Auftakt

Wir sind auf die Finanzordnung fixiert, in der wir leben. Die Ordnung ist, wie sie ist, und sie ist gut so: staatliches Geld, möglichst unabhängige Zentralbanken, private und halbstaatliche Geldinstitute in einem Teilreserve-Bankensystem, in dem Geld aus dem Nichts geschaffen werden kann. Kein Zweifel – die Jahrzehnte seit dem Zweiten Weltkrieg haben uns und der […]

Wir sind auf die Finanzordnung fixiert, in der wir leben. Die Ordnung ist, wie sie ist, und sie ist gut so: staatliches Geld, möglichst unabhängige Zentralbanken, private und halbstaatliche Geldinstitute in einem Teilreserve-Bankensystem, in dem Geld aus dem Nichts geschaffen werden kann.

Kein Zweifel – die Jahrzehnte seit dem Zweiten Weltkrieg haben uns und der ganzen Welt grossen Wohlstand gebracht. Aber sie haben uns auch in regelmässigen Abständen einschneidende Währungs- und Finanzkrisen beschert. Die wiederkehrenden Erklärungsversuche der Krise – Gier der Manager, Zynismus der Spekulanten – nehmen sich dabei ziemlich hilflos aus. Könnte es sein, dass die hohe Volatilität des Systems der Preis ist, den wir für unsere bloss auf guten Glauben gebaute Finanzordnung bezahlen?

Es gibt eine kleine Gruppe nonkonformistischer Ökonomen, die in ihren Schriften eine solche Systemkritik formulieren. Sie nennen sich «Austrians» und stützen sich auf die österreichische Schule der Nationalökonomie, die von Carl Menger, Eugen von Böhm-Bawerk, Ludwig von Mises und Friedrich August von Hayek begründet wurde.

Ihr Denken widerspricht der ökonomisch-politischen Zeitströmung. Sie gehen davon aus, dass sich die Konjunktur durch monetaristische Massnahmen kaum beeinflussen lässt. Interventionen von Nationalbanken und Regierungen halten sie für einen Auswuchs menschlichen Machbarkeitsglaubens. Im staatlichen, also ungedeckten, also beliebig vermehrbaren Papiergeld sehen sie die Wurzel einer staatlich sanktionierten Privilegienwirtschaft.

Die grosse Gefahr orten sie konsequenterweise nicht in der Deflation, sondern in einer schleichenden Inflation. Ist das weltfremd? Alles eine Frage der Perspektive. Der Dollar hat allein in den letzten 50 Jahren 86 Prozent seiner Kaufkraft verloren, der Franken seit 1914 volle 90 Prozent.

Das kümmert uns heute kaum. Wir freuen uns lieber an den günstigen Konsumgütern aus dem asiatischen Raum. Das gebietet das politisch und gesellschaftlich vorherrschende Denken. Die Regierungen vieler westlicher Staaten haben den Konsum in der Krise zur heiligen Bürgerpflicht erklärt. Für ketzerische Gedanken ist da kein Platz. – Wer aber nicht bloss konsumiert, sondern vorsorgen will, den treibt die Frage um: Wie kann ich den Wert meines Vermögens erhalten? Anregungen dazu finden Sie auf den folgenden Seiten.

René Scheu

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Werner Kieser, Unternehmer,
über den «Schweizer Monat»