Alternative: Zusammenspannen?

Die gezielte Zusammenarbeit zwischen öffentlich und privat kann beiden Seiten nützen. In der Medienbranche bedrohen solche Public-Private-Partnerships (PPP) aber auch die Angebotsvielfalt und die Unabhängigkeit der Redaktionen. Welche Vorbehalte und Probleme gibt es? Und wie sind sie zu lösen?

Sowohl für öffentliche als auch für private Medienunternehmen sind die rosigen Zeiten vorbei. Traditionelle Geschäftsmodelle sind längst nicht mehr ertragreich, und der Kampf um die Aufmerksamkeit der Nutzer ist härter denn je. Im Rahmen der Werbeallianz Admeira spannen die SRG, Swisscom und Ringier zusammen, um Internetgiganten Werbegelder streitig zu machen. «Gemeinsam statt einsam» – ein solches Motto würde sich auch in anderen Bereichen anbieten, so würde man zumindest meinen. Aus medienethischen Gründen sind Kooperationen in dieser Branche allerdings nicht unproblematisch. Eine aktuelle Studie1 zeigt jedoch, dass es am Willen und an Ideen nicht fehlt.

Für öffentlichrechtliche Anbieter wie die SRG liegen in einer Zeit, die nicht zuletzt geprägt ist durch ein digitales Überangebot, die Vorteile von Public-Private-Partnerships auf der Hand: sie können ihre Reichweite ausbauen und ihr hohes Gebührenaufkommen besser legitimieren. Die Partnerschaften sind aber natürlich nur dann erfolgversprechend, wenn beide Seiten davon profitieren – also auch die Privaten.

Befragt man Praktiker von Zeitungen, Radio und Fernsehen2 und Medienexperten aus dem In- und Ausland3, darunter Chefredaktoren, Medienjournalisten und Wissenschafter, zu den Chancen von Public-Private-Partnerships in der Medienbranche, könnte man, geprägt von regelmässigen Grabenkämpfen, widersprechende Antworten erwarten. Überraschenderweise besteht aber unter den Befragten weitgehende Einigkeit in zentraler Hinsicht: die Medienbranche, so glauben sie, würde generell von mehr PPPs profitieren. Die befragten Medienexperten betonen aber gleichzeitig, dass die Vielfalt und die Unabhängigkeit der Medien bedroht werden könnten. Ausserdem geben sie zu bedenken, dass solche Partnerschaften auch Auswirkungen auf Dritte haben werden, die vor allem öffentliche Akteure wie die SRG zu berücksichtigen haben. So benachteiligen Kooperationen immer jene, die nicht an der Zusammenarbeit beteiligt sind – wie sich das auch bei Admeira abzeichnet.

 

Infrastrukturpartnerschaften: Ja!

Berücksichtigt man die Bedenken der Medienexperten hinsichtlich Vielfalt und Unabhängigkeit, können PPPs im Medienbereich bei der Bereitstellung der Infrastruktur (Ausbildung, Material, Arbeitsplätze etc.) und im Bereich der Verbreitung (Teilen von Verbreitungskanälen) sinnvoll in Angriff genommen werden. Eine Zusammenarbeit bei der Bereitstellung und der gemeinsamen Nutzung von Infrastruktur wird dabei unter den Befragten generell bevorzugt – dies vor allem, weil damit die inhaltliche Unabhängigkeit der einzelnen Medienhäuser gewährleistet bliebe, die Kosten aber potentiell gesenkt werden könnten. In dieselbe Richtung geht heute bereits der Vorschlag von SRG-Generaldirektor Roger de Weck, in den Bereichen DAB+ oder HbbTV enger zusammenzuarbeiten.

Für unbedenklich halten die Interviewten auch gemeinsame Projekte in der Media- und Medienforschung. Aus- und Weiterbildung sollen verstärkt gemeinsam erfolgen – das ist erfahrungsgemäss nicht nur mit Blick auf die Kosten vorteilhaft, da die Beteiligten dann über die Grenzen ihrer Medienhäuser hinweg voneinander lernen.

Mehrere Gesprächspartner forderten ausserdem, die PPP auch auf Admeira auszuweiten. Meint: diese für weitere, gleichberechtige Partner zu öffnen – doch dieses Angebot hätte einen entscheidenden Haken: Je mehr Verlage umschwenkten und sich beteiligten, desto wahrscheinlicher entstünde ein Kartell, das die Wettbewerbshüter auf den Plan riefe. Anderswo – also nicht in der ohnehin hochkartellisierten Schweiz – wären diese längst tätig geworden.

 

Inhaltspartnerschaften: Jein!

Videos werden aktuell für Online-Newssites immer wichtiger, sie sind aber – bei entsprechender Qualität – teuer in der Herstellung. Warum, so könnte die Idee eines privaten Medienhauses lauten, also nicht mit einem grossen Videoproduzenten wie der SRG zusammenarbeiten? In einem solchen Fall sprechen wir von «Content Sharing», was bei den Befragten Medienmachern und teilweise auch den -experten ebenfalls auf Anklang stiess – aber nicht nur. Was genau ist in diesem «Content Sharing»-Modell vorgesehen?

Ein Vorschlag wäre eine BtoB-Plattform, von der aus private Medienunternehmen SRG-Bewegtbildinhalte weiterverwerten können. Was auf den ersten Blick nach einer Win-win-Situation klingt, wirft auf den zweiten nebst den erwähnten medienethischen Bedenken weitere Fragen auf: Wer hat auf welche Inhalte zu welchem Zeitpunkt Zugriff? Was kostet ein solcher Zugriff – wenn…