5,7

Prozent der Insassen von Schweizer Gefängnissen sind weiblich.

 

Prozent der Insassen von Schweizer Gefängnissen sind weiblich. In Deutschland sind es 5,6 Prozent, in Österreich 6,6 Prozent. Bei der niedrigen Rate weiblicher Gefangener handelt es sich um ein weltweites Phänomen. In den USA beläuft sie sich auf 10,3, in China auf 8,4, in Brasilien auf 5,1, in Frankreich auf 3,3 und in Israel auf 1 Prozent. Die höchste Quote weiblicher Inhaftierter auf der Liste des World Prison Brief des Institute for Crime & Justice Policy Research an der Universität Birkbeck findet sich in Hongkong: 20,1 Prozent. Weltweit begehen Frauen weniger und weniger schwere Straftaten als Männer. Beides trägt massgeblich zum Unterschied der Inhaftierungsraten bei.

Für die zugrunde liegenden Verhaltensunterschiede zwischen Frauen und Männern gibt es zahlreiche Erklärungsansätze. Prominent sind insbesondere soziokulturelle Ansätze, die Unterschiede hinsichtlich der Sozialisierung von Frauen und Männern betonen – etwa der Umgang mit Risiken. Knaben werden eher ermutigt, Risiken einzugehen, Mädchen hingegen bekommen aus ihrem Umfeld häufiger die Rückmeldung, dass die Vermeidung von Risiken angemessen sei. Ein anderer Ansatz ist das Rollenbild. Je stärker Frauen die Organisation des Haushalts und die Kinderbetreuung obliegen, desto weniger Gelegenheiten für Straftaten haben sie. Deren strafrechtliche Verfolgung könnte zudem weitreichende Konsequenzen für ihre Familie haben, was sie zusätzlich unattraktiv macht.

Auch Ansätze, die biologische Faktoren in den Mittelpunkt stellen, werden diskutiert. So korrelieren Ruhepuls und kriminelles Verhalten negativ miteinander. Männer haben im Mittel einen niedrigeren Ruhepuls als Frauen, der sie möglicherweise furchtloser macht und so eventuell zu ihrer häufigeren Straffälligkeit beiträgt. Im Vergleich zu biologischen Faktoren können sich soziokulturelle Umstände schnell ändern. Wie tiefgreifend eine voraussichtlich fortschreitende Annäherung der gesellschaftlichen Positionen von Männern und Frauen in verschiedenen Gesellschaften ist, sollte sich auch an der Entwicklung des Anteils weiblicher Gefängnisinsassen festmachen lassen können.

«Der beste Journalismus ist der,
den man liest, obwohl einen das Thema bis dahin gar nicht interessiert hat.
Beim MONAT passiert mir das ständig.»
Niko Stoifberg, Schriftsteller und Redaktor bei «getAbstract», über den «Schweizer Monat»