Schweizer Monat
zurWebseite
Von Rüdiger Görner, Kurt Marti
Kann man an Erinnerungen erkranken oder erinnerungssüchtig werden? Kurt Martis Wortprägung «Memoritis» legt zumindest nahe, dass er eine pathologische Variante der Memoria kennt. Kleine Episoden legt er vor, über fünfzig sind es, auf zwanzig Jahre verteilt, Erzählminiaturen eigentlich, bald theologisch, bald erotisch aufgeladen, bunte Erinnerungsblätter in grau-brauner Zeit, Nachrichten aus einem unversehrten Land von einem Studenten, der nach 1945 ins zertrümmerte Deutschland fährt,... » Mehr
Von Christian Haller, Michael Harde
Gestern war alles besser. Das kann der besonnene, streng rationale Paläontologiedozent Emile Ryffel bestätigen, denn beruflich löffelte er sich mit feiner Akribie durch die Sedimentschichten vorzeitlicher Vulkaneruptionen, privat lebte er noch am Vortag den Stammhirntraum aller Akademiker: eine aparte Kulturschaffende – die Ebenbürtige – als feste Partnerin und eine knackige Studentin – das Kätzchen – für die freien Abende…
Heute ist alles schrecklich. In seinem feinfühligen... » Mehr
Von Markus Köhle, Pinkas Braun
Kurz vor seinem Tod legte der Schauspieler, Übersetzer und Theaterregisseur Pinkas Braun im Frühjahr des vergangenen Jahres seine Autobiographie vor. Als Kind jüdischer Emigranten 1923 in Zürich geboren, besuchte er die Pflichtschule und brach eine Kaufmannslehre ab, um Schauspieler zu werden.
Doch ist das Pinkas Braun? Ist es wirklich der Künstler selbst, der in seiner Autobiographie über sich schreibt, oder ist er ein anderer? Entwirft er mit dem Schreiben eine Figur, eine Rolle? Pinkas... » Mehr
Von Adrian Müller, Rainer Diederichs
Was hat Gottfried Keller mit Aischylos oder Sophokles zu tun? Die Frage könnte auch Keller-Fachleute in Verlegenheit bringen, denn Keller hat sich – abgesehen von ein paar Theaterfragmenten – nicht als Dramatiker hervorgetan. Antwort darauf weiss das von Martin Müller verfasste Personenlexikon zu Kellers Leben und Werk. Denn im Vorwort von «Der schweizerische Bildungsfreund, ein republikanisches Lesebuch» (1876) erklärt Keller, weshalb er Auszüge aus antiken Tragödien, von Sophokles... » Mehr
Von Klaus Hübner, Dirk Vaihinger
Im Sommer 1983 gründeten Renate Nagel und Judith Kimche in Zürich einen Verlag, der sich bald zu einer der feineren Adressen für Schweizer Literatur entwickelte. Später wurde er an den Münchner Hanser Verlag verkauft, und seit 1999 leitet Dirk Vaihinger die Geschicke des Hauses. Eine gediegene Anthologie, herausgegeben vom Verlagsleiter, durfte zum 25jährigen Geburtstag nicht fehlen, und da Nagel & Kimche seit je mit herausragender Prosa aus allen Landesteilen zu tun hat, versammelt die... » Mehr
Von Urs Malte Borsdorf, Beat Jung
2008 war nicht nur das Jahr der Fussball-EM, es war auch das Jubiläumsjahr der Schweizer Nationalmannschaft. 100 Jahre zuvor bestritt sie ihr erstes Spiel, gegen Frankreich. Und verlor sie dieses noch, so fuhr sie schon im zweiten Spiel, gegen Deutschland, den ersten Sieg ein. Dies und die weitere Geschichte der Mannschaft untersucht der Bildband von Werner Bosshard und Beat Jung anhand von Illustrierten von 1908 bis in die 1970er-Jahre hinein. Obwohl der Textteil stets auch die Gegenwart... » Mehr
Von Thomas Sprecher, Peter K. Wehrli
