Zahl des Monats

Zahl des Monats

Prozent aller in Deutschland geschlossenen Ehen fielen 2016 in den Dezember. Südlich des Rheins war der Dezember als Heiratsmonat deutlich weniger beliebt: In der Schweiz heirateten nur 5,3 Prozent aller Paare im letzten Monat des Jahres. In Österreich waren es sogar nur 4 Prozent. Und: in den letzten Jahrzehnten war die Verteilung stets ähnlich.

Grund für diesen signifikanten Unterschied sind nicht die bestehenden – und durchaus überschaubaren – länderspezifischen kulturellen Eigenarten, auch nicht das Wetter oder die deutsche Vorliebe für Dunkelheit, wie Netflix in der neuen Erfolgsserie «Dark» suggeriert. Die beste Erklärung für das sonderbare zeitliche Muster der Eheschliessungen ist im deutschen Steuerrecht zu finden: Die Aufteilung des gemeinsamen zu versteuernden Einkommens auf beide Ehepartner führt zu einer Besserstellung gegenüber unverheirateten Paaren. In den Genuss der Vorteile durch das Ehegattensplitting in Höhe von bis zu mehreren Tausend Euro kommen Paare aber auch im Jahr ihrer Heirat – und zwar unabhängig vom Heiratsdatum. So haben vor allem Paare mit individuell unterschiedlich hohen Einkommen einen Anreiz, ihre Ehe noch schnell im Dezember eines laufenden Jahres zu schliessen.

Hingegen werden verheiratete Paare in der Schweiz abhängig von einer Vielzahl von Faktoren entweder bestraft oder belohnt, während in Österreich individuelle Einkommen unabhängig vom Familienstand besteuert werden. Nur in Deutschland also werden Paare für eine in den Dezember «vorgezogene» Heirat steuerlich begünstigt – und niemals bestraft. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass relativ viele Paare dort im Dezember nicht nur Weihnachten feiern, sondern auch ihren Hochzeitstag. Trotz des Wetters.

«Sympathisch elitär, aber nie hochnäsig!
Die Kollegen beim MONAT wissen,
dass der liberalen Haltung ein Schuss Ironie gut bekommt.»
Rainer Hank, «FAZ»-Kolumnist,
über den «Schweizer Monat»