Antreten!

Die Redaktion auf Besuch bei der Armee. 

Antreten!
1960 wie heute: Junge Männer treten ihren ersten Tag in der Rekrutenschule an. Bild: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / photographiert von Heinz Baumann / Com_L09-0148-0002-0005 / CC BY-SA 4.0.

Zum in die Luft fliegen

Flugbegeisterte Miliz- und Berufssoldaten arbeiten auf dem Militärflugplatz in Payerne eng zusammen. Am ehesten trennt sie noch die Sprache. Alicia Romero

Hoch über unseren Köpfen hängt ein Mann am Seil. Es ist befestigt an einem in der Luft kreisenden Super Puma, einem dunkelgrünen Transporthelikopter der Schweizer Luftwaffe. Mit seinen Knien stabilisiert der Mann eine leblose Person, die in einem Netz liegt. Erst auf den zweiten Blick erkenne ich: es ist kein Verletzter, nur eine Puppe. Doch es könnte auch ein Mensch aus Fleisch und Blut sein, denn genau so läuft es ab bei einer richtigen Rettungsaktion. Wie wendig die massige Maschine ist, erstaunt. Die beiden werden behutsam abgesetzt, und gekonnt bringt der Pilot auch den Helikopter wieder auf den Boden zurück.

Es ist Samstagmorgen, 11 Uhr, und die Sonne strahlt über der Hauptbasis der Schweizer Luftwaffe, dem Militärflugplatz Payerne. Der Einladung zum Tag der offenen Tür sind mehr als 5000 Personen gefolgt, auch ich: «Invité» steht auf einem Stück Papier, das ich einem freundlichen Soldaten entgegenhalte, weil ich auf dem riesigen Gelände die Orientierung verloren habe. Um den Flugbetrieb und die Wartung der Maschinen und Systeme zu gewährleisten, sind hier das ganze Jahr über mehr als 230 Personen beschäftigt. Zu ihren wichtigsten Aufgaben gehört die Wahrung der Lufthoheit mit Hilfe des Luftpolizeidienstes. 2017 verzeichnete Payerne 36 Hot Missions: Luftpolizeieinsätze, die aufgrund von Verletzungen der Lufthoheit oder der Luftverkehrsregeln geflogen werden. Hinzu kamen 292 luftpolizeiliche Kontrollen des Luftraumes, sogenannte Live Missions. Weiter zuständig ist die Luftwaffe für Lufttransporte. Die Luftwaffe erbringt auch Leistungen für zivile Partner: zum Beispiel Überwachungs- und Personensuchflüge mit Helikoptern zugunsten der Polizei oder Löschflüge bei Waldbränden zugunsten der Feuerwehren.

Ein Hoch auf die Miliz

Mir wird «le chef» vorgestellt, ein Mann mit Charisma und leichtem französischem Akzent, Oberst i Gst Benoît Studemann, der Kommandant des Flugplatzes. Der gelernte Ingenieur ist kein Berufsmilitär, sondern ein begeisterter Luftwaffenangestellter und Milizsoldat, der seit zwanzig Jahren mit voller Überzeugung bei der Luftwaffe ist. Sein Umgang mit den Soldaten ist locker und freundschaftlich, auch ein Witz zwischendurch muss sein. Vom Milizprinzip schwärmt er. Die Leute, die zur Luftwaffe kämen, seien wunderbar einsetzbar, da sie alle schon eine Grundausbildung oder Lehre durchlaufen hätten. «Man kann sie sehr schnell auf die Flugzeuge und Systeme hin ausbilden», lobt Studemann die momentan in Payerne einen WK absolvierenden Soldaten, rund 500 sind es. Noch gestern haben sie bis spät in die Nacht den heutigen Tag vorbereitet. «Aber überzeugen Sie sich selbst, ob das Milizsystem funktioniert. Fragen Sie zum Beispiel ihn hier.» Studemann zeigt auf einen Mann in Uniform. Es ist Major Philipp Imhof und zu meinem Glück ein Deutschschweizer.

Für Imhof liegt die Stärke des Milizprinzips darin, dass die Leute das Zivile ins Militär mitbringen. «Erst vor kurzem ist mein Fahrzeug vor der Heimreise nicht mehr angesprungen, da haben sie mir den Automech geschickt», lacht er. «Und beim Kompanieessen brät der Metzger dann das Wildschwein am Spiess.» Leute aus allen Berufen dabei zu haben sei ein enormer Mehrwert. Und die Akademiker? Ja, auch die seien zu finden, bestätigt Imhof. Zwar handle es sich zumeist um Leute mit technischem Hintergrund, aber nicht nur. Imhof deutet auf einen anderen Milizoffizier, einen Anwalt.

