64.4

Prozent betrug nach Schätzungen der Europäischen Kommission die Lohnquote in der Schweiz im Jahr 2019.

 

Damit war das Verhältnis von Löhnen zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) höher als in den übrigen 44 berücksichtigten Ländern. Die grossen Nachbarländer folgten in mehr oder weniger grossem Abstand: Deutschland (59,3 Prozent), Frankreich (57,3), Österreich (54,9) und Italien (53,2). In den grossen aussereuropäischen Volkswirtschaften Japan und USA machten Löhne 58 und 56,8 Prozent des BIP aus. Auch über die Zeit sticht die Entwicklung in der Schweiz hervor. Wie Deutschland und Grossbritannien gehört die Schweiz zu der kleinen Gruppe von Industrieländern, in denen die Lohnquote seit 1991 nicht fiel, sondern leicht anstieg.

Für den Rückgang der Lohnquote in vielen Hochlohnländern gibt es eine Reihe von Erklärungsansätzen, die auch Rückschlüsse auf die relativ hohe und konstante Lohnquote in der Schweiz zulassen. Erstens, der technologische Fortschritt der letzten Jahrzehnte hat kapitalintensive Produktions­strukturen attraktiver gemacht, die insbesondere geringqualifizierte Arbeitskräfte ersetzt haben. Zweitens, die Zunahme des internationalen Handels hat Produzenten arbeitsintensiver Handelswaren in Hochlohnländern unter Druck gesetzt und zur Verlagerung arbeitsaufwendiger Produktionsschritte in Niedrig­lohnländer beigetragen. Drittens, technologischer Wandel und die internationale Integration von Märkten haben zum Aufstieg überdurchschnittlich produktiver Superstar-Firmen geführt, die mit überschaubar vielen Angestellten hohe Preise für ihre Leistungen durchsetzen können und hohe Gewinne erzielen.

Die stabil hohe Lohnquote der Schweiz ist vor diesem Hintergrund darauf zurückzuführen, dass in der Schweiz der Aus­bildungsstand überdurchschnittlich hoch ist, die vor Ort produzierten Güter wenig mit Importen aus beispielsweise Asien konkurrieren und Superstar-Firmen nicht so schwer wiegen wie zum Beispiel in den USA. Bleibt es dabei, ist zu erwarten, dass auch die dem Burgfrieden förderliche hohe Lohnquote weiterhin bestehen wird.

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Francis Cheneval, Professor für politische Philosophie,
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