Schatzsuche im Kaukasus

«A Hidden Treasure», wirbt das arzachische Tourismusbüro für Reisen in den bergigen Kleinstaat. Das bietet Arzach seinen Besuchern, und das müssen Sie vor einer Reise dorthin wissen.

Schatzsuche im Kaukasus
Touristen besichtigen das Kloster Dadiwank, fotografiert von Lukas Rühli.

In Arzach landen Sie nicht einfach versehentlich, denn von und nach Arzach ist keinerlei Flugverkehr gestattet. Das abgelegene Land ist nur via Armenien erreichbar, da nicht nur die Grenzen zum Kriegsgegner Aserbaidschan und dessen Exklave Nakitschewan geschlossen sind, sondern auch zum Iran kein direkter Übergang besteht. So ist schon die Anreise abenteuerlich: Der Nachtflug der polnischen Fluggesellschaft LOT ist mit nur einem Stopp in Warschau die bequemste Variante, um in die armenische Hauptstadt Jerewan zu gelangen. Ab dort empfiehlt es sich, die achtstündige Weiterreise in einem vorzugsweise geländegängigen Mietauto in Angriff zu nehmen. Alternativ verkehren auch regelmässig Kleinbusse («marschrutki»). Am Grenzübergang sind kostenlose Touristenvisa einfach zu beziehen, denn Touristen sind hier herzlich willkommen.

Wer wie unsere Redaktion seine Basis in der Hauptstadt Stepanakert aufschlägt, hat keine Mühe, ein Hotel zu finden. Die Preise der besten Hotels sind zwar nur beschränkt gerechtfertigt, jedoch ist ihr Standard durchaus in Ordnung. In anderen Landesregionen mussten wir auf informelle Übernachtungsmöglichkeiten bei Privatleuten zurückgreifen. Solche Homestays werden durch die Fahrer der Kleinbusse am Busbahnhof von Stepanakert vermittelt, einige sind auch online über Plattformen wie Airbnb oder die Website des Tourismusbüros buchbar und mit rund 10 Euro pro Nacht auf jeden Fall preiswerter. Angesichts der übergrossen Gastfreundschaft, die wir jedes Mal erleben durften, können wir diese Art von Übernachtung nur empfehlen.

Chorowats, Dschingalow Hats, Maulbeerschnaps

Das Essen lässt sich in einem Wort zusammenfassen: Grill. Oder auf Armenisch: Chorowats. Ob Lamm, Schweinefleisch, Fisch oder Teile, die ausschliesslich aus Speckfett bestehen – alles ist kräftig gewürzt, saftig und schmeckt hervorragend. Alternative Menüs sind kaum erhältlich, teilweise verfügen Restaurants nicht einmal über eine Speisekarte. Wer Abwechslung sucht auf seinem kulinarischen Speiseplan, wird eher nicht fündig. Für Vegetarier sind fleischlose Hauptspeisen Mangelware. Fladenbrot, diverse Salate und Teller mit aufgehäuften Kräuterbündeln gehören allerdings fest zur Tafel. Kräuter sind auch die Hauptzutat des «Nationalbrots» Dschingalow Hats – frisch zubereitet zum Beispiel in der Markthalle in Stepanakert erhältlich. Ganze 17 verschiedene Sorten davon werden mit gedämpften Zwiebeln in einen dünnen Teig gewickelt und auf einer Art Crêpesscheibe angebraten. Wer die Gelegenheit hat, an einem Grillfest in privatem Rahmen teilzunehmen, sollte sich diese nicht entgehen lassen. Kulinarische Abenteuerlust ist dabei aber Voraussetzung: Lunge und Herz zu essen ist nicht jedermanns Sache.

Fleisch am Spiess: das berühmte armenische Chorowats, fotografiert von Ronnie Grob.

Was nie fehlen darf, ist Hochprozentiges: Grosszügig ausgeschenkt wird die Spezialität der Region, der Maulbeerschnaps, mit 65 bis 70 Volumenprozenten. Man sollte sich der konsumierten Menge jedoch stets gewahr sein, will man sich nicht plötzlich im Status fortgeschrittener Betrunkenheit wiederfinden. Das Trinken ist stets gepaart mit Trinksprüchen, die eine wichtige Funktion der geordneten Kommunikation innerhalb der Gruppe einnehmen. Der Austausch von Freundlichkeiten zwischen Gast und Gastgebern kann dabei zu einer wahren rhetorischen Freude werden, denn ein gelungener Trinkspruch dankt, lobt, berührt das Publikum und erheitert es im besten Fall auch noch.

Frauen auf dem Markt bereiten Dschingalow Hats zu, fotografiert von Stephan Bader.

Hände, Füsse, Gastfreundschaft

Wer einen Laden betritt und sich etwas umschaut, erhält recht bald Besuch von der Kundenberatung, die sich im…

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