Der Zürcher Autor Peter K. Wehrli, so die Legende dieses Buchs, soll vor vierzig Jahren auf einer Reise den Fotoapparat veragessen haben, was ihn animierte und zwang, mit der Sprache zu fotografieren. Er machte Ein-Sätze-Bilder mit Titelwort. Darin liegt der Clou: ein Bild, ein Satz; ein Satz, ein Bild. Alle zusammen bilden ein Buch, und noch mehr Bilder ein grösseres Buch. Work in progress. Auf neuen Reisen hat Wehrli immer fortkomponiert, seine Wahrnehmungs- und Konstruktionsschule... » Mehr
Von Marco Baschera, Service de Presse Suisse
Die Polyphonie der vier Landessprachen und Literaturen steht im Zentrum auch der zweiten Ausgabe von «Viceversa Literatur» – des «Jahrbuchs der Literaturen der Schweiz». Wie schon letztes Jahr, erscheint «Viceversa» in einer deutschen, italienischen und französischen Ausgabe, neben «Viceversa Literatur» auch als «Viceversa Littérature» und «Viceversa Letteratura». Jede Ausgabe ist bemüht, in ihrer Sprache vor allem auf die Literatur der jeweils drei andern Landessprachen... » Mehr
Von Redaktion
«Alle glücklichen Familien ähneln einander; jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich», schreibt Leo Tolstoi in «Anna Karenina». Auch unterstützt werden müssen diese unglücklichen Familien jede auf eigene Weise. Doch von wem? Und wie? Und ab welchem Punkt darf nicht länger gezögert werden? Finger weg! – so lang wie möglich. Lesen Sie mehr in unserem Dossier ab S. 19.
Nachdem noch vor einigen Wochen niemand etwas von einer Rezession wissen wollte, will nun... » Mehr
Von Robert Nef, Wladimir Kraus, Jan Filter, Tomislav Rus
07.12.2008
Robert Nef, SMH Blog, www.schweizermonatshefte.ch/blog/
Das subversive Potential der Familie
«Die wirksamste Familienförderung würde darin bestehen, der Familie möglichst viel Eigenständigkeit zu belassen und und sie nicht durch gutgemeinte Fördermassnahmen zu entmündigen und unnötig zu machen. Wer die Familie ‹im Griff› hat, kann auf diesem Weg auch die Gesellschaft indoktrinieren und beherrschen. Das m.E. beste Buch zur Geschichte der Familie stammt vom englischen Autor... » Mehr
Die Künstlerin Lisa Endriß
Von Suzann-Viola Renninger, Lisa Endriß
Lisa Endriß braucht Platz für ihre Bilder. Sie wohnt in Oberbayern, weit draussen auf dem Land in der ehemaligen Dorfschule von Griesstätt. Im früheren Klassenraum, an den noch die Ausmasse, zahlreiche kleine Fenster und der fischgrätene Parkettfussboden erinnern, befindet sich ihr Atelier und Wohnzimmer. Einige der bis zu zwei mal zwei Meter grossen Bilder hängen an den geweissten Wänden, andere lehnen hintereinander gereiht in einer Ecke. Die Malerin dreht eines nach dem anderen um,...
» Mehr
Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende
auch, heisst es bei Hölderlin. Nur sind die gutgemeinten Rettungsmassnahmen
oft schlimmer als die Gefahr selbst. In der
aktuellen Finanzkrise tut vor allem eines not: Gelassenheit. Und Geduld.
Von Jörg Guido Hülsmann, Ralf Altenhof
Die gegenwärtige Wirtschaftskrise hat dem staatlichen Interventionismus neuen Wind verschafft. Die Regierungen der G-20-Länder haben auf ihrem Gipfel gerade die zwei keynesianischen Kernthesen bejaht: erstens sei die Krise durch die ungezügelten Kräfte des freien Marktes verursacht worden. Daher sei es notwendig, den Markt künftig an eine kürzere Leine zu nehmen und ihn durch ein strengeres Regelwerk in bekömmliche Bahnen zu lenken. Und zweitens bestünde das momentane Kernproblem in... » Mehr
Wenn es um Hanf geht, sind die Sinne oft getrübt – nicht nur die Sinne der Kiffer. Ein Nachtrag zur Abstimmung.
