Schweizer Monat
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Von Michael Wiederstein
«Die düstere Bewertung des Zustands unserer Welt ist falsch. Und zwar nicht nur ein wenig falsch, sondern falsch, falsch, die-Erde-ist-eine-Scheibe-falsch, es-könnte-nicht-falscher-sein-falsch.» Steven Pinker: «Enlightenment Now»1
«Wie kannst du nur ein Kind in diese Welt setzen?» Die Frage meines langjährigen Kollegen traf mich unvorbereitet. Und er legte gleich nach: Das grenze doch an Unverantwortlichkeit. Überall würden Freiheiten... » Mehr
Von Redaktion
Politische Korrektheit
Ein Gedicht an einer Hochschulfassade in Berlin wird als «sexistisch» wahrgenommen und übermalt. Eine Diskussionsveranstaltung im Theaterhaus Gessnerallee wird abgesagt, weil sie der «neuen Rechten eine Plattform geboten» hätte. Und jetzt, gerade in diesem Moment, schreibt uns ein Abonnent, dass er sich vom satirischen Cartoon in unserer letzten Ausgabe «verletzt» fühle. Drei völlig unterschiedliche Fälle. Und... » Mehr
Ein Essay.
Von Sibylle Lewitscharoff

Sibylle Lewitscharoff, photographiert von Annick Ramp / NZZ.

Ja, ja und nochmals ja, es ist ein Segen, dass Frauen inzwischen in grosser Zahl in gesellschaftlich anerkannte Berufe vordringen; es ist ein ebensolcher Segen, dass sich Homosexuelle frei zu ihrer Liebe bekennen dürfen, ohne dafür gesellschaftliche Nachteile befürchten zu müssen. Dass die seit Jahrzehnten erhobene Forderung «Gleicher Lohn für gleiche Arbeit» noch immer nicht flächendeckend durchgesetzt werden konnte, ist hingegen ein Skandal. Dass...
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Viele Auswüchse des Gutgemeinten mögen auf den ersten Blick erheiternd sein. Am Schluss geht es aber um Freiheit und Diskussionskultur.
Von Claudia Wirz

Claudia Wirz, photographiert von Thomas Burla.

Eine Reise ins Reich der politischen Korrektheit ist ein bisschen wie ein Tauchgang im Roten Meer. Wohin man nur blickt, herrscht ein buntes und üppiges Treiben, eine blühende und wimmelnde Artenvielfalt – nur eben leider nicht von allerlei Fischen und Korallen, sondern von Tabus und Denkverboten. Im Unterschied zu all dem Meeresgetier ist die politische Korrektheit leider auch alles andere als bedroht. Sie steht in voller Pracht. Sie ist ausserdem ein steter Quell der...
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Die Debatten über politische Korrektheit haben groteske Züge angenommen: Der Begriff ist allgegenwärtig, seine Bedeutung aber völlig unklar. Eine Richtigstellung.
Von Jörg Scheller

Jörg Scheller, photographiert von Annick Ramp / NZZ.

«Politische Korrektheit» ist zu einem ideologischen Kampfbegriff geworden. Als rhetorische Keule dient er vornehmlich dazu, rationale Diskurse und sachliche Auseinandersetzungen zu umgehen. Passt etwas nicht ins eigene Weltbild, fühlt sich etwas nicht richtig an, bereitet etwas gar Verständnisschwierigkeiten, ruft man empört: «Das ist doch wieder nur der Tugendterror der politischen Korrektheit!» Die Diskussion ist damit oft beendet, denn die...
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Der verbissene Kampf, der aktuell in den sozialen Netzwerken ausgetragen wird, ist der Debatte über gesellschaftliche Normen und ihre Veränderung nicht zuträglich.
Von Michel Rudin

Michel Rudin, zvg.

