Anmassende Sachpolitik

Kollektivismus ist auch theoretisch ein Fehler.

 

In der Besetzung des Felds der Moral ist die Linke hervorragend. Mit dem Argument, es gehe um Gerechtigkeit und Solidarität, ja um Menschen, wird das linke Argument gleichsam aus den Tiefen der Politik in die hehre Sphäre des gemeinhin Guten gehoben. Wer diese Meinung nicht teilt, ist letztlich ein unanständiger Mensch. Leider tappen die Bürgerlichen oft in diese Falle und meinen, ihr Einstehen für Freiheit und Selbstverantwortung sogleich relativieren zu müssen: Zwar bringe der Markt, wie sich weiland zeige, die besseren Resultate, aber selbstverständlich seien die Armen davor zu schützen. Zwar habe der Sozialismus bisher in jeder Ausprägung versagt, aber natürlich sei er theoretisch eine gute Sache. Das ist falsch. Man kann, ja muss den Linken auch moralpolitisch auf Augenhöhe begegnen: Gerade die Armen und Schwachen sind nach liberaler Überzeugung darauf angewiesen, dass ihre Individualität geschützt wird. Der Kollektivismus bleibt auch theoretisch ein Fehler.

Um diese Debatten zu meiden, sucht gerade die sogenannte bürgerliche Mitte oft Rettung im Schlagwort «Sachpolitik». Das klingt zunächst gut: Wer wünschte sich nicht «sachliche» Politiker, die «richtige» Lösungen präsentieren? In der Tat ist es manchmal bemühend, wenn die eine Seite etwas ablehnt, nur weil es von den anderen kommt. Konsequent zu Ende gedacht aber übertrifft die Überheblichkeit der «Sachpolitiker» die der moralischen Linken klar. Denn stempeln letztere die anderen zu bösen Menschen, bleiben sie dabei diskursiv auf dem Spielfeld der ideellen Auseinandersetzung. Nimmt jemand jedoch für sich in Anspruch, ganz objektive Sachpolitik zu betreiben, entrückt er sich kategorisch allen anderen, die subjektiv im Parteiischen verharren. So macht sich dieser nicht nur zum einzigen Guten, sondern auch zum einzigen Richtigen. «Sachpolitik» ist also nicht einfach nur «vernünftig», sondern vor allem anmassend.

«MONAT für MONAT
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Heinz Zimmermann, Professor für Finanzmarktökonomie,
über den «Schweizer Monat»