Von Matthias Jenny
Der US-amerikanische Rechtsphilosoph Lysander Spooner schrieb 1875: «Wenn eine Regierung Laster zu Verbrechen erklärt und sie als solche bestraft, versucht sie die wahre Natur der Dinge zu verfälschen.» Laster definiert Spooner als Handlungen, mit denen ein Mensch sich selbst oder seinem Eigentum schadet. Verbrechen hingegen seien Handlungen, mit denen ein Mensch einer anderen Person oder deren Eigentum schadet. Mit dieser fundamentalen Unterscheidung lässt sich der Cannabiskonsum leicht... » Mehr
Tritt Bundesrat Samuel Schmid zurück oder nicht? Schafft es Ueli Maurer in den Bundesrat oder nicht? Im parteipolitischen Theater ging vergessen: die Affäre Nef zeigt die Führungsschwäche des Bundesrats.
Von Georges Bindschedler
Die Umstände rund um die Ernennung von Brigadier Roland Nef zum Korpskommandanten und Chef der Armee und seine faktische Entlassung nach sechs Monaten im Amt haben zum Vorwurf von Führungsmängeln im Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) geführt. Zu Recht. Doch drohte dann die Analyse dieser Führungsmängel in einem eigentlichen medialen Sommertheater unterzugehen. Das Stück setzte sich bis hinein in die Weihnachtszeit fort – die Schweiz schien einzig mit der... » Mehr
Gerade in ökonomisch harten Zeiten zeigt sich: Demokratien begünstigen eigennützige Entscheidungen von Interessengruppen –
weil ja die anderen die Kosten tragen.
Das Problem ist, dass wir nur allzuoft selbst die anderen sind.
Von Erich Weede
Weil die Demokratie die Abwahl der Regierenden in regelmässigen Abständen vorsieht, weil die Demokratie also auch Kritik dulden muss, scheint sie auf den ersten Blick optimale Bedingungen für wirtschaftliche Freiheit und Wachstum, für Wohlstand und Rationalität zu bieten. Ob dem tatsächlich so sei, kann aber bestritten werden. Schon Ende des zweiten Weltkrieges hatte Nobelpreisträger Friedrich August von Hayek befürchtet, dass sich die westlichen Demokratien auf dem «Weg zur... » Mehr
Teil III: Warum es nicht gut ist, Anreize durch gute Absichten zu ersetzen
Von Roland Baader
Das Gegenteil von «gut», sagt der Volksmund, ist nicht «schlecht», sondern «gut gemeint». Gute Absichten sind keine Garantie für gute Ergebnisse. Wer aber gute Absichten hegt, lässt sich nicht so schnell von seinem Vorhaben abbringen – und will auch andere beglücken. Wer hingegen auf Anreize setzt, will andere nicht zwingen. Jede Person kann – nach eigenem Gusto oder individuellen Möglichkeiten – selbst entscheiden, ob sie dem Anreiz nachgeben will oder nicht. Der freie Markt... » Mehr
Nichts ist so schlimm, dass man es unbedingt ändern müsste. So denkt der Unentschlossene. Ihn lähmt die Furcht vor dem Risiko
und die Hoffnung, alles renke sich von selbst wieder ein.
Von Wolfgang Sofsky
Von allen Übeln ist die Unentschlossenheit eines der grössten. Endlos grübelt der Zauderer, prüft, was zu tun sei, obwohl er ahnt, dass es unnütz ist. Nach einiger Zeit schlägt die brütende Schwere der Gedanken in schlaflose Erregung um. Sie rührt von den leeren Entschlüssen her, die nie etwas entscheiden und den Körper zappeln lassen wie einen Karpfen auf dem Trockenen.
Immerfort wägt der Unschlüssige die Folgen eines Schrittes gegen alle anderen Möglichkeiten ab, ohne auch nur... » Mehr
Anthony de Jasay gehört zu den profiliertesten liberalen Denkern unserer Zeit. Um so bemerkenswerter ist es, dass der Werdegang des heute 83jährigen einer breiten Öffentlichkeit bis anhin unbekannt ist. Das soll sich ändern. Christoph Frei hat ihn in dessen Zuhause in der Normandie besucht. Wir publizieren die Gespräche exklusiv in einer neuen Serie.
Von Anthony de Jasay
Sie tasten sich sorgfältig an die gefüllte Teetasse heran. Wie geht es Ihren Augen?