In den Cockpits der F/A-18 Hornet befinden sich ausschliesslich Berufspiloten. Kampfjets ab dieser Generation sind technisch sehr komplex, so dass sie nicht mehr durch Milizpiloten beherrscht werden können. Umso wichtiger, dass die Zusammenarbeit zwischen den Profis und der Miliz funktioniert. Laut Imhof bestehen da keine Pro­bleme, im Gegenteil, es herrsche gegenseitiges grosses Vertrauen. Niemand gehe je leichtsinnig mit den Maschinen um, denn alle wüssten, was dabei auf dem Spiel stehe. Das entgegengebrachte Vertrauen ist nicht selbstverständlich. Schliesslich werden die Miliz-Flugzeugmechaniker nur während drei Wochen pro Jahr am Flieger eingesetzt.

Traumjob Pilot

In einer der Hallen kann eine F/A-18 aus nächster Nähe betrachtet werden, ein grauer Riese von 17,1 Metern Länge, 4,1 Metern Höhe. Die F/A-18 ist ein Abfangjäger, deren Funktion auf Verfolgung, Abdrängung und Vernichtung feindlicher Flugzeuge ausgerichtet ist. Noch sind in der Schweizer Luftwaffe rund dreissig dieser Maschinen im Einsatz. Dass dieses bis zu 20 Tonnen schwere Bauwerk in der Luft dennoch sowohl agil als auch schwerelos erscheint, ist beeindruckend.

Das Cockpit wirkt eng und ungemütlich, grosse Beinfreiheit besteht hier keine für die Piloten. «Darin zu fliegen ist wie Spitzensport zu betreiben», sagt ein danebenstehender Mann in einem blauen Ganzkörperanzug: F/A-18-Jetpilot Julien Meister, ein 38jähriger, fliessend Deutsch sprechender Waadtländer. Wie er mir gleich erzählt, ist Pilot sein Traumjob, auch wenn ihn die Arbeit drei- bis viermal im Monat von seiner Familie weg- und auf unterschiedliche Flughäfen führt. Mit der Miliz arbeitet Meister gerne zusammen: «Es wird sehr viel von ihnen verlangt. Meine Erfahrung ist aber, dass die Leute aus der Miliz genial sind: es arbeiten durchwegs seriöse und motivierte Leute an den Fliegern.»

Die F/A-18 Hornet begeistert Gross und Klein, photographiert von Alicia Romero.

Hinter der Maschine bei den Turbinen kommen wir mit einem Milizsoldaten im Tarnanzug ins Gespräch. Das sei jetzt einer dieser Akademiker, sagt Imhof, ein ETH-Absolvent. Heute ist es seine Aufgabe, die Fragen von Besuchern wie mir zu beantworten. «En français?» – «Nein, auf Deutsch!» Er ist sichtlich erleichtert. Die Milizgruppe hier in Payerne besteht aus zwei Dritteln West- und einem Drittel Deutschschweizern. Dementsprechend finden die Übungen zweisprachig statt. Doch nicht ganz ausgewogen, meint der Soldat: «Auf Französisch wird sehr ausführlich und genau erklärt, auf Deutsch dann nur noch kurz zusammengefasst.» Und die Kommunikation untereinander? Die laufe auf Französisch. Englisch werde eigentlich nie gesprochen. Seine freie Zeit aber verbringe man sowieso mit Leuten, die die gleiche Sprache sprächen.

Eine Frage brennt mir schon lange auf der Zunge: «Geht ihr denn gern ins Militär?» Der Soldat ist ehrlich: «Natürlich kackt es an, in den WK zu kommen, natürlich kommt man nicht freiwillig!» Er denkt nach, ergänzt nach einer kurzen Pause lächelnd: «Doch der ganze Lärm, die Flugzeuge, die Piloten … Das ist schon alles auch sehr cool!» Ihn befriedigt vor allem die Arbeit an den Fliegern. Gerade diesen Morgen habe er allein an einer Maschine gearbeitet. Und jetzt seien sie dabei, diesen Jet für einen nächsten Flug vorzubereiten.

Auch Imhof macht das Militär längst nicht immer Spass. Gerade das Einrücken sei zweischneidig, als Lehrer und Vater habe er bereits ausreichend Verpflichtungen im Alltag. «Doch anderseits … bin ich erst mal hier, setze ich mich voll ein.» Es sei anstrengender, als viele glauben. «Bei der Arbeit höhnen einige, dass ich ja jetzt in die Ferien fahre, wenn ein WK ansteht», sagt Imhof. Dabei sei es umgekehrt: «Ich brauche Ferien, wenn ich aus dem WK zurückkomme.»

Abflug

Was alle hier verbindet, ist die Faszination fürs Fliegen, auch unter den Zuschauern finden sich viele Aviatikfans. Familien mit Kindern – hauptsächlich Leute aus der Region – haben sich an den Absperrungen versammelt, um den Abflug einer F/A-18 zu beobachten. Doch das dauert erst einmal. «Vor dem Abflug muss die ganze Maschine gecheckt werden», schreit Imhof über den Lärm hinweg. Vom Piloten sieht man im winzigen Cockpit nicht viel. Rund zehn Männer stehen um den Jet, verständigen sich mit Handzeichen. Unser Gespräch bricht ab, weil wir uns nicht mehr verstehen. Die F/A-18 ist nun abflugbereit. Die Luft flimmert, es wird lauter und lauter, langsam setzt sich die Maschine in Bewegung. Der Pilot winkt aus dem kleinen Fenster. Und die Leute winken zurück. Dann startet sie, hebt ab. Und weg ist sie.