Ein jeder von uns musste als Kind mühsam erlernen, nach welchen Regeln unser Zusammenleben mit anderen stattfindet. Wir erlernen Anreden und Umgangsformen, Bräuche, Rituale, Sprachen und Sprachnuancen, wir lernen zu unterscheiden, zu argumentieren, wir lernen bestenfalls sogar Humor. Und auch wenn dieser Prozess nie abgeschlossen ist, so gibt es doch viele Regeln, an die sich die meisten von uns einfach halten. Als banales Beispiel sei hier etwa das Händeschütteln in der...
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Res Publica
Von Nadine Jürgensen
Ein Schlag ins Gesicht jeder Frau», «Verzögerungstaktik» nach 37 Jahren, die «Frauen ohne Lobby» im Bundeshaus: die Schlagzeilen zum ständerätlichen Entscheid waren erbost und empört. Was war geschehen? Der Ständerat hatte die Vorlage zur Revision des Gleichstellungsgesetzes an die vorberatende Kommission zurückgewiesen. Auch der neue Vorschlag von Bundesrätin Simonetta Sommaruga, statt der kritisierten «Lohnpolizei»... » Mehr
Freie Sicht
Von Christian P. Hoffmann
Nun also doch. Nachdem die grosse Steuerreform in manch bürgerlichen Kreisen hatte Hoffnungen aufkeimen lassen, der notorisch wankelmütige und undurchschaubare US-Präsident könne zu einer vernunftorientierten Politik verleitet werden, entschied Donald Trump kurzerhand: Importzölle für Stahl und Aluminium müssen her. Er habe schliesslich amerikanischen Industriearbeitern seinen Schutz versprochen, und überhaupt: die günstigen Importe aus Asien und... » Mehr
Während des Schlafs reorganisiert und bildet sich das Gedächtnis. Wer ausreichend und gut schläft, fördert damit nicht nur die Gedächtnisbildung, sondern erhöht auch die kognitive Leistungsfähigkeit.
Von Jan Born

Schlafend lernen? Ob Vokabeln, Texte oder Jonglierfertigkeiten – wir können uns Gelerntes auch längerfristig besser merken, wenn wir nach dem Lernen schlafen. Bild: SBB-Nachtzug Zürich – Genf, ETH-Bibliothek Zürich, Comet Photo AG (Zürich) / Com_M01-0074-0001 / CC BY-SA 4.0.

Dass guter Schlaf mit besseren kognitiven Leistungen einschliesslich Gedächtnisleistungen einhergeht, ist eine Volksweisheit, die zu mitunter eigentümlichen Ratschlägen führte, wie zum Beispiel, das Lehrbuch vor Prüfungen unter das Kopfkissen zu legen. Wissenschaftlich betrachtet führt die Frage «Bildet Schlaf Gedächtnis?» unweigerlich zu den letztlich philosophisch verwurzelten, grundlegenden Fragen der Psychologie, nämlich denen nach dem...
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Der Innovationsbegriff ist am Ende. Zeit für einen besseren!
Von Wolf Lotter

Leben wie ein Fabrikarbeiter: auch heute noch organisieren sich viele Menschen im Kollektiv und halten sich an Routinen und Normen aus Zeiten der Industriegesellschaft. Was aber die digitale Wissensgesellschaft statt geballter Arbeitskraft braucht, ist Einfallsreichtum. Bild: Montageraum für Rundfunkempfänger, ETH-Bibliothek Zürich, Unbekannt / Ans_05433-038-AL-FL / Public Domain Mark.

Wer heute nicht innovativ ist, dem geht es schlecht – so schlecht, dass man sich fragen muss, ob ihm überhaupt noch zu helfen ist. In Zeiten, in denen viele Manager und Politiker, Medienleute und Soziologen vor lauter «Digitalisierung» und damit zusammenhängender, herausposaunter «Innovation» kaum noch laufen können, stellt niemand mehr die eigentlich wichtige Frage: Reden diese Leute tatsächlich von Innovation? Also von Erneuerung?
Nein, sie...
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Die Libertären haben recht: Kern der liberalen Idee ist das anarchistisch inspirierte Konzept einer freiheitlichen Ordnung des Gemeinwesens. Steuern und Zwangsabgaben gehören aus moralphilosophischen Gründen nicht dazu.
Von Werner Kieser

Werner Kieser, zvg.