Das Sehvermögen nimmt allmählich ab. Ich habe zwei Lupen. Die kleinere davon trage ich stets auf mir, die andere liegt im Arbeitszimmer und ist lichtverstärkt. Damit kann ich gerade noch die Titel der «Financial Times» lesen – obschon sie leider auch dort immer kostengünstiger und mit einem Minimum an Schwärze drucken. Ich markiere die wichtigsten Titel, meine Frau liest dann vor. Schreiben geht besser... » Mehr
Von Suzann-Viola Renninger
«Das ist privat» ist eine häufige Antwort, wenn es um familiäre Fragen geht. Doch wieweit soll das gelten? Wenn hinter geschlossenen Haustüren Familienangehörige misshandelt, Kinder bis zum Hungertod vernachlässigt, Frauen vergewaltigt und demente Verwandte an ihren Betten festgebunden werden, dann muss die Gesellschaft, muss der Staat einspringen. Doch wenn wir das Extrem verlassen? Wann darf der Staat Menschen vor sich selbst und vor anderen schützen? Wo beginnt der intime Bereich,... » Mehr
Mit ausufernden Präventionsmassnahmen nimmt der Staat Einfluss auf eine unbotmässige Jugend und damit auch auf die Familien. Ziel ist der sozialverträgliche Staatsbürger. Die unangenehme Nebenwirkung: je grösser der Anpassungsdruck, desto häufiger kommt es zu Störfällen.
Von Christian P. Hoffmann
Im Winter letzten Jahres versammelten sich die Gesundheitsminister der EU-Mitgliedstaaten im baden-württembergischen Badenweiler. Es galt, wichtige Beschlüsse zu fassen – vor allem im Hinblick auf das Essen. Nicht etwa das Essen der Konferenzteilnehmer, sondern vielmehr jenes der EU-Bürger. Denn die EU hat der Fettleibigkeit den politischen Kampf angesagt. Dieser Kampf manifestierte sich in einem ehrgeizigen Dreijahresplan: «Ziel sei es, dass sich bis zum Jahre 2010 zehn Prozent mehr... » Mehr
Was wäre, wenn alle Gleichstellungsbüros geschlossen würden? Den Frauen ginge es nicht unbedingt schlechter – im Gegenteil. Bericht über eine merk-würdige Gleichstellungspolitik.
Von Monika Rosenberg
Die Misere fängt schon beim Begriff an – er ist eine Mogelpackung. Wer von Gleichstellungspolitik spricht, meint nämlich nichts anderes als Frauenförderungspolitik. Weshalb nennt man das Kind nicht bei seinem Namen? Eine Politik, die Frauen fördert, ist grundsätzlich nichts Negatives. Sie ist mindestens so positiv wie eine Politik, die Männer unterstützt.
Als Angehörige der Zielgruppe spürt man indes ein Unbehagen angesichts einer spezifischen Frauenförderungspolitik. Weshalb... » Mehr
Wir brauchen Kinder. Deshalb braucht es eine Familienpolitik – wenn auch eine andere als die, die wir kennen.
Von Suzette Sandoz
Warum es verschweigen? Ich verabscheue den Ausdruck «individuelle Rechte». In meinen Augen steht er für die Schieflage, in die unsere Gesellschaft geraten ist, in der ein fast zur Religion erhobener Individualismus die menschlichen Beziehungen ruiniert und die Fähigkeit zu gemeinschaftlichem Leben gefährdet. In der Tat: wer ununterbrochen darauf pocht, seine individuellen Rechte respektiert zu sehen oder mit neuen ausgestattet zu werden, ist im allgemeinen egozentrisch. Er übersieht... » Mehr
Die Familie widersteht der Rationalisierung des Lebens. Wie sehen Familienmodelle aus, in denen das Schöpferische über das Zerstörerische obsiegt?
Von Dieter Thomä
Der leichtfertige Umgang mit natürlichen und finanziellen Ressourcen trübt die Stimmung in der Gegenwart und wirft lange Schatten auf die Zukunft. Und doch ist damit ein Urwort, mit dem der ungebremste kapitalistische Tatendurst umschrieben worden ist, noch nicht zum alten Eisen geworden: das Wort von der «schöpferischen Zerstörung», der creative destruction, das der Ökonom Joseph Alois Schumpeter in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in die Welt gesetzt hat.
Wenn sich das moderne... » Mehr
Staatliche Betreuungsplätze, Mittagstische, Schulobligatorium, Alimenten-Regelungen – der Staat mischt sich in die Aufgaben der Familien ein. Wie sieht dies die neue, junge Elterngeration?