Ernstfallprobe am Check-In 2

Am Flughafen Zürich üben Infanterietruppen in enger Zusammenarbeit mit der Flughafenpolizei. Um diese im Ernstfall entlasten zu können. Ronnie Grob

Zwei Kompanien des Glarner Gebirgsinfanteriebataillons 85 sind von ihrem WK, den sie im Raum Walenstadt-Sargans absolvieren, an den Flughafen Zürich ausgerückt. Grund dafür ist die Volltruppenübung «SKILL 18», die einen konkreten Ernstfall durchspielt, wie er tatsächlich eintreffen könnte. Das Übungsszenario kann man auf vtg.admin.ch nachlesen, es lautet so: Unbefugte haben wiederholt versucht, sich illegal Zutritt zum Airside-Bereich des Flughafens Zürich zu verschaffen. Durch Übersteigen des Zauns sind Personen bis aufs Rollfeld gelangt. Nach einem Sprengstoffanschlag bei der Tankanlage Rümlang hat die Kantonspolizei mehrere verdächtige Personen festgenommen, die allesamt einer extremen Organisation angehören, worauf sich das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) als zuständige Regulationsbehörde einschaltete und die Kantonspolizei Zürich um Entlastung bat. Der Sicherheitsdirektor des Kantons Zürich ersuchte dann, in Absprache mit der Kantonspolizei und dem Flughafen, die Armee um Unterstützung.

Die subsidiäre Unterstützung wurde schliesslich von den politischen Behörden bewilligt, also haben die beiden Kompanien gemäss Übungsszenario den Auftrag erhalten, nacheinander den «Landside»-Teil des Flughafens inklusive zwei Zugangstoren von Montag bis Freitag zu schützen. Konkret heisst das: Präsenz zeigen, einen Patrouillendienst sowie Checkpoint-Kontrollen einrichten und diese rund um die Uhr autonom betreiben. Geschützt werden soll insbesondere das Betriebsgebäude der Firma Interxion. Für die WK-Soldaten sind die Einsätze im Raum des Flughafens Zürich Neuland, viele von ihnen machen ihren ersten Wiederholungskurs. Genau deshalb soll die Truppe unter Beweis stellen, dass sie ihren Auftrag jederzeit vollständig, gefechtstechnisch einwandfrei und verhältnismässig erfüllen kann, und zwar ohne eine Beeinträchtigung des regulären Flughafenbetriebs.

Übergaberapport

Es ist Mittwochmittag, Zeitpunkt der Übergabe zwischen der ersten und der zweiten Kompanie. Der Übergaberapport findet an einem langen Sitzungstisch im alten Tower des Flughafens Zürich statt, von dem man rundum einen wunderbaren Blick über alle Gebäude und Pisten hat. Geleitet wird die Sitzung von der Kantonspolizei Zürich, die Traktanden werden an die Wand projiziert: Definition der Leistung, Formulierung des taktischen Entschlusses, Einsatzorganisation, Zuständigkeiten, Logistik. Mit am Tisch als Teil der Übungsleitung sitzt auch der Chef Flughafenpolizei, Ueli Zoelly, heute im Tarnanzug.

Zuerst diskutiert die Runde die Fuss­patrouillen. Der Zugführer, ein Oberleutnant, soll klare Antworten geben, in welchen Intervallen er diese auszuführen gedenkt. Reicht ein Funkgerät? Zwei Geräte mit Reserveakku werden genehmigt, sie können mit der Stromquelle im Kommandoposten aufgeladen werden. Bis wann ist ein taktischer Befehl möglich? Bis 18 Uhr komme der Entschluss, verspricht der Oberleutnant. Weiter gibt er zu Protokoll, keine weiteren Kapazitäten zu haben für zusätzliche Aufgaben. Sein Vorgänger habe ja Reserven gehabt, er aber könne keine weiteren Aufträge entgegennehmen (wie sich herausstellt, ist das eine von der Übungsleitung absichtlich eingebaute Erschwernis). Am Ende gibt die Übungsleitung noch zu bedenken, nicht die 117 zu wählen, denn damit erreiche man die echte Notrufnummer und nicht die von der Übungsleitung simulierte.

Das Gebirgsinfanteriebataillon 85 ist eines von sieben Bataillonen der Territorialdivision 4. Diese wird von St. Gallen aus kommandiert und erstreckt sich über einen Einsatzraum, der das Gebiet der Kantone Zürich, Glarus, Schaffhausen, der beiden Appenzell, St. Gallen und Thurgau umfasst – rund ein Sechstel des Schweizer Staatsgebietes. Die Territorialdivision 4 führt Unterstützungseinsätze, die von den zivilen Behörden mittels Gesuchs beantragt werden können, also zum Beispiel bei Naturkata­strophen wie etwa Hochwasser oder bei Grossanlässen. Neben den Schutz- und Sicherungseinsätzen wird sie im Rahmen von Verteidigungsoperationen eingesetzt, etwa bei der Unterstützung der eigenen mechanisierten Kräfte, also von Panzern, die im Raum der Territorialdivision operieren. Sie überwacht hier truppenleere Räume, besetzt wichtige Objekte und unterstützt die Panzer beim Überwinden von Hindernissen.

