Anlegen im sicheren Hafen

Weder Gold noch Bitcoin wird man je brauchen, um einen Kaffee zu bezahlen. Das macht aber nichts. Sie haben wichtigere Funktionen.

Anlegen im sicheren Hafen
Demelza Hays, zvg.

Haben Sie sich schon einmal gefragt, wo Sie heute mit Bitcoin Ihren Kaffee bezahlen können? Vermutlich sind Sie etwas enttäuscht, wenn Sie genau deshalb Bitcoins gekauft haben.

Denn hohe Transaktionskosten und die begrenzte Zahl an Bitcoins führen dazu, dass Bitcoin wahrscheinlich nie eine ernsthafte Konkurrenz für Bezahlanbieter wie Visa, PayPal oder Western Union werden wird. Bitcoin wird stattdessen aber zur Konkurrenz globaler Reserveanlagen werden, welche als Wertanlage über die Zeit gelten, wie z.B. Gold, Kunst, Edelsteine und Immobilien. Doch wo können Sie sich mit einem Goldstück einen Kaffee kaufen? Eben. Eine durchschnittliche Person wünscht sich schlicht eine relativ risikofreie Anlageklasse, in welcher sie ihr Erspartes anlegen kann. 

Uns steht ein Paradigmenwechsel in der Geldanlage bevor

Allerdings funktionieren die traditionellen Sparmethoden nicht mehr. Historisch gesehen haben Haushalte, die den Luxus hatten, am Ende des Monats noch Einkommen übrig zu haben, Gold, gold-besicherte Banknoten (Bargeld) oder Staatsanleihen gekauft. Doch seit der Zeit unserer Grosseltern hat sich der Markt stark verändert. Erstens haben verschuldete Staaten damit begonnen, den Besitz von Gold in privaten Haushalten durch Kapitalkontrollen zu limitieren. Die Zeit in den USA zwischen 1933 und 1974, in welcher privater Goldbesitz gesetzlich verboten war, gilt dabei als prominentes Beispiel. Zweitens haben Staaten Kapitalertragssteuern sowie Verkaufssteuern auf Edelmetalle erhoben, um die Investorenpräferenzen auf Fiat-Geld zu lenken. Die Einführung von Kapitalkontrollen in Kombination mit neuen Technologien, wie dem Metalldetektor in den 1920er Jahren, ermöglichte eine strikte Umsetzung der Gesetze. Dies führte dazu, dass Gold als mobile Anlage, mit der man einfach und schnell in weniger res­triktive Gebiete fliehen konnte, ausgedient hatte.

«Bitcoin schaffte in nur zwei Jahren einen Wertzuwachs, für den Gold über 40 Jahre gebraucht hatte. Und Bitcoin vollführte dieses Kunststück fünfmal in einer Dekade.»

Zusätzlich zu Gold lagerten Haushalte typischerweise Geld unter der Matratze. Doch als im 20. Jahrhundert Staaten damit begannen, ungedeckte Banknoten herauszugeben, waren diese schlagartig nicht mehr dazu verpflichtet, für die Herausgabe von Geldscheinen eine seltene Ressource auf dem Markt zu kaufen. Kluge Haushalte von heute haben erkannt, dass sie nicht mehr Geld in bar halten sollten als für die nächsten sechs Monate. Ausserdem sind sie sich bewusst, dass Staatsanleihen unter Berücksichtigung der Inflation keine positiven Erträge mehr generieren. 

Hinzu kommt: Wenn neues Geld gedruckt wird, profitieren Institutionen, die dieses dann auch als erstes ausgeben. Dies sind z.B. Staaten und Banken. Denn diese nutzen das tiefere Preislevel, das dadurch entsteht, dass vor deren Geldausgabe noch weniger Geld im Umlauf ist (sogenannter «Cantillon-Effekt»). Dadurch wird Geld an die Institutionen umverteilt, die dieses drucken. Weniger privilegierte Mitglieder der Gesellschaft, wie z.B. Arbeitslose und Ältere, die kaum monatliches Einkommen haben, sehen das frisch gedruckte Geld nie und werden durch jeden neugedruckten Geldschein etwas ärmer. In einer Debatte am «Europäischen Forum Alpbach» mit dem früheren Chef der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, gab dieser zu, dass es sich dabei um eine ungewollte Konsequenz des Gelddruckens handle. 

Der Weg aus der Geldknechtschaft

Obwohl niemand den Finger auf die Zentralbank richtet, sind die Proteste in den USA, dem Vereinigten Königreich und in Paris direkt auf die steigende Einkommensungleichheit zurückzuführen, die durch die Inflation und den Cantillon-Effekt ausgelöst wird. Alles, was wir wollen, sind Möglichkeiten, Geld für schlechtere Zeiten zu sparen, in gute Ideen zu investieren, unser eigenes Geschäft aufzubauen und uns um die Familie und die Gesellschaft zu kümmern. 

Die globalen Zinssätze sinken als Antwort auf den kontinuierlichen Gelddruck der grössten Wirtschaft der Welt. Seit die USA den Goldstandard 1971 aufgehoben haben, hat Gold einen Wertzuwachs von $ 44 pro Unze auf $ 1509, oder anders ausgedrückt von 3300 Prozent, erlebt. Und dennoch können Zinssätze nicht für immer fallen. Sinken die…

«Jeden Monat frische Denküberraschungen! Eine gehaltvolle und elegant gestaltete Zeitschrift.»
Francis Cheneval, Professor für politische Philosophie,
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