Das Mining der Kryptowährung Bitcoin verbraucht derzeit eine riesige Menge Strom. Schätzungen gemäss sollen es pro Jahr rund 50 000 GWh sein, also fast so viel wie der Stromverbrauch in der Schweiz[1]. Darauf angesprochen, antworten einige der Bitcoin-Enthusiasten, dass das gesamte Bankensystem noch viel mehr konsumiere. Tatsächlich aber ist der grösste Teil des vom Bitcoin-Netzwerk verbrauchten Stroms unnötig und kann um etwa Faktor 10 reduziert werden, und das, ohne die Sicherheit der Bitcoin-Transaktionen zu beeinträchtigen.

Bitcoin ist die erste Währung, die ohne Zentralbank funktioniert und die Frage gelöst hat, wie man Nutzer daran hindert, ihre Coins an zwei verschiedenen Orten gleichzeitig auszugeben. Es ist die dafür implementierte Lösung, genannt «Proof-of-Work», die aktuell so viel Energie verbraucht. Denn Miner probieren jede Möglichkeit aus, um die Rechenaufgabe zu lösen, die zur Erstellung eines neuen Blocks und zur Auszahlung von Bitcoins führt. Die Rechenarbeit, die diese Aufgabe erfordert, verbraucht Strom, garantiert aber auch die Sicherheit der Transaktionen. Je mehr Miner sich beteiligen, desto mehr Strom wird verbraucht und desto sicherer werden die Transaktionen.

Doch weshalb steigt der Stromverbrauch trotz modernerer Mining-Hardware ständig an? Erstens herrscht freier Eintritt auf dem Bitcoin-Mining-Markt: Mining ist sehr einfach und erfordert kaum Fähigkeiten, man muss nur die richtige Hardware kaufen und die richtige Software herunterladen. Zweitens ist der Wert eines Bitcoins (BTC) inzwischen sehr viel höher als zu Beginn. Steigt dieser Wechselkurs, so sind auch die Belohnungen mehr wert, die das Bitcoin-Protokoll für Miner bereithält. Drittens wurde dieses Belohnungssystem seit der Gründung von Bitcoin nie aktualisiert. Die Idee des Bitcoin-Erfinders Satoshi Nakamoto war wie folgt: Langfristig müssen Miner nur mit Transaktionsgebühren belohnt werden, damit die Nutzer für den von ihnen genutzten Dienst bezahlen können. Kurzfristig jedoch, also bevor Bitcoin bekannt genug ist, um genügend Transaktionsgebühren zu generieren, müssen Miner – als ergänzender Anreiz – auch neue Bitcoins verdienen. Heute aber ist das nicht mehr nötig, denn es beteiligen sich genügend Miner, um die Bitcoin-Transaktionen äusserst sicher zu machen. Äusserst sicher waren die Bitcoin-Transaktionen aber auch schon vor zwei Jahren, als das Mining noch sehr viel weniger Strom verbrauchte.

Wie wäre es also, wenn das Bitcoin-Netzwerk einfach sofort auf das langfristige System von Nakamoto wechseln und aufhören würde, neue Coins zu erschaffen? Bitcoin ist schliesslich inzwischen einer ausreichenden Nutzerschaft bekannt und wird so auch in Zukunft genügend Miner und Rechenpower anziehen. Mit den nach wie vor ausbezahlten Transaktionsgebühren bleibt die Sicherheit der Transaktionen gewährt. Die bisherigen Besitzer von Bitcoins würden sogar bei gleichbleibender Nachfrage etwas reicher, da ihre Gesamtzahl nur 17 Millionen und nicht 21 Millionen betragen würde.

Das Problem ist die Umsetzung des Vorschlags. Es kann zwar jeder eine Änderung des Bitcoin-Protokolls vorschlagen. Die Miner aber können Änderungen am Kerncode verunmöglichen. Dass sie einen für sie mit finanziellen Einbussen verbundenen Änderungsvorschlag akzeptieren werden, ist unwahrscheinlich. Also müssen sie für ihre zukünftigen Einkommensverluste entschädigt werden. Die neue Regel könnte zum Beispiel so lauten: «Die nächsten 2000 Blöcke bringen eine Belohnung von jeweils 100 neuen Bitcoins und dann werden keine neuen Bitcoins mehr erstellt.» Da Miner mit der neuen Regel kein Geld verlieren, sollten sie der neuen und der aktuellen Regel indifferent gegenüberstehen. Das Fazit eines Bitcoin-Netzwerks ohne Block-Entschädigungen: Weiterhin sehr sichere Transaktionen, reichere Bitcoin-Besitzer, deutlich weniger Stromverbrauch. Worauf also warten wir noch?

Aus dem Englischen übersetzt von Ronnie Grob.



[1] Gemäss dem Bundesamt für Energie BFE weist die Schweiz 2016 einen Endverbrauch von 58 239 GWh pro Jahr aus.