Vorteile der Milizarmee

Geführt wurde die Ostschweizer Territorialdivision 4 lange vom Baselstädter Divisionär Hans-Peter Kellerhals, nun hat er sein Amt abgegeben an Nachfolger Willy Brülisauer. Kellerhals erzählt, dass diese Übung schon mehrfach durchgeführt worden sei, und auch immer wieder werde, denn schliesslich gebe sie viele sicherheitsrelevante Rückschlüsse. Seine Begeisterung für das Milizprinzip ist ihm anzumerken, er erkundigt sich sogleich bei mehreren der jungen WK-Soldaten, was sie im Berufsleben machten. «Klar, gibt es auch bei uns Probleme mit modernen Zivilisationserscheinungen wie Kiffen zum Beispiel», gibt Kellerhals zu, «ich meine aber, unsere Milizarmee ist heute sehr viel besser und auch motivierter als vor zwanzig Jahren.» Der riesige Vorteil der Milizarmee sei eben, so Kellerhals, dass sie aus hervorragenden Berufsleuten bestehe, die nicht nur ausführten, sondern auch mitdächten. «Wann immer ich Militärangehörige anderer Länder empfange, sind die von uns sehr beeindruckt.» Dass viele sehr gut ausgebildete junge Leute den Zivildienst wählen und sich nicht in der Armee oder im Zivilschutz engagieren, bedauert er allerdings: «Heute besteht ja de facto die Wahlfreiheit zwischen Armee, Zivilschutz und Zivildienst.»

Der Beobachtungsposten auf dem Dach der Firma Interxion in Opfikon, photographiert von Ronnie Grob.

Nach dem Rapport fahre ich mit Oberstleutnant i Gst Hobi und Major i Gst Keller zur Firma Interxion in Opfikon, die für über 1000 Kunden eines der grössten Cloud-Rechenzentren der Schweiz betreibt. Der Parkplatz der Firma wurde vergittert und vor Blicken geschützt. Als wir in das Areal einbiegen, fragen zwei Soldaten nach unseren Zutrittsberechtigungen. Hobi gibt durchs Fenster zu verstehen, dass ich mit ihm sei und meine Präsenz in Ordnung gehe. Am Rand des Parkplatzes ist der Gefechtsstand aufgebaut, der in Form eines von Toitoi-WCs flankierten braunen Containers mit zwei Fenstern daherkommt. Drei Aufträge sind darin notiert: betrieben werden soll ein Checkpoint, ein Beobachtungsposten und eine Patrouille. Der Beobachtungsposten auf dem Firmendach sowie die Patrouille, die das Areal umrundet, melden auffällige Personen und ungewöhnliche Ereignisse – idealerweise völlig unauffällig (was mir nicht so ganz der Fall zu sein scheint). Hinzu kommt die bereits geschilderte Zutrittskontrolle: zwei Soldaten kontrollieren jedes Fahrzeug, das auf den Parkplatz will. Haben die Kon­trollierten eine Zutrittsberechtigung? Falls nicht, werden sie gemeldet und gegebenenfalls von der Kantonspolizei verhaftet.

Markeure

Damit sich die Soldaten auch bei unerwarteten Vorfällen korrekt verhalten, kommen Kantonspolizisten ins Spiel, die sich als Schauspieler betätigen, sogenannte Markeure. Sie betätigen sich etwa als Demon­stranten oder tauchen als Personen mit falschen Ausweisen am Checkpoint auf. Diese Markeureinsätze dienen dazu, das Verhalten der Truppe zu bewerten. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse fliessen zurück zur Truppe und auch zur Polizei, damit alle an der Übung Beteiligten etwas lernen und so künftig mehr Sicherheit gewähren können. Einer der Soldaten – im zivilen Leben kaufmännischer Mitarbeiter aus dem Kanton Graubünden – erzählt mir von einem Vorfall am Morgen: der Späher auf dem Dach sichtete eine Person, die eine Drohne aufsteigen liess. Sogleich funkte er den Gefechtsstand an, der eine Patrouille losschickte, die den Mann auffand, befragte, festhielt und dazu eine Meldung an die Kantonspolizei machte. Es war ein Markeur.

Im Kommandoraum – es wurde eine Zivilschutzanlage in der Nähe des Check-in 2 in Beschlag genommen – sehe ich dann später die geplanten Einsätze der Markeure auf einem grossen Zeitplan versammelt. Morgens werden Drohnen zum Einsatz gebracht, mittags Einbrüche simuliert, nachmittags Demonstrationen organisiert und in der Nacht randalierende Betrunkene vorgeschickt (denen Divisionär Kellerhals im Nachhinein ein erstaunliches Schauspieltalent attestiert). Diese Einsätze sollen den geordneten Ablauf möglichst stören, unterbrechen, herausfordern – eben um die Realität in einer Krisensituation überzeugend zu simulieren.