Eine düstere Kneipe, Zigarrenrauch, laute Diskussionen bei Wein und Bier. Es geht um Gott, den Staat, Steuern und Zensur. Alle will man abschaffen. Aktionen werden geplant, Ideologien entwickelt und zerrissen, Utopien verkündet und diskutiert. Wo befinden wir uns? In der Stammbeiz der «Libertären», die im Vorfeld der No-Billag-Initiative medial zur «Gefahr»1 für die Schweiz hochgeschrieben wurden?
Nein, aber bei ihren geistigen Vorvätern, ohne...
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Von Niko Stoifberg, Christina Baeriswyl
Wir wollen in die Zukunft investieren. Haben Sie Erfahrung in dem Bereich?...
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Zahl des Monats
Von Alexander Fink
42,5 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer leben in Haushalten, deren Wohnungen sie ihr Eigen nennen können. Damit ist die Schweiz unter den Industrieländern das Land mit der niedrigsten Wohneigentümerquote. Was für Liberale etwas besorgniserregend klingen mag, ist tatsächlich Ausdruck eines gut funktionierenden Marktes für Mietwohnungen und steuerlicher Neutralität hinsichtlich der Wohnform.
Die Wohneigentümerquote unterscheidet sich von Land zu Land... » Mehr
Hans van den Elshout-Gyger, Gyger Gourmet, Schönried
Von Michael Wiederstein

Illustration: Matthias Wyler / Studio Sirup.

Hans van den Elshout-Gyger trägt eine weisse Schürze und Handschuhe, als er die Treppe hinaufkommt, er zieht die Arbeitskleidung aus, wäscht sich die grossen Hände und streckt mir eine davon hin. «Gerade fertig», sagt er, holt eine grosse Flasche mit rotem Etikett aus dem Kühlschrank, giesst uns zwei Gläser ein und nimmt an der Holztheke Platz. Hans ist als Salatsaucenproduzent weit über das Berner Oberland hinaus bekannt, er führte ausserdem...
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Wir

Wortwechsel
Von Karen Horn
«Das Wir gewinnt.» – Motto der Förderorganisation «Aktion Mensch»
Wohlig und warm klingt es, das winzige Wörtchen «wir». Nach Gemeinschaft. Nach dem Ende der Einsamkeit. Wir sind wieder wer, und gemeinsam sind wir stark. Wir sind Papst und Fussballweltmeister, wenn auch meistens nur vom Sofa aus. Yes, we can! Das Wir gewinnt. Drei kleine Buchstaben bloss, ein unschuldiges Pronomen – und dann solche Kraft! Aber Vorsicht: nicht selten... » Mehr
Kurzgeschichte von Stefanie Seddon
Aus dem Englischen übersetzt von Anna-Christin Kramer
Mit Illustrationen von Maurice Pierse
Von Stefanie Seddon
Das war der Tag, an dem ich lernte, dass man niemals die Finger aus dem Maul eines Aals ziehen sollte, egal ob lebendig oder tot. Nicht, wenn man hinterher noch Haut übrighaben wollte, um ihn nach Hause zu tragen, und ganz besonders nicht bei einem Blankaal von zehn Kilo.
Ich schwöre, ich war für den Fang verantwortlich, ich ganz allein. Wir waren unten an der Brücke, um Manuka für die Aalruten zu schneiden. Ich hatte so lange gebettelt, Ted und die Zwillinge begleiten...
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Lang erwartet und doch nicht vorbereitet?
Von Redaktion
«Der Zins, also der Preis des Geldes, wurde rund 10 Jahre lang tief gehalten. Aber können ökonomische Kräfte ewig ausgehebelt werden? Oder bedeutet Normalisierung gar: jähes Erwachen? Anregende Lektüre – verbunden mit dem Wunsch, dass Sie sich für die Zukunft richtig positionieren.» 
Remy Reichmuth, Reichmuth & Co Privatbankiers
 

 
Mit der langen Phase expansiver Geldpolitik haben die Notenbanken die Wirtschaft zwar... » Mehr
Die bisherige Politik der Nationalbanken basiert auf der Deutung der Wirtschaft als kenntliches und beherrschbares System. Sie könnte uns teuer zu stehen kommen.
Von William White

William White, zvg.

