10 000 Meter, 900 km/h

Der Reiseflug: Vor Ihnen die Schallmauer, hinter Ihnen der Strömungsabriss.

Haben Sie sich auch schon gefragt, weshalb Ihr Flugzeug im Reiseflug immer etwa mit 900 km/h auf etwa 10 000 Metern Höhe fliegt? Der Grund ist, leicht vereinfacht dargestellt, der folgende: Oben ist die Luft dünner, damit hat das Flugzeug weniger Luftwiderstand, kann schneller fliegen und kommt schneller ans Ziel. Aber warum fliegt man dann nicht gleich auf 20 000 Metern Höhe und profitiert von noch weniger Luftwiderstand und warum mit 900 und nicht mit 500 oder 1500 km/h?

In tieferen Schichten der Atmosphäre halbieren sich etwa alle 5500 Meter die Luftdichte und der Luftdruck: Auf 5500 Metern hat man noch die Hälfte, auf 11 000 Metern etwa einen Viertel der Luftdichte auf Meeresspiegel. Als Folge steigt die Minimalgeschwindigkeit entsprechend: Liegt die Start- und Lande­geschwindigkeit am Boden beispielsweise bei etwa 250 km/h, beträgt sie auf 11 000 Metern je nach Flugzeugtyp fast 1000 km/h. Sie können also nicht einfach auf 10 000 Metern mit 500 km/h fliegen, die Strömung würde abreissen. Schneller geht auch nicht, da kommt Ihnen die Schallmauer in die Quere, die auf diesen Höhen etwa 1000 km/h beträgt. Es küssen sich dort oben also Minimal- und Maximalgeschwindigkeit. Das Geschwin­digkeitsband, in dem Sie fliegen können, beträgt dort oben nur wenige Dutzend km/h. Keine Sorge: Sowohl die Cockpitcrew wie auch der Bordcomputer und die Flugsicherung wissen das alles.

Wenn Sie also das nächste Mal die Reiseflughöhe erreicht haben: Geniessen Sie das gute Essen, gönnen Sie sich einen Campari Soda, schauen Sie einen schönen Film, lesen Sie ein gutes Buch oder geniessen Sie einfach die tolle Aussicht von oben. Möglicherweise schwatzen Sie mit der Nachbarin oder dem Nachbarn oder stellen sich schlafend, griesgrämig oder fremdsprachig. Flughöhe und Geschwindigkeit werden projiziert: 10 000 Meter, 900 km/h. Denken Sie daran: Vor Ihnen ist die Schallmauer, hinter Ihnen der Strömungsabriss. Guten Flug!

«Der beste Journalismus ist der,
den man liest, obwohl einen das Thema bis dahin gar nicht interessiert hat.
Beim MONAT passiert mir das ständig.»
Niko Stoifberg, Schriftsteller und Redaktor bei «getAbstract», über den «Schweizer Monat»