Lockeres, aber ernsthaftes Arbeiten

Es fällt auf, dass all das, was gemeinhin mit «militärischem» Verhalten in Verbindung gebracht wird, fehlt. Gegen aussen wird nur wenig Struktur und Disziplin vorgeführt, stattdessen wird locker, aber ernsthaft gearbeitet. Der Umgangston ist freundlich, von Einschüchterung oder besonders hohem Druck ist nichts zu spüren. Niemand scheint grossen Wert auf hierarchische Strukturen zu legen. Im Ernstfall aber, das spürt man, würde vieles anders laufen. Wert gelegt wird auf die Grundlagen – herumbrüllen, so denkt man sich, kann man im Ernstfall dann immer noch. Die Anleitung der jungen Armeeoffiziere durch die jeden Tag im Einsatz stehende Kantonspolizei erscheint sinnvoll. Es können so beide Seiten voneinander profitieren: die Kantonspolizei stösst auf eigene Sicherheitslecks und Schwächen, das Militär nähert sich dem Ernstfall an. Vorenthalten oder verheimlicht wird mir bei meinem Besuch nichts. Stefan Hofer von der Armeekommunikation schaltet sich nur einmal ein: als ich wissen will, wie sich die Secondos in den Armeebetrieb einfügen, ob es da Unterschiede gebe. «Für uns gibt es nur eine Art von Soldat», sagt er, «da gibt es keine Unterschiede. Solche Fragen spielen nur für die Wissenschaft eine Rolle.»

Elitepartner mit Biss

Schutz- und Katastrophenhunde spielen als vierbeinige Gehilfen in der Milizarmee eine wichtige Rolle. Sie erhalten sogar mehr Sold als die Soldaten. Laura Clavadetscher

Fräschels, Kanton Freiburg: Zwei Soldaten in schwerer Montur ducken sich mit gezogener Waffe an die Aussenwand einer Lagerhalle. Vor ihnen eine Metalltür, an ihrer Seite ein hochalerter Schäferhund. Der vordere linst durch einen Spalt ins Halbdunkel des Gebäudes, ruft: «Useträte, odr i schicke dr Hung!» Niemand reagiert. Kaum von der Leine gelassen, prescht der Hund in die Halle, hinter ihm schliesst sich die Tür. Wird er den Flüchtigen stellen, der sich hier verschanzt? Als kurz darauf ein Bellen zu hören ist, wissen wir Zuschauer: das Manöver ist geglückt. Der den Ganoven mimende Wachtmeister steht zwischen allerlei Gerätschaft in einer Ecke, vom Schutzhund eifrig verbellt.

Es ist eine der Übungen, die der Hundeführerzug im Rahmen eines Wiederholungskurses heute durchführt, so tadellos jedoch gelingen sie nicht immer. Ein weiterer Vierbeiner wird in die Halle geschickt, wir lauschen gespannt. Kein Bellen diesmal. Als die Tür aufgeht, schiesst der junge Schäferhund mit wehender Zunge Richtung Trainingswiese. «Dort machen die Übungen besonders viel Spass», erklärt Kompaniekommandant Kim Schätti lachend. «Disziplin alleine funktioniert eben nicht im Umgang mit Hunden. Alle Fertigkeiten müssen spielerisch vermittelt werden. Wenn Hund und Hundeführer einander vertrauen, sind dafür auch spektakuläre Aktionen wie das gemeinsame Abseilen vom Helikopter aus kein Problem.»

Von den 96 zweibeinigen Mitgliedern des Schutzhundezugs sind 22 weiblich, dazu kommen 63 Hunde. Unter allen Schweizer Armeetruppen weisen die Hundeführer den höchsten Frauenanteil auf – das schliesst jene drei Gattungen mit ein, die ebenfalls mit Tieren arbeiten: Trains, deren Hauptaufgabe der Materialtransport per Pferd ist, Veterinäre und Hufschmiede. Die Schutzhunde werden als Unterstützung bei Bewachungs- oder Überwachungsaufgaben eingesetzt, während Katastrophenhunde, die bei den Armeehunden die zweite Gruppe bilden, bei der Suche nach verschütteten oder vermissten Personen assistieren. Rekruten, die sich für die Arbeit mit Hunden interessieren, müssen sich beim Eignungstest für eine der beiden Abteilungen entscheiden und beweisen, dass neben der Motivation auch die körperliche Fitness stimmt. Eine kurze Umfrage unter den Soldaten ergibt: ob Zimmermann, Studentin, Versicherungsmitarbeiter oder Sekundarlehrer, in beruflicher Hinsicht ist eine bunte Mischung zugegen. Manche Bewerber, so die für die Kommunikation zuständige Kirsten Hammerich, hätten falsche Vorstellungen davon, was der Dienst beinhalte. Der Schusswaffengebrauch gehört dazu, das Training wird ausserdem durchgehend in schwerer Schutzweste (von der Verfasserin getestet: sehr schwer) und Helm absolviert. Angenommen wird etwa ein Viertel der Kandidaten. Wer nur ein bisschen mit Tieren spielen will, wird enttäuscht.

