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Herzog & de Meuron im Basler Schaulager Von der ersten Idee, über Variationen von Form und Material bis zum greifbaren Modell: die Ausstellung in Basel zeigt die Entwicklung von 35 Projekten der beiden Schweizer Architekten.

Schön ist, was ohne Begriff gefällt. Zwecke sind Begriffe – sobald also ein Ding einen Zweck besitzt, erfüllt es die Kantische Bedingung reiner Schönheit nicht mehr. Bauwerke dienen für gewöhnlich immer einem Zweck. Sie werden bewohnt oder bespielt, man kann in ihnen beten oder arbeiten. Wie kann nun ein solch zweckmässiges Ding trotzdem gefallen? Die Architekten Herzog & de Meuron zeigen es uns. Sie zeigen uns den gemeinsamen Nenner von zweckmässigem Bauwerk und reiner, zweckfreier Schönheit: den spielerischen Zugang, der sich einer exakten Beschreibung, einer Formel entzieht.

Die Ausstellung zählt für die beiden Architekten zu ihren Projekten und trägt deshalb die Nummer 250 im Titel. Auf Tischen präsentieren sie das sinnliche Überlegen, das Suchen mehr noch als das endgültige Finden von Ideen für ihre Werke. Es sind zwar nicht 250, sondern nur 35 Tische, aber dennoch zu viele, um sich in alle Projekte hineinzudenken. Das ist schnell vergessen, denn bereits ein einziges Projekt strotzt vor unterschiedlichen Annäherungsweisen und macht deutlich, dass hier nicht eine fixierte Idee dem Ganzen von vorneherein aufgezwängt, sondern dass vielmehr mit Ideen herumprobiert wird. Der erste Einfall wird über Umwege und Sackgassen langsam in Form gebracht. Eine dicke Plastikfolie mit einem Feuerzeug in Wallung zu bringen oder eine Stalagmitenlandschaft aus der Zuckermasse von Ricolabonbons zu komponieren, hat wohl neben den neuen Umrissen auch viel Spass gebracht.

Der Tisch, der dem momentan im Bau befindlichen Olympiastadion in Peking gewidmet ist, lässt erkennen, wie nicht nur Formen auf ihre Wirkung hin untersucht wurden, sondern auch Materialien. Ein dicker Gipsring liegt neben Karton- und Papiermodellen. Drahtgestelle stehen Experimenten in Schaumstoff und Holz gegenüber. Durchgesetzt hat sich schliesslich das gewickelte Drahtoval. Wie bei einem Vogelnest konzentrieren sich die Verstrebungen an einigen Stellen, dann wieder sind die Verbindungen luftiger. Das spielerische Formfinden wird durch das Anliegen ergänzt, das kulturelle Umfeld des Bauwerks in die Gestaltung miteinzubeziehen. Für das Stadion in Peking bedeutete dies, dass sich die Stahlkonstruktion so weit öffnet, dass der äussere Ring nach den olympischen Spielen Plätze und Treffpunkte bereitstellt, denn Plätze spielen eine grosse Rolle im chinesischen Alltagsleben.

Der Anspruch, auf physische Gegebenheiten zu reagieren und nicht für die Umgebung blind zu bauen, enthält im Kern bereits ein umfassendes Aufgabengebiet eines Architekten: Beim Städtebau ist das Aussen immer schon mitgedacht. Blicken wir nochmals auf China, wo ein neuer Stadtteil geplant ist. Die Schweizer Massstäbe sind gesprengt. Jinhua ist eine Millionenstadt und liegt vier Autostunden südlich von Schanghai. Chinesische Stadtplaner haben mit ihrem Part bereits begonnen. Sie sehen, über die Fläche gestreut, alleinstehende Villen, Häuserzeilen und Hochhäuser vor. Alle aus Glas und Beton, denn man hat ja westliche Vorbilder. Herzog & de Meuron drehen den Spiess um und wollen nur mit traditionellen, lokalen Materialien bauen. Wie bei der Formfindung des Pekinger Stadions auch, zogen sie den chinesischen Künstler Ai Weiwei zu Rate und spürten ursprünglichen Prinzipien nach. Davon zeugen Hunderte von Fotos. Rote Dachziegel, steinerne Bodenplatten, deren Zickzack abstrakte Muster liefert, fremdartige Türöffnungen, in die Horizontale gestreckte Baumkronen.

Es scheint, als reiche ein spielerischer Zugang für ein gelungenes Ergebnis nicht aus; es ist vielmehr die spielerische Akribie, die die Arbeit der beiden Architekten auszeichnet. Zu den tastenden Versuchen mit sinnlichen Mitteln tritt eine intellektuelle Auseinandersetzung mit der Örtlichkeit und der Geschichte von Jinhua. Die Struktur des neuen Stadtviertels gliedert sich in drei Teile: «Berg», «Feld» und «Dorf». Dichte wechselt ab mit Offenheit und im Gegensatz zur gleichmässigen, im Grunde mechanischen Verteilung der chinesischen Kollegen, wollen Herzog & de Meuron eine natürlichere Ordnung erreichen. Durch die Hochhäuser des Bereiches «Berg» zieht sich ein unregelmässiger Zickzackpfad. Die Backsteine sollen in zwei Hälften…

«Der Entkalker fürs Hirn:
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Dominik Imseng,
Managing Partner bei smartcut consulting,
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