Stefan Kreutzberger hat u.a. den Bestseller «Die Essensvernichter» geschrieben. Bild: Kiepenheuer & Witsch

Alles für die Tonne

Weltweit wird rund ein Drittel aller produzierten Lebensmittel weggeworfen. Was die Ernährungswirtschaft dagegen tut – und warum sich das auch finanziell lohnt.

 

Während fast jeder siebte Mensch an chronischem Hunger leidet und zwei Milliarden, hauptsächlich Kinder, an entwicklungshemmendem Nährstoffmangel, werfen die Industrieländer täglich ein Drittel ihrer aufwendig produzierten Lebensmittel in den Müll. Sie verfüttern sie an Tiere oder verbrennen und vergasen sie, um wenigstens noch Strom daraus zu erzeugen. Weltweit gehen so jährlich über 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel und die hierfür eingesetzten Ressourcen verloren: in armen Ländern vor allem bei der Ernte, dem Transport und der Lagerung, in reichen Ländern verstärkt am Ende der Wertschöpfungskette bei Grossverbrauchern und Privathaushalten. Dies ist nicht nur aus ethischer, sozialer und ökologischer Perspektive unhaltbar, sondern auch ökonomisch unsinnig.

Bis zum Jahr 2030 soll diese Lebensmittelverschwendung nach Beschluss der Vereinten Nationen und der EU um die Hälfte heruntergefahren werden – als ohne weiteres vermeidbar gelten sogar zwei Drittel. Doch Beschlüsse allein reichen nicht aus. Die Zeit drängt, aber es fehlt neben einer wissenschaftlichen Bestandsaufnahme an umfassenden und wirkungsvollen Konzepten. Was tun? Die Politik hatte bisher hauptsächlich den Endverbraucher im Fokus, doch in Deutschland verteilen sich die jährlich 18 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle zu über 60 Prozent auf die Wertschöpfungskette vom Produzenten über den Handel bis hin zu Grossverbrauchern, wie Kantinen und Gastronomie. Ob freiwillige Selbstverpflichtungen der Wirtschaft ohne klare Datenerfassung, Transparenz und Kontrollen für eine echte Trendwende ausreichen?

Verluste sind ja bereits eingepreist, im Endeffekt bezahlt hauptsächlich der Konsument für die Verschwendung. Einige Unternehmen gehen aber mit gutem Beispiel voran und zeigen, dass sich Wirtschaftlichkeit und konsequentes Vermeiden von Food Waste nicht ausschliessen – im Gegenteil.

Gastronomie: Weniger is(s)t mehr

Gerade in der «gutdeutschen» – und wohl auch der «gutschweizerischen» – Küche wird in Restaurants deutlich zu viel auf den Teller gepackt: Man erwartet «ordentliche» Portionen, tellergrosse Schnitzel, oberarmdicke Haxen und pralle Riesen-Cordons-bleus, dazu reichlich sättigende Beilagen. Die Folge: In der Gastronomie wandert locker ein Drittel der zubereiteten Speisen anschliessend in die Tonne.

Das Münchner Traditionslokal «Schneider Bräuhaus» – betrieben von der gleichnamigen Weissbierbrauerei – wollte das nicht länger mitmachen. 2009 sagte man der Völlerei den Kampf an: Die einzelnen Haxen-Portionen wurden bis zur Hälfte reduziert und einige Beilagen vom Hauptgericht getrennt: Die Salatbeilage landete viel zu oft kaum angerührt im Müll, nun gibt es sie immer noch gratis, aber nur auf Bestellung dazu. Die Küchenproduktion wurde darüber hinaus mit wissenschaftlicher Begleitung auf neue Rezepturen und bewusste Resteverwertung umgestellt und die Mitarbeiter auf die Vermeidung von Lebensmittelabfällen trainiert. Der Effekt: Die Preise für den Gast sinken,…

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Heinz Zimmermann, Professor für Finanzmarktökonomie,
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