Selektion der Hunde

Grosse Schnauze, viel dahinter: Wachtmeister Melanie Scheidegger mit Ginny, photographiert von Laura Clavadetscher.

Auch bei den vierbeinigen Kandidaten werden strenge Auswahlkriterien angelegt. Meist sind es ein- bis vierjährige Deutsche oder Belgische Schäferhunde, hin und wieder auch kleinere Formate. «Wir hatten auch schon einen richtigen kleinen Wischmopp», erinnert sich Kommandant Schätti lachend. Nicht zu schwer sollten die Hunde sein, damit ihre Betreuer sie notfalls hochheben können, und sehr arbeitswillig. Nach der Grundausbildung werden sie den Rekruten zugeteilt, nach Beendigung der Rekrutenschule für 2000 Franken an sie abgegeben – ein Schnäppchenpreis für einen ausgebildeten Schutzhund. Erst in der fünften Woche der Rekrutenschule begegnen sich Hund und Führer zum ersten Mal, von da an durchlaufen sie die anspruchsvolle Ausbildung gemeinsam. Der feierliche Moment benötigt einiges an Vorbereitung: Über jeden Rekruten und jeden Hund wird ein Dossier erstellt, das Eigenschaften und Eigenheiten auflistet, danach setzen sich die Verantwortlichen zusammen und formen möglichst harmonische Pärchen. «Nur zweimal in zehn Jahren hat es nicht gepasst», berichtet Hammerich stolz. Oft sei es Liebe auf den ersten Blick, manchmal flössen sogar Tränen, erzählen die anwesenden Soldaten und ihre Blicke werden weich. Die Abteilung Partnervermittlung scheint gute Arbeit zu leisten.

Nach der Rekrutenschule werden die Hunde in den Alltag ihres neuen Besitzers integriert und leben als ganz normale Familienhaustiere. Ihr Können halten sie durch 26 Trainingseinheiten pro Jahr frisch, normalerweise eine wöchentlich abends. Eingesetzt werden Schutzhunde zusammen mit ihren Führern am WEF, in Stadien oder Kongresszentren, dann sind sie zivilen Behörden unterstellt. Und wie reagieren die Tiere, wenn sie unvermittelt in aggressionsgeladene Situationen geraten? Die Einsätze würden von langer Hand geplant und trainiert, wird mir erklärt, das helfe. Trotzdem seien es manchmal natürlich Zeiten höchster Anspannung. Wenn die Hunde plötzlich von Feindseligkeit und Gewalt umgeben sind, brauchen sie danach eine Phase, in der Vertrauen und Kooperationswille sich neu einstellen können.

Beisswurst und Klapperstock

Neben ihrer Schnelligkeit und der ausgezeichneten Nase bieten Schutzhunde den Vorteil, ganz grundsätzlich, also ohne etwas dafür tun zu müssen, abschreckend zu wirken. Erst wenn doch einmal einer zubeisst, wird einem die Kraft und Agilität dieser hochintelligenten Arbeitstiere ganz bewusst. Zusammen mit dem Zugführer und zwei Kompaniekommandanten folge ich Wachtmeisterin Melanie Scheidegger, die ihre Schäferhündin Ginny zum Beiss­training auf die Wiese führt. Mir wird nun auch eines der attraktivsten Belohnungsmittel im Schutzhundetraining vorgestellt: die Beisswurst. Ein längliches Spielzeug aus Jute oder Leder, das den Jagd- und Spielinstinkt besonders weckt. Mit gespitzten Ohren geht Ginny neben der Wachtmeisterin her, befolgt ihre Anweisungen blitzschnell, dabei ununterbrochen voller Hingabe zu ihr hochblickend. Oder zur Beisswurst in Scheideggers Hand – das Objekt ihrer Anbetung lässt sich nicht eindeutig identifizieren. Dann endlich darf die Schäferhündin einen Trainer beissen, der in seiner Schutzausrüstung an ein knallgelbes Michelin-Männchen erinnert. Auf Scheideggers Kommando hin wirft sich Ginny ihm entgegen, umschliesst mit dem Kiefer den Ärmel der Schutzmontur, schüttelt ihn. Währenddessen scheint sie der Michelin-Mann mit einem gespaltenen Bambusstock anzustacheln. «Aus!», befiehlt die Wachtmeisterin, und augenblicklich setzt sich Ginny manierlich hin. Ein verblüffender Stimmungswechsel.

Dass ich die durchaus riskant wirkende Demonstration als Laie nicht richtig deute, realisiere ich erst im Gespräch mit dem Trainer.Mit dem sogenannten Klapperstock schlage oder provoziere er den Hund nicht, erklärt er etwas überrascht, er klopfe vielmehr auf die Stelle an seinem Körper, an der er ihn fassen soll. Für den Hund sei das alles nur ein Spiel. Um den Beweis anzutreten, geht er hinüber zur Hündin und streichelt dem Tier, das ihn eben noch aggressiv angefallen hat, liebevoll über den Kopf. Sie lässt es sich gerne gefallen.

