orden waren ein typisches Merkmal einer monarchisch geprägten Gesellschaft. Der 1548 gegründete Hosenbandorden (Order of the Garter) oder die Ernennung zum Knight oder Lord im Vereinigten Königreich sind allgemein bekannt. Orden gibt es aber nicht nur in Monarchien. Sie werden in grosser Zahl in vielen stolzen Republiken verliehen – wie etwa in Frankreich, wo die 1802 von Napoleon Bonaparte gegründete «Légion d’honneur» (Ehrenlegion) zum Vorbild für viele andere Orden in zahlreichen Ländern geworden ist. Selbst in den Vereinigten Staaten, die darauf stolz sind, sich als Republik von der britischen Monarchie abgespalten zu haben, werden viele Orden und Medaillen vergeben, wie etwa die «Presidential Medal of Honor», die «Congressional Gold Medal» oder die «Medal of Honor». Auszeichnungen sind somit weit weniger monarchisch geprägt als häufig angenommen.

Die Schweiz ist wohl das einzige Land der Welt, in dem der Staat keine Orden verteilt und die Mitglieder von Behörden keine Orden anderer Länder entgegennehmen dürfen – ein Verbot, das seit der Gründung des Bundesstaates existiert. Das Verbot der Annahme und des Tragens von Orden geht auf die Alte Eidgenossenschaft zurück, in der ausländische Regierungen einflussreichen Schweizer Persönlichkeiten sogenannte Pensionen zahlten, um ungestört Söldner anwerben zu können. Im Zeitalter der Restauration von 1830 bis 1848 traten weitgehend Orden ausländischer Staaten an die Stelle von direkten Geldzahlungen. Mit dem Verbot in der Bundesverfassung von 1848 sollten mögliche und vielfach bestehende Abhängigkeiten von anderen Ländern vermieden werden. Heute ist das Verbot auf der Gesetzesebene geregelt, gilt aber noch immer.

Insbesondere Kantone und Städte verleihen jedoch eine erhebliche Zahl von Auszeichnungen. Im Bereich der Kunst und Kultur wimmelt es gar von entsprechenden Preisen. Ein Schweizer Schriftsteller wird beispielsweise in einem Buchjournal folgendermassen vorgestellt: «(Er) erhielt den Schweizer Jugendbuchpreis, (…) den Preis der Schweizerischen Schillerstiftung – und für sein Gesamtwerk den Grossen Literaturpreis von Stadt und Kanton Bern. Zudem wurde er (…) mit dem Generationenpreis Prix Chronos ausgezeichnet.» Die Gewinner werden entsprechend in den Medien gefeiert und deren tatsächliche oder vermeintliche Leistungen hervorgehoben.

Auszeichnungen finden sich in allen Bereichen der Gesellschaft. Weit verbreitet sind sie seit jeher im Militär. Dies gilt auch für die Schweiz, etwa in Form der Schützenabzeichen. Wer im Rahmen eines Auslandsdienstes tätig war, kann die dabei verliehenen Auszeichnungen in Form von Spangen sichtbar an der Uniform tragen. So kommt es zu einer (vom Gesichtspunkt anderer Länder) skurrilen Situation, dass manche unserer «Generäle» (d.h. Brigadiers, Divisionäre und Korpskommandanten) keine «Orden» tragen, hingegen sich blosse Leutnants, Hauptleute und Majore damit schmücken.

Im Bereich der Kunst und im Sport sind Auszeichnungen offensichtlich besonders wichtig, wie die riesigen Zuschauerzahlen am Fernsehen bei…