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Quadratmeter bewohnte ein Schweizer, eine Schweizerin 2019 im Durchschnitt.

 

Quadratmeter bewohnte ein Schweizer, eine Schweizerin 2019 im Durchschnitt. Damit stand ihnen nur unwesentlich mehr Fläche zur Verfügung als Personen in den anderen beiden ­Ländern der DACH-Region. In Österreich lebten Menschen auf 45,3 Quadratmetern und in Deutschland auf 45,7.

Die Unterschiede zwischen den drei Ländern sind heute marginal. Vor dreissig Jahren war das noch anders. So lebte man in der Schweiz 1990 vergleichsweise auf grossem Fuss, nämlich auf 39 Quadratmetern – gegenüber 32,7 Quadratmetern in ­Österreich und 34,8 in Deutschland. Der Anstieg seit 1990 war in ­allen drei Ländern signifikant und fiel in der Schweiz am schwächsten aus. «Früher war alles besser» trifft also auch ­bezüglich der Wohnfläche nicht zu.

Dessen ungeachtet führte der Run auf die Ballungsgebiete in den vergangenen zehn Jahren dazu, dass die pro Kopf bereit­stehende Wohnfläche in Städten wie Berlin, Wien oder Genf ­zurückging. Zugleich nahm die Fehlallokation zu. Insbesondere in Deutschland, wo in den Top-7-Städten die Neuvertrags­mieten seit 2010 nominell um über 60 Prozent stiegen, wohnen heute mehr Menschen in zu kleinen oder zu grossen Wohnungen: Hohe Mieten bei Neuverträgen halten Witwen in zu ­grossen 4-Zimmer-Wohnungen auf 120 Quadratmetern und ­Familien mit zwei Kindern in zu kleinen 3-Zimmer-Wohnungen auf 80 Quadratmetern.

Der Megatrend Urbanisierung wird von der Coronakrise vermutlich nur einen Dämpfer erhalten: Menschen werden auf der Suche nach Arbeit, Liebe, Vergnügen und Erfüllung weiterhin von den Metropolregionen angezogen. Das wohnungs- und sozial­politische Gebot der Stunde ist deshalb, in den Ballungsgebieten mit starker Anziehungswirkung den Neubau von Wohnungen zu fördern – vor allem durch die Bereitstellung intensiv bebaubarer Flächen. Die Schweiz hat das in den letzten fünf Jahren relativ erfolgreich getan. Pro Einwohner wurden seit 2015 ­jährlich etwa 70 Prozent mehr Wohnungen fertiggestellt als in Deutschland. Gut möglich, dass sie bei der Wohnfläche pro Kopf bald wieder davonziehen wird.

«MONAT für MONAT
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Heinz Zimmermann, Professor für Finanzmarktökonomie,
über den «Schweizer Monat»