Als ich auf dem Gelände umherspaziere, treffe ich auf Soldat Lukas Weber. Für den gelernten Forstwart ist es der erste Wiederholungskurs. Er, der Motorradfahrer werden wollte, aber keinen Führerschein hatte, liess sich durch eine Demonstration von der Hundeführerkompanie überzeugen. Es herrsche eine kollegiale Atmosphäre hier, als Soldaten hätten sie sogar ein Mitbestimmungsrecht hinsichtlich der Übungen. Dabei gelte stets: zuerst das Tier, dann der Mensch. Die Devise scheint sich, wie ich etwas belustigt bemerke, sogar bei der Besoldung durchzuschlagen: Soldaten erhalten 5 Franken täglich, Hunde 8, Pferde sogar 40. Vielleicht erklären die Leitprinzipien, nach denen hier gearbeitet wird, den angenehm humanen Umgangston in dieser Ecke des Militärs. Disziplin, spielerische Anreize und Vertrauen, so lernen Hunde am besten. So ist es bei Menschen ja auch.

Drogen, Abstürze und Erstangriffe

Die Schweizer Armee besteht nicht nur aus Miliz. Von den 3305 Einsatzkräften der Militär­polizei betreiben 571 ihr Engagement als Hauptberuf. Ein Besuch vor Ort. Lukas Rühli

HNO, EKG und AOK. LBS, WKD und IHK. UKW, NDW und Hubert K. BTM, BKA, haha haha. Ich komme mir ein bisschen vor wie im Lied von den Fantastischen Vier aus dem Jahr 1999, während mir Oberst «i Gst» Mark Haggenmüller als «Kdt Ei Kdo MP» in Kloten die Organisation und Aufgaben der Militärpolizei (MP) erklärt. Haggenmüller ist Oberst im Generalstab (i Gst) und Kommandant (Kdt) des Einsatzkommandos (Ei Kdo) der Militärpolizei. Obwohl er und Adjutant Unteroffizier Richard Strässler, Chef des Postens Kloten, sich darum bemühen, auf Abkürzungen zu verzichten, fällt es mir (als Militärdienstuntauglichem) stellenweise etwas schwer, der Präsentation zu folgen. Man merkt, da sind Profis am Werk, denen der Jargon in Fleisch und Blut übergegangen ist. Das ist kein Zufall: die Militärpolizei besteht zu gewissen Teilen aus Berufsformationen und unterscheidet sich damit vom Rest der Schweizer Armee, der weitestgehend nach dem Milizprinzip funktioniert. Leicht zu unterscheiden sind Miliz und Berufsmilitär bei der MP übrigens an der Uniform: Während die Miliz Tarnfarbenmuster trägt, ist das Tenue des Berufsmilitärs unifarben oliv.

Dass die Armee eine eigene Polizei braucht, wurde schon in der Armeeorganisation von 1907 bestimmt. Sie hat sicherheits-, verkehrs- und kriminalpolizeiliche Aufgaben zu bewältigen, soll die Armee vor Spionage, Sabotage etc. schützen und ist verantwortlich für alle Angehörigen der Armee. Diese unterstehen entsprechend auch einem eigenen Militärstrafgesetz und ihnen drohen bei dessen Verletzung militärstrafrechtliche Konsequenzen.

«Während die Miliz Tarnfarbenmuster trägt, ist das Tenue des Berufsmilitärs unifarben oliv.»

Neu kann die Militärpolizei im Auftrag eines Polizei- oder des Grenzwachtkorps auch bewaffnete Spontanhilfe leisten, beispielsweise bei einem ausserordentlichen Ereignis wie einem Banküberfall. Als 27. Polizeikorps will man sich allerdings nicht verstanden wissen, mit der Arbeit in der Armee habe man genug zu tun. Neben den genannten «originären» Aufgaben, die per Gesetz nur von der Militärpolizei erbracht werden dürfen, kommen weitere, «delegierte» Aufgaben dazu, wie z.B. der Schutz kritischer Infrastrukturen der Armee (z.B. Logistikzentren der Armee, Militärflugplätze, Verwaltungsstandorte) und – oft in Kooperation mit und immer im Auftrag der zivilen Behörden – der Schutz von Personen und Veranstaltungen, wie z.B. am WEF in Davos. Zudem wird auch im Kosovo, wo im Rahmen der KFOR-Mission die Swisscoy-Truppen stationiert sind, Polizeiarbeit geleistet. Darüber hinaus werden Militärpolizisten als Sky Marshals (im Auftrag des Bundessicherheitsdienstes) und in Bern, Zürich und Genf noch bis Ende 2019 zum Schutz von Botschaften eingesetzt.

