Apéro

Häppchen aus der Alltagskultur

Philosophierende Abenteurer

Wie kommt ein Mensch dazu, einer mit dem Lineal gezogenen Linie entlang die Schweiz zu durchqueren? Diese Frage stellt sich Thomas Ulrich mehrmals, während er sich durch unwegsames Dickicht, über Felswände und durch Flüsse vom Grenzstein Nr. 33 im Westen bis zum Stilfserjoch ganz im Osten kämpft. «Wenn ich etwas wirklich will, bin ich gut. Das funktioniert aber nur, wenn ich die Ziele selbst setzen kann und mir nicht von anderen sagen lassen muss, was zu tun ist», schreibt der Fotograf und Bergführer im Buch «Schnurstracks durch die Schweiz». Noch schöner bringt es der norwegische Abenteurer und Verleger Erling Kagge auf den Punkt. «Es kann unangenehm und auch durchaus riskant sein, seine eigene Welt zu verändern. Aber vielleicht ist es noch riskanter, es nicht zu tun und gar nicht erst herausfinden zu wollen, wie gut sich das Leben anfühlen kann», schreibt er in seinem jüngsten Buch «Philosophie für Abenteurer». Dieses lohnt sich übrigens keineswegs nur für Extremsportler. Denn Kagge, der unter anderem allein zum Südpol gelaufen ist, weiss: Das grösste Abenteuer ist das Leben. (lz)


Ars in silencio

Bild: Nicolas A. Rimoldi

Wer Venedig, die Uffizien, Michelangelos David,das Kolosseum, die vatikanischen Museen oder die Nekropole, in der Petrus bestattet wurde, besuchen möchte, muss normalerweise mit langen Warteschlangen und sich drängenden Touristen rechnen, die hektisch an den Schauplätzen vorbeigeschleust werden. Nicht im Coronasommer. Meisterwerke von da Vinci, van Gogh und Botticelli, Relikte vergangener Hochkulturen und unzählige weitere zivilisatorische Schätze sind in fast gespenstischer Einsamkeit zu bestaunen – Kontemplation pur. Man wird sich ­bewusst, was Schiller meinte, als er schrieb, Ruhe sei Bedingung der Kultur. (ri)


Die Rückkehr des 12. Manns

Die Fussballstadien bleiben in Coronazeiten (fast) leer. Wo die Fans sonst Schulter an Schulter stehen, sitzen die maximal zugelassenen 1000 Zuschauer ganz brav auf ihren Plätzen; im Schachbrettmuster, um den Abstandsregeln nachzukommen. Doch so geregelt und koordiniert die Sitzordnung ist, so sehr regiert nun das Chaos und die Unordnung bei den Fangesängen: Im Fussballsommer 2020 gibt es keinen Capo, der mit einem Megafon die Sprechchöre der Fankurve dirigiert. Stattdessen schalten sich meine Sitznachbarn, überrumpelt von plötzlicher ­Erregung und für das Stadionrund gut hörbar, kommentierend in das Spielgeschehen ein: «Du Schluuch!», «Hundefueter!», «Notschlachtä!», «Ranzäpfiife!» – es könnte eine Dada-Performance sein. Wenn nicht gerade jemand lautstark über einen Fehlpass, einen Schiedsrichterentscheid oder einen misslungenen Abschluss flucht, ist es mucksmäuschenstill auf den Rängen. Man hört die Anweisungen der Trainer und Spieler auf dem Feld: «Vorwärts, Jungs!», «Guuuut, Mirlind!», «Keeeviiin!», «Ja was DUUU!». Einige Fans versuchen, mit gezielten Zwischenrufen das Spielgeschehen zu beeinflussen: «Jungs, dänked ihr a mini Nervä?», «Hör uuf foulä!», «De söll endlich mal d Frässi hebä!»,
«Was bisch du füren truurige Sauhund!».
Die rohe Emo­tion der Fans als Antwort auf ein Profibusiness, das durch die fortschreitende Professionalisierung der vergangenen Jahre zunehmend den Draht zur Basis verloren hat. Im leeren Stadion wird er endlich wieder gehört, der einfache Mann. (jb)


Die Tuttle-Zwillinge

Auf die Idee, aus einem liberalen Klassiker wie F. A. Hayeks «Weg zur Knechtschaft» oder aus einem Roman wie Ayn Rands «Der Streik» die Essenz zu ziehen und daraus ein Kinderbuch zu machen, ist Connor Boyack gekommen, Präsident des Libertas Institute in Lehi, Utah, und Vater von…

«Sympathisch elitär, aber nie hochnäsig!
Die Kollegen beim MONAT wissen,
dass der liberalen Haltung ein Schuss Ironie gut bekommt.»
Rainer Hank, «FAZ»-Kolumnist,
über den «Schweizer Monat»