Auch Förderer müssen talentiert sein

Auch Förderer müssen talentiert sein

In meiner bald 25jährigen Erfahrung als Gesuchstellerin für meine Projekte habe ich wundersame Begegnungen erlebt, im Positiven wie im Negativen, neugierige wie auch desinteressierte Gegenüber in den Reihen der Förderer. Eines wurde mir bald klar: ob öffentliche oder private Kunstförderung, beidesmal sind es Menschen, mehr oder weniger begabte, die darüber entscheiden, wer und was gefördert wird. Das Spektrum reicht von Pioniergeistern, Intelligenten, Sachverständigen bis zu Blauäugigen, Ignoranten, gar Machtgierigen. Eine vielfältige Spezies Mensch, genauso wie auf der andern Seite, auf derjenigen, die gefördert werden will. Ein theaterreifes Szenario, in dem die Rollen klar verteilt sind. Im imaginären Rollentausch habe ich mir den kühlen Geldgeber einmal vorgestellt, wie er in meine eigene, schlimmste Rolle als Bittgängerin geschlüpft ist, mit meinem Projekt unter dem Arm. Mich dagegen in seiner Rolle, am andern Ende des Tisches, das Herzblut der Künstlerin entgegennehmend, das während Monaten in ein Dossier verarbeitet worden war. Mich dann schriftlich dazu äussernd, mit oder ohne Begründung, nachdem ich es zusammen mit -zig andern Dossiers studiert hatte. Ich ermüdete zusehends bei dieser Vorstellung. Kein sehr inspirierender Rollentausch, warnte mich mein Künstlerherz. Viel vergnügter versetzte ich mich in die Rolle des begeisterungsfähigen Mäzens. Das war ein Szenario, das ich mit viel Spass durchspielte.

Soweit zum Spiel der freien Imagination, das ich allen Beteiligten wärmstens empfehlen kann! In der Realität entwickelt sich im guten Fall ein lebendiger Dialog zwischen Förderern und Gesuchsstellern, als eigentliches Fundament jeder gelungenen Förderung. Es entsteht eine Interessengemeinschaft. Hier beginnt das Spiel vom Zusammenwirken verschiedener Kräfte, das für mich das Wesen gelebter Kultur überhaupt ist: gemeinsames Erleben möglich machen und erkennen. Das Theater ist eine wunderbare Metapher dafür. Im privaten Förderungsbereich können sich solche Verbindungen einfacher entwickeln. Eine sehr persönliche Form davon ist der Gönnerkreis, der mit freiwilligen Beiträgen das persönliche Engagement einzelner kundtut, die zu wichtigen Mitträgern werden. Sie sind in meinem Fall Publikum und Förderer zugleich und bringen einen anregenden, wertvollen Kontakt in Gang.

Der Privatmäzen ist so etwas wie die Luxusausführung dieses Modells. Er wählt nach seiner persönlichen Vorliebe und bietet im besten Fall sogar bedingungslose Freiheit für ein Werk oder eine künstlerische Entwicklung an. Damit rückt er nahe ans Herz des Künstlers, eine Konstellation, die sich wahrscheinlich jeder Kunstschaffende erträumt. Im Gegensatz dazu steht die öffentliche Hand, die nach festgelegten Kriterien funktioniert, im Kontext einer grossen Verantwortung. Sie vergibt oft regelmässige und grosse Summen und hat einen kulturellen Auftrag zu erfüllen. Die Vergabungen sind keine Spenden. Mein Vorschlag wäre es, auch in diesem Szenario die Rollen mit wirklich kunstliebenden Menschen zu besetzen, die mit einer überdurchschnittlichen Neugier, Experimentier- und Begeisterungsfähigkeit ausgestattet sind. Dann funktioniert es. Diese Talente ermöglichen eine ideenreiche, mutige Förderung. Die öffentliche Hand sind wir schliesslich alle zusammen, und als Geldempfänger stehen wir in der gleichen Verantwortung. Beide Kräfte, die privaten wie die staatlichen, müssen ihren Part übernehmen im kräftevereinenden Spiel. Ein letzter Tip für das imaginäre Rollenspiel, falls jemand die Rolle des Künstlers durchspielen möchte: nicht verzweifeln, wenn am Monatsende der fette Lohn nicht kommt. Etwas ungewohnt vielleicht, aber durchaus normal in dieser Rolle. Es findet sich immer eine Lösung! Versuchen Sie einen Mäzen zu finden…

«Ein Sprudelbad fürs Hirn!»
Monique Bär, Philanthropin und Gründerin der Arcas Foundation,
 über den «Schweizer Monat»