Es heisst, dass alles mit dem Rückgang der US-Immobilienpreise Ende 2005 begonnen habe. Die dadurch ausgelöste Finanzkrise in den USA, so die populäre Lesart, habe in der Folge viele weitere Teile der Weltwirtschaft angesteckt und eine globale Wirtschaftskrise ausgelöst. Aber: das kann so nicht stimmen. Die Dauer und das Ausmass der Krise und ihrer Folgen können nicht allein durch den Prozess des «Ansteckens» erklärt werden. Vielmehr hatten sich im...
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Die Europäische Zentralbank ist von lauter «Zombies» aus Privatwirtschaft und Finanzindustrie umzingelt, die sie selbst am Leben gehalten hat. Steigen die Zinsen, finden die Zombies zwar ihre Ruhe – für Gesellschaft und Politik dürfte aber das Gegenteil gelten.
Von Gunther Schnabl
Zehn Jahre nach Ausbruch der globalen Finanzkrise läuft die Konjunktur in den Industrieländern wieder rund. Die Aktienmärkte boomen und die Arbeitslosenzahlen sinken, so dass der Ausstieg aus den äusserst lockeren Geldpolitiken ansteht. Über mehr als 30 Jahre hinweg haben die Zentralbanken ihre Zinsen auf ein historisch niedriges Niveau gesenkt (Abb. 1a) und durch umfangreiche Ankäufe von Staats- und Unternehmensanleihen ihre Bilanzen ausgeweitet (Abb. 1b). Nun soll... » Mehr
Historische Lehren, aktuelle Implikationen.
Von Tobias Straumann

Historisches Schreckensszenario: Fed-Chairman Paul Volcker war Verursacher des sogenannten «Volcker-Schocks», da er Ende der 70er Jahre kurzfristig den Nominalzins anhob. Bild: Paul Volcker, mauritius images / mark reinstein / Alamy.

Es braucht wenig Phantasie, um sich vorzustellen, was passieren wird, wenn die Zinsen dereinst schnell ansteigen sollten: Es würde weltweit eine Welle von Pleiten einsetzen, denn die kombinierte private und öffentliche Verschuldung ist seit der Finanzkrise weiter angestiegen. Einmal mehr müsste man dann den legendären Dialog aus Ernest Hemingways Roman «The Sun Also Rises» von 1926 zitieren: «How did you go bankrupt?», Bill asked. – «Two...
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Die Risiken eines Zinsanstiegs für einzelne, stark verschuldete Staaten der Eurozone sind hoch – darüber kann auch die aktuell positive Gesamtwirtschaftsentwicklung nicht hinwegtäuschen. Wo liegen die Gefahrenherde?
Von Lars P. Feld
Europa sieht Licht am Ende des Tunnels: Die Wirtschaft der Eurozone entwickelt sich sehr ordentlich. Das Wirtschaftswachstum wird im Jahr 2018 wohl erneut bei 2,3 Prozent liegen. Für das Jahr 2019 kann man auf eine ähnliche Entwicklung hoffen. Dies liegt nicht nur an der starken deutschen Volkswirtschaft, die sich in der Hochkonjunktur befindet. In fast allen Mitgliedstaaten der Europäischen Währungsunion (EWU) ist das Wirtschaftswachstum kräftig, zuvorderst in Irland... » Mehr
Wie das billige Geld die Hüslischweiz verändert hat und für welche Regionen steigende Zinsen besonders schmerzvoll sein könnten.
Von Roland Füss
Die anhaltend niedrigen Zinsen haben ihre Spuren im Immobilienmarkt hinterlassen. Sie sind übrigens nicht nur die Folge expansiver Geldpolitik, sondern auch ein Ausdruck des Konsumverzichts der geburtenstarken Jahrgänge, die für ihren Ruhestand gesetzlich, individuell oder über die Pensionskasse Vorsorge betreiben. Höhere Ersparnisse bedeuten fallende Zinsen. Die Sparer sind bereit, in riskantere Anlagen zu investieren oder einen höheren Preis für Investments... » Mehr
Von Laura Clavadetscher

Jürg Ziegler, photographiert von Laura Clavadetscher.

Grossmeister Jürg Ziegler oder «The Lightning Fist», wie man ihn in der internationalen Kampfkunstszene nennt, wird von einer Schar übermütiger Kinder in schwarz-gelben Outfits umtummelt, als ich sein Studio in Winterthur betrete. Mit tiefenentspannter Geduld dirigiert der 54-Jährige die Kick- und Dehnübungen seiner jüngsten Shaolin-Schüler. Diese ausgesprochen friedlichen Eindrücke gesellen sich in heiterem Kontrast zu denen eines...
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