Von Karin Fagetti
Wie sind Heranwachsende zu erziehen? Welche Rollen spielen dabei die Beziehungen zwischen den Generationen – und der Staat? Wie sieht sich das Individuum als Teil der Gesellschaft? Was ist seine Aufgabe als Bürger? Wie immer man diese Fragen im einzelnen beantworten mag und unabhängig davon, ob man nun Kinder hat oder nicht, wird man ständig mit ihnen konfrontiert. Sie gehören zu den drängendsten Fragen der Gegenwart. Und dennoch – sie sind so alt, wie unsere Erinnerung... » Mehr
Familienpolitik hiess früher meist Geburtenpolitik. Inzwischen steht die Chancengleichheit der Frauen im Vordergrund. In Zukunft muss die Rolle des Mannes neu überdacht werden.
Von Jürg de Spindler, Daniela Lepori
Bei Familienanliegen ist das Verhältnis zwischen Staat und Individuum, zwischen der Legitimität staatlicher Einflussnahme und den Grenzen der Privatsphäre eine besonders heikler Punkt. Inwieweit soll oder darf der Staat das Leben von Männern, Frauen und Kindern familienpolitisch beeinflussen? Und welche Ziele möchte man mit welchen spezifischen Instrumenten erreichen?
Im Rückblick auf das vergangene Jahrhundert in Westeuropa, war eine möglichst grosse Geburtenzahl Ziel der... » Mehr
Eheschliessung und Ehescheidung, Familienplanung und Mutterliebe, Arbeitsteilung und Kindergrippe: Familiensoziologen sind bei diesen Stichworten um Antworten nicht verlegen. Eine Auswahl historischer Beispiele und aktueller Studien.
Von François Höpflinger
Herr Höpflinger, als Familiensoziologe kennen Sie sich aus mit der Ehe. 50 Prozent aller Paare in der Schweiz werden geschieden. Das Armutsrisiko für Frauen ist danach häufig gross, vor allem wenn sie minderjährige Kinder versorgen müssen. Würde man eine Umfrage durchführen, so würde wohl die Mehrheit die alleinerziehenden Frauen als eine vom Schicksal getroffene Gruppe ansehen. Dieser Auffassung wird jedoch auch widersprochen. Dir Armut sei selbstverschuldet, heisst es, da sich... » Mehr
Er hat viele Interessen. Und viele Gesichter. Der Unternehmer Tito Tettamanti hat das Schweizer Establishment aufgemischt. Er wirft sich weiterhin in jede Schlacht, die ihm das Leben bietet. Und in jedes Gespräch. René Scheu hat Tito Tettamanti in Südfrankreich getroffen.
Von Tito Tettamanti, René Scheu
Herr Tettamanti, Sie haben viele Titel: Investor, Kapitalist, Unternehmer, Autor, Parvenu oder «leidenschaftlicher anarcholiberaler Freizeitphilosoph». Wer sind Sie wirklich?
Journalisten geben mir diese Namen, weil sie mir schmeicheln wollen. Ich würde mich glücklich schätzen, wenn ich all dies wäre! Dann könnte ich sicher sein, mich meiner Lebtage nicht eine einzige Sekunde zu langweilen. Nun, es stimmt immerhin, dass ich mich bemüht habe, verschiedene Interessen zu pflegen – aus... » Mehr
Im Februar 2009 wird der Zürcher Schriftsteller Peter Zeindler 75 Jahre alt. Wir drucken exklusiv die ersten drei Kapitel seines Spionageromans mit dem Titel «Der Urknall», an dem er vor einigen Wochen zu arbeiten begonnen hat. Zur Zeit ist Peter Zeindler in Genf, um für das vierte Kapitel zu ermitteln.
Lust auf mehr? E-Mail an redaktion@schweizermonatshefte.ch!
Von Peter Zeindler
1. Kapitel
Wenn der Nordostwind blies wie an diesem Januartag, fühlte er sich ausgesetzt, nackt. Er war durchfroren. Daran änderte auch die Tatsache nichts, dass seine Frau neben ihm auf der Seite ging, die der Bise zugewandt war. Sie bot ihm keinen Schutz vor deren Zugriff. Heute schon gar nicht, dachte er. Sie waren zerstritten, was ihn ungleich mehr quälte als sie. Ihr machte eine vorübergehende Disharmonie wenig aus, im Gegenteil. Grundsatzdiskussionen waren für sie das Salz in der... » Mehr
