Antreten!

Die Redaktion auf Besuch bei der Armee. 

Antreten!
1960 wie heute: Junge Männer treten ihren ersten Tag in der Rekrutenschule an. Bild: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / photographiert von Heinz Baumann / Com_L09-0148-0002-0005 / CC BY-SA 4.0.

Zum in die Luft fliegen

Flugbegeisterte Miliz- und Berufssoldaten arbeiten auf dem Militärflugplatz in Payerne eng zusammen. Am ehesten trennt sie noch die Sprache. Alicia Romero

Hoch über unseren Köpfen hängt ein Mann am Seil. Es ist befestigt an einem in der Luft kreisenden Super Puma, einem dunkelgrünen Transporthelikopter der Schweizer Luftwaffe. Mit seinen Knien stabilisiert der Mann eine leblose Person, die in einem Netz liegt. Erst auf den zweiten Blick erkenne ich: es ist kein Verletzter, nur eine Puppe. Doch es könnte auch ein Mensch aus Fleisch und Blut sein, denn genau so läuft es ab bei einer richtigen Rettungsaktion. Wie wendig die massige Maschine ist, erstaunt. Die beiden werden behutsam abgesetzt, und gekonnt bringt der Pilot auch den Helikopter wieder auf den Boden zurück.

Es ist Samstagmorgen, 11 Uhr, und die Sonne strahlt über der Hauptbasis der Schweizer Luftwaffe, dem Militärflugplatz Payerne. Der Einladung zum Tag der offenen Tür sind mehr als 5000 Personen gefolgt, auch ich: «Invité» steht auf einem Stück Papier, das ich einem freundlichen Soldaten entgegenhalte, weil ich auf dem riesigen Gelände die Orientierung verloren habe. Um den Flugbetrieb und die Wartung der Maschinen und Systeme zu gewährleisten, sind hier das ganze Jahr über mehr als 230 Personen beschäftigt. Zu ihren wichtigsten Aufgaben gehört die Wahrung der Lufthoheit mit Hilfe des Luftpolizeidienstes. 2017 verzeichnete Payerne 36 Hot Missions: Luftpolizeieinsätze, die aufgrund von Verletzungen der Lufthoheit oder der Luftverkehrsregeln geflogen werden. Hinzu kamen 292 luftpolizeiliche Kontrollen des Luftraumes, sogenannte Live Missions. Weiter zuständig ist die Luftwaffe für Lufttransporte. Die Luftwaffe erbringt auch Leistungen für zivile Partner: zum Beispiel Überwachungs- und Personensuchflüge mit Helikoptern zugunsten der Polizei oder Löschflüge bei Waldbränden zugunsten der Feuerwehren.

Ein Hoch auf die Miliz

Mir wird «le chef» vorgestellt, ein Mann mit Charisma und leichtem französischem Akzent, Oberst i Gst Benoît Studemann, der Kommandant des Flugplatzes. Der gelernte Ingenieur ist kein Berufsmilitär, sondern ein begeisterter Luftwaffenangestellter und Milizsoldat, der seit zwanzig Jahren mit voller Überzeugung bei der Luftwaffe ist. Sein Umgang mit den Soldaten ist locker und freundschaftlich, auch ein Witz zwischendurch muss sein. Vom Milizprinzip schwärmt er. Die Leute, die zur Luftwaffe kämen, seien wunderbar einsetzbar, da sie alle schon eine Grundausbildung oder Lehre durchlaufen hätten. «Man kann sie sehr schnell auf die Flugzeuge und Systeme hin ausbilden», lobt Studemann die momentan in Payerne einen WK absolvierenden Soldaten, rund 500 sind es. Noch gestern haben sie bis spät in die Nacht den heutigen Tag vorbereitet. «Aber überzeugen Sie sich selbst, ob das Milizsystem funktioniert. Fragen Sie zum Beispiel ihn hier.» Studemann zeigt auf einen Mann in Uniform. Es ist Major Philipp Imhof und zu meinem Glück ein Deutschschweizer.

Für Imhof liegt die Stärke des Milizprinzips darin, dass die Leute das Zivile ins Militär mitbringen. «Erst vor kurzem ist mein Fahrzeug vor der Heimreise nicht mehr angesprungen, da haben sie mir den Automech geschickt», lacht er. «Und beim Kompanieessen brät der Metzger dann das Wildschwein am Spiess.» Leute aus allen Berufen dabei zu haben sei ein enormer Mehrwert. Und die Akademiker? Ja, auch die seien zu finden, bestätigt Imhof. Zwar handle es sich zumeist um Leute mit technischem Hintergrund, aber nicht nur. Imhof deutet auf einen anderen Milizoffizier, einen Anwalt.

In den Cockpits der F/A-18 Hornet befinden sich ausschliesslich Berufspiloten. Kampfjets ab dieser Generation sind technisch sehr komplex, so dass sie nicht mehr durch Milizpiloten beherrscht werden können. Umso wichtiger, dass die Zusammenarbeit zwischen den Profis und der Miliz funktioniert. Laut Imhof bestehen da keine Pro­bleme, im Gegenteil, es herrsche gegenseitiges grosses Vertrauen.…