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Prozent der Weltbevölkerung lebten 2017 ausserhalb ihres ­Geburtslandes. Von 1990 bis 2005 waren es laut Daten der Vereinten Nationen 2,9 Prozent. In den letzten Jahren ist es weltweit also zu einem Anstieg des Migrantenanteils ­gekommen. Aber er ist weiterhin niedrig. Dass sie so selten vorkommt, ist der vielleicht verblüffendste Fakt zur ­grenzüberschreitenden Migration. Ein Grund dafür ist schlicht, dass Menschen ihr Geburtsland nicht verlassen wollen. Familie, Freunde, die vertraute Sprache und liebgewonnene örtliche Gepflogenheiten machen das ­Geburtsland attraktiv. Wer dennoch seinen Lebensmittelpunkt in ein anderes Land verlagern möchte, muss die von Staaten geschaffenen Migrationshürden nehmen. In den Fällen, in denen sich die Aufgabe des Vertrauten am meisten lohnte, sind die Hürden jedoch besonders hoch – nämlich bei der ­Migration aus armen Ländern mit schwachen Institutionen in reiche Länder mit starken Institutionen. Dass potenzielle ­Migranten den Anforderungen an Ausbildungsniveau und ­Arbeitsmarktaussichten genügen, ist umso unwahrscheinlicher, je schlechter das von ihnen bei der Geburtslandlotterie ­gezogene Los ist. Die Schweiz gehörte 2017 mit 29,6 Prozent zu den 40 Ländern mit dem höchsten Anteil an Migranten, hiervon stammen über 80 Prozent aus Europa. Weltweit am niedrigsten war der Migrantenanteil in den drei kommunistischen Ländern Kuba, Vietnam und China. Die USA waren (mit grossem Abstand vor Saudi-Arabien und Deutschland mit jeweils etwa 12 Millionen) das Land mit den meisten Migranten in absoluten Zahlen: knapp 50 Millionen. Seit 1820 sind legal über 80 Millionen Menschen in die USA emigriert. Der Grossteil kam aus ­deutlich ärmeren Ländern. Dieses Modell der Wohlstands­mehrung ­sollten die Mitglieder reicher Gesellschaften im Disput über Migrationshürden stets vor Augen haben.

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