11 Bücher, vorgestellt in dreizehnten Folge der «Schweizer Literatur in Kurzkritik». Fortsetzung folgt.
Von Redaktion
Von der Gefahr eines «physiognomischen Autodafés»
Was, wenn man die Bösen an ihren Gesichtern erkennen könnte? Oder wenn ein Blick in die Gehirne zeigen würde, woran man mit jemandem ist? Endlich hätte man, in Form von Hirnbildern, den Atlas des Uomo delinquente, wie ihn schon Cesare Lombroso entworfen hat (1878). Lichtenbergs Schreckensvision wäre dann bedrohlicher denn je: «Wenn die Physiognomik das wird, was Lavater von ihr erwartet, so wird man die Kinder aufhängen ehe sie die... » Mehr
Von Redaktion
Paul Virilio
Panische Stadt
Wien: Passagen, 2007
Der französische Stadtplaner und Philosoph Paul Virilio ist mit seinen Thesen zur Beschleunigung der Welt der Moderne berühmt geworden. Dass wir uns nicht mehr natürlich fortbewegen, sondern seit der Erfindung der Eisenbahn in immer rascherem Tempo, verändert – so hat er gezeigt – unsere Wahrnehmung des Raumes, der Zeit, der Wirklichkeit. Seit dem 20. Jahrhundert kommt die ungeheure Schnelligkeit der Ausbreitung von Information hinzu.... » Mehr
Eine Antwort aus dem Stegreif von Christian Schopper «Eine gute Verwirrung ist mehr wert als eine schlechte Ordnung.» (Ludwig Tieck)
Von Suzann-Viola Renninger, Christian Schopper
«Das Zitat hat eine grosse Beziehung zu meinem Fach, der Psychiatrie. Denn die ‹gute Verwirrung›, von der Tieck spricht, ist die Basis, auf der das gesunde Seelenleben entstehen kann. Die alten Griechen kannten die Polarität zwischen dem Apollinischen und dem Dionysischen. Mich fasziniert das, weil sie damit die Ordnung und die Verwirrung, die Struktur und das Chaos, in einer lebendigen permanenten Polarität erfasst haben, als ein Spannungsfeld, in dem Kreativität wachsen kann.

Jeder...
» Mehr
Von Jürg Berthold, Roger Fayet
Was, wenn man die Bösen an ihren Gesichtern erkennen könnte? Oder wenn ein Blick in die Gehirne zeigen würde, woran man mit jemandem ist? Endlich hätte man, in Form von Hirnbildern, den Atlas des Uomo delinquente, wie ihn schon Cesare Lombroso entworfen hat (1878). Lichtenbergs Schreckensvision wäre dann bedrohlicher denn je: «Wenn die Physiognomik das wird, was Lavater von ihr erwartet, so wird man die Kinder aufhängen ehe sie die Taten getan haben, die den Galgen verdienen, es wird also... » Mehr
Von Beat Mazenauer, Tim Krohn
Quatemberkinder leben in zwei Welten. Sie sind Menschen, zugleich pflegen sie Umgang mit Geistern und Teufeln aller Art. Melk ist ein solches Quatemberkind. Das Zaubern freilich will ihm nicht so recht gelingen, weil er so «usinnig verstuunet» (ganz verträumt) ist. Vreneli aber hält seine schützende Hand über ihn.
1998 erzählte Tim Krohn im Roman «Quatemberkinder» die Geschichte von Melk und wie er lange nicht begreifen wollte, dass das Vreneli ihn gern mochte. «Vrenelis Gärtli»... » Mehr
Von Hans-Rüdiger Schwab, Eberhard Busch
Dass es bei der offiziellen Schweiz wenig Freude hervorrief, wenn Karl Barth sich, nach seinem von den Nazis erzwungenen Weggang aus Deutschland, zu den Verhältnissen dort äusserte, war früh bekannt. Erstmals ist nun aber das ganze Räderwerk der Schikanen zu besichtigen, in das er durch Regierungsinstanzen und nachgeordnete Behörden geriet – jenes Ineinandergreifen von Kontrollen, Eingriffen, Verboten und Beschlagnahmungen, einschliesslich dadurch hervorgerufener Reaktionen bei Freunden... » Mehr
© 2011 Copyright by Schweizer Monat.  |  Design by JANUAR Designbureau  |  Programming by ibrows.ch