Haggenmüller erzählt nicht ohne Stolz von der hohen Bedeutung, die sich die Militärpolizeiformationen über die Zeit erarbeitet hätten. Sie seien gut ausgebildet, sehr polyvalent einsetzbar und die Rekrutierungsanforderungen seien hoch. Und das nicht ohne Grund: in der Armee müsse man auf Konflikte vorbereitet sei, die eine Eskalationsstufe höher lägen als im zivilen Leben. Eigentlich logisch: die möglichen Missetäter sind ausgebildet an verschiedensten Waffen und haben Zugriff auf Magazine inkl. Waffen und Munition. Die Auswirkungen «zielgerichteter Gewalt» sind damit potentiell schwerwiegender. Wie eine Amokfahrt mit einem Panzer aussehen könnte, will man sich gar nicht erst ausmalen (so unwahrscheinlich das Szenario auch sein mag). Die Kraftstoffreichweite eines Leopards liege bei 600 km, am Hinterrhein oben stünde davon ein Dutzend, bewaffnet, fahrbereit, das Munitionsmagazin nebenan. Auf solche Situationen müsse die Militärpolizei vorbereitet sein. Passiert sei bisher noch nie etwas. Drohungen gebe es immer mal wieder, aber bisher keine Eskalation. Und das, obwohl die Schweiz einem Experten der Zürcher Kantonspolizei zufolge rein statistisch – auf die Bevölkerungszahl der Schweiz bezogen – jährlich eine bis zwei (Eskalationen) «zugute hätte». Dass das nicht passiert, ist natürlich nicht nur das Verdienst der Militärpolizei. Wichtig ist die Früherkennung von Risikopersonen. Hier ist ein gutes Sensorium der Milizkader, also der Vorgesetzten der Rekruten und Soldaten, gefragt. Gut und vielseitig ausgebildete Milizkader seien darum ein Hauptpfeiler der modernen Schweizer Armee.

Wie die zivile Polizei hat auch die Militärpolizei eine Notrufnummer. Was sind denn so die typischen Einsätze, zu denen sie gerufen wird? Haggenmüller antwortet entschlossen: «Das sind grundsätzlich dieselben Vorfälle wie in einem kantonalen Polizeikorps. Die Gesellschaft spiegelt sich in der Armee. Was wir behandeln, reicht vom Verkehrsunfall über sexuelle Übertretungen bis zu Betäubungsmittelkonsum und Körperverletzungen. Alles, was im Zivilen passiert, kann auch bei uns passieren.» Dazu kämen auch noch ungewollte Schussabgaben. Einzig mit Prostitution, Ausländerrecht und häuslicher Gewalt habe man nichts zu tun und auch Ordnungsdiensteinsätze mache man in der normalen Lage keine.

Apropos Betäubungsmittelkonsum: für solche Vergehen ist man gut ausgerüstet. Die Militärpolizei setzt Drogenspürhunde ein, in den Dienstwagen werden verschiedene Testutensilien mitgeführt. Ein Militärpolizist präsentiert mir auf einem Tisch enttarnte Drogenverstecke: ein ausgehöhlter Edding-Text-Marker, eine Red-Bull-Dose mit doppeltem Boden, ein unauffälliger Vaporizer zur Inhalation von Kräutern, insbesondere Hanf. Auch eine Art Mini-Bat’leth-Schwert (Leser, denen der Klingone Worf aus «Star Trek» nicht bekannt ist: bitte googeln) liegt auf dem Tisch mit den konfiszierten Gegenständen.

Die grössten Einsätze der letzten Jahre hatten aber wenig mit Drogen oder ausgefallenen Stichwaffen zu tun. Sie betrafen allesamt Flugzeug- und Helikopterabstürze. Ob Schreckhorn (12. September 2017), Gotthard (28. September 2016) oder Susten (29. August 2016), die Militärpolizei ist immer schnell zugegen, inspiziert den Unfallort, koordiniert alle Arbeiten an der Unfallstelle, sichert Spuren und leitet – begleitet vom Untersuchungsrichter – die Unfallrecherchen ein. Einen ersichtlichen Grund für die unglückselige Häufung von Abstürzen in den letzten Jahren – drei F/A-18, zwei Super Puma, eine PC-7, nachdem zuvor zehn Jahre lang kein einziger Absturz zu verzeichnen war – konnte übrigens nicht festgestellt werden. Bislang fand man keine Hinweise auf technische Defekte, einige der Abstürze konnten eindeutig auf Pilotenfehler zurückgeführt werden.

Die Zusammenarbeit mit den kantonalen Polizeikorps läuft in solchen und auch bei kleineren (Verkehrs-)Unfällen problemlos. Wer auch immer zuerst an einer Unfallstelle sei, führe den Erstangriff durch, bis dann die verantwortliche Einheit übernehme, erklärt mir Haggenmüller. Ich frage mich für den Bruchteil einer Sekunde, warum denn jetzt noch ein Angriff erfolgen muss, wo doch ohnehin schon ein Unfall passiert ist, merke dann aber, dass da wieder Jargon im Spiel ist: Als «Erstangriff» wird schlicht der Einsatz des Zuersteintreffenden bezeichnet.

«Der Entkalker fürs Hirn:
Nicht links, nicht rechts –
einfach intelligent!»
Dominik Imseng,
Managing Partner bei smartcut consulting,
über den